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Olympische Spiele Langlauf: Klæbo gewinnt erstmals einen zehn Kilometer Freistil Einzelstart und drittes Gold

Zum ersten Mal in seiner Karriere konnte Johannes Høsflot Klæbo einen Einzelstart in der freien Technik für sich entscheiden. Da das ausgerechnet heute der Fall ist, feierte er nun seinen dritten Olympiasieg 2026 und ist auf dem Weg zu sechs Goldmedaillen wie bei der WM in Trondheim – wer soll ihn jetzt noch aufhalten? Silber ging wie im Skiathlon an Mathis Desloges vor Topfavorit Einar Hedegart.

Gute Bedingungen trotz frühlingshaften Temperaturen

„Glücklicherweise hatten wir nachts -5°C, es ist kompakt durchgefroren. Die Bedingungen sind sehr schnell. Durch die Sonne kommt Feuchtigkeit dazu. Das hat bisher noch gute Auswirkungen für uns. Die Bedingungen werden immer schneller. Um die Mittagszeit wirkt die Sonne intensiver ein, und es wird immer feuchter. Es wird stumpfer und tiefer“, meinte DSV-Cheftechniker Lukas Ernst vor dem Rennen in der ARD. Zu Rennbeginn lagen die Temperaturen dann wie bei den Damen bei +6°C und Teamchef Peter Schlickenrieder rechnete mit fairen Bedingungen für alle Athleten, obwohl heute nicht gesalzen wurde. „Da gibt es keine Ausreden“, so Schlickenrieder. Eine Ausrede für Johnny Steel Hagenbuch ist definitiv die schwierige Streckenführung mit sich überschneidenden Runden – der sommerlich gekleidete Amerikaner verlief sich nämlich, bemerkte aber seinen Fehler und drehte um, so dass es nicht zu einer Bestrafung der Jury kam. Stattdessen erwischte es später den Spanier Bernat Selles Gasch, der disqualifiziert wurde.

Erstes Gold im Einzelstart für Klaebo

Zuerst lief im Rennen alles wie erwartet Johannes Høsflot Klæbo lieferte stark ab, hatte aber eine frühe Nummer in der roten Gruppe gezogen, so dass er abwarten musste, was seine Zeit wert ist. Auf dem Leader’s Chair deutete der 29-Jährige mit einer Geste an, dass es ein ganz enges Rennen sein würde, obwohl Topfavorit Einar Hedegart, der neun Minuten nach ihm startete, zu diesem Zeitpunkt fünf Sekunden vorne lag und weiter auszubauen schien. Diese fünf Sekunden hielt der 24-Jährige bis zum Ende der zweiten Runde, dann wurde es ganz schwer für den Biathleten. Hedegarts Vorsprung schmolz im Laufe der letzten 2,5 Kilometer zunächst auf 2,8 Sekunden, 400 Meter später waren es nur noch 0,7 Sekunden. Schon hier war klar, dass der 24-Jährige das nicht würde halten können und am Zorzi-Anstieg schien der förmlich zu stehen. Er war völlig blau und kam mit 14 Sekunden Rückstand ins Ziel, was immerhin noch die Bronzemedaille bedeutete. „Das ist eines der Rennen, an die ich am meisten gedacht habe. Ich habe diese Disziplin noch nie gewonnen, so dass es Zeit war, das zu schaffen und das bei den Olympischen Spielen, das ist großartig. Ich war hochmotiviert, das hier zu schaffen und mich darauf vorbereitet. Meine Form ist sehr gut im Moment. Dann hast du einen Versuch und heute war mein Tag“, freute sich Klæbo im ARD-Interview. „Dass die ganze Familie hier ist, motiviert mich enorm. Das ist das erste Mal, dass sie nicht so weit reisen mussten. Bei zwei Olympischen Spielen war ich ohne Familie. Es ist toll, sie nun hier zu haben. Besonders meinen Großvater, der auch mein Trainer ist, das ist ganz besonders.“ Mit einem Staffelsieg würde Klæbo zum erfolgreichsten Winterolympioniken  aller Zeiten werden. Aktuell ist  Bjørn Dæhlie mit acht Gold und vier Silber der erfolgreichste männliche Langläufer – Klæbo steht seit heute bei acht Goldenen, einmal Silber und einmal Bronze

Desloges jubelt laut über erneutes Silber

Silber ging wie im Skiathlon an Mathis Desloges – diesmal ohne unerlaubte Abkürzung. Der Franzose, der eine Einzel- und eine Team-Medaille als Ziel ausgegeben hatte, war das ganze Rennen ganz dicht dran an Klæbo – auch wenn alle Welt nur auf das Duell Klæbo/Hedegart schaute. Am ersten langen Anstieg war er sogar der Schnellste vor Hedegart, während Klæbo sehr langsam gestartet war und zu diesem Zeitpunkt mit sieben Sekunden Rückstand nur Zwölfter war. Ab der zweiten Runde hatte Desloges nie mehr als fünf Sekunden Rückstand auf Klæbo – auch im Ziel, wo beide 4,9 Sekunden trennten. „Ich habe sehr hart dafür trainiert. Ich will der Beste der Welt sein. Ich habe die Zwischenzeiten bekommen, habe mich aber auf mein eigenes Rennen konzentriert“, sagte der Franzose bei Eurosport. Zu France Télévisions sagte er: „Der französische Langlauf verbessert sich von Tag zu Tag. Heute haben wir gezeigt, dass wir dran sind und unter den besten Nationen der Welt. Wir trainieren das ganze Jahr lang, wir machen einen undankbaren Sport. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Stunden der Arbeit da drin stecken, für Athleten, Betreuer, Techniker… Eine Medaille um den Hals zu haben ist die Belohnung für all das, das ist unbeschreiblich.“

Topfavorit Hedegart zufrieden mit Bronze

Einar Hedegart war nach drei Siegen in Freistil-Einzelstarts, zwei im Weltcup und einer bei der norwegischen Saisoneröffnung, als klarer Favorit ins Rennen gegangen, hatte es sich aber offenbar falsch eingeteilt und war von Anfang an Vollgas gelaufen, was sich auf diesen schweren Strecken rächte. Dennoch war er alles andere als unzufrieden: „Ich bin sehr glücklich mit Bronze, obwohl die Möglichkeit bestand, dass ich Gold gewinne und Johannes schlage. Aber das ist mein erster Start auf diesem Niveau. Es ist nicht so einfach, hier aufzutauchen und einfach Gold mitzunehmen. Ich bin sehr glücklich und war noch nie so müde wie jetzt“, so der 24-Jährige, der erzählt, wie er völlig blau ging: „Ich konnte die letzten zwei Kilometer kaum noch noch was sehen und musste mich jeden Meter ins Ziel kämpfen. Als Johannes mir sagte, ich habe Bronze, war ich sehr glücklich und ganz und gar nicht enttäuscht. Das war eine neue Erfahrung, das habe ich noch nie erlebt. Es war gut, dass ich es geschafft habe, auf meinen Füßen zu bleiben und ins Ziel zu kommen.“ Obwohl er ein so überragender Skater ist, gibt es auch bei ihm technische Fehler, die es auszumerzen gilt: „Ich habe im letzten Monat versucht, an meinen Schwächen zu arbeiten. Ich werde in der Zukunft weiter daran arbeiten und noch besser werden. Ich habe alles geben, aber weil ich so erschöpft war, kann ich auch nicht unzufrieden sein mit dem dritten Platz.“ Lachend schloss er:

Klæbo hat einen Grund zu feiern. Er hat mich das erste Mal in seinem Leben geschlagen.

Auch Peter Schlickenrieder hat den Einbruch des Norwegers am Zorzi-Anstieg stehend hautnah mitbekommen: „Da muss man auf keine Uhr mehr schauen, man sieht es, was da passiert. Schon in dieser Omega-Kurve war zu sehen, das er sich schwer tut, auf den Skiern zu bleiben. Man hat gesehen, dass er aus der 1-1 Technik umstellen musste in den Bergschritt und da war klar, jetzt ist der Käse gebissen. Und wenn man auf einem Kilometer 20 Sekunden verliert, da kann man ein bisschen erahnen, welche Schmerzen es in den Beinen und und der Lunge sind und nur der Kopf einen noch ins Ziel bringt. Aber das ist natürlich schon eine harte Nummer.“

Amundsen weiter ohne Medaille

Harald Østberg Amundsen ging als Vierter erneut leer aus vor seinem Teamkollegen Martin Løwstrøm Nyenget. Der seit 2009 in Trondheim lebende Schotte Andrew Musgrave konnte endlich einmal beim Großereignis seine Form abrufen und wurde starker Sechster. „Davide Graz wird Siebter“, hatte Trainer Markus Cramer gestern zu den Chancen seiner Italiener gesagt. Mit der Platzierung lag er absolut richtig, es war jedoch der Piemonteser Martino Carollo, der diese starke Leistung abrief – Graz wurde nur 41. Hugo Lapalus und Victor Lovera als Achter und Zehnter sowie Jules Lapierre als 16. rundeten das erneut starke französische Ergebnis ab und machen die Franzosen zu Topfavoriten auf Silber in der Staffel. Thomas Stephen, der die kanadischen Olympiatrials in der klassischen Technik gewonnen hatte, zeigte sich diesmal im Skating stark und belegte Platz neun. Auch die Tschechen Michal Novak und Matyas Bauer überzeugten als Elfter und 13. wie auch Joe Davies als Zwölfter. William Poromaa gehörte diesmal zu den Sturzopfern, was seinen offenbar immer noch schmerzenden Rippen nach Sturz in Toblach sicher nicht gut tat, und endete auf Platz 20. 

Zwei Schweizer und Österreicher in besten 30

Deutschsprachige Athleten schafften es nicht unter die besten 20. Allerdings können Beda Klee und Nicola Wigger als 21. und 24. sehr zufrieden sein. Sprinter Noe Näff kam als 59. ins Ziel. Auch die Österreicher brachten zwei Athleten unter die besten 30. Für Benjamin Moser ist Rang 26 definitiv ein Erfolg – mit Mika Vermeulen der 27. natürlich nicht. Beide Österreicher verloren etwa 1:30 Minuten auf die Schnellsten. Der Ramsauer steckt in einer Sinnkrise. Auf Olympia.at wird er nach dem Rennen zitiert: „Es ist einfach zu schlecht. Die Wahrheit ist, dass im Moment nicht mehr drin ist. Wer spielt, kann verlieren. Wir haben alles auf Olympia gesetzt und Stand jetzt haben wir alles verloren““, analysierte ein sichtlich geknickter Vermeulen, der sich zudem auch noch erkältet hat. „Gestern in der Früh bin ich verkühlt aufgewacht und habe mir gedacht, das war es, jetzt geht es nach Hause. Aber ich habe mir gesagt, jetzt bist du schon da, sparen musst du auch nicht mehr. Im ganzen Unglück und Frust bin ich dennoch auch irgendwie stolz, dass wir es probiert haben. Wir haben uns als gesamtes Team gestellt.“ Ob er die 50 Kilometer aber in Angriff nehmen wird, ist aktuell fraglich. „Heute ist scheiße, morgen ist auch nicht gut, aber übermorgen ist wahrscheinlich wieder alles okay. Es ist nur Sport, auch wenn man dafür lebt und dem alles unterordnet. Ich bin der Meinung, dass ich viel richtig gemacht und viele gute Entscheidungen getroffen habe, aber anscheinend ist es irgendwo schiefgegangen. Wo genau, müssen wir herausfinden. Jetzt gehe ich einmal schlafen und dann schauen wir, wie ich morgen aufwache. Man muss jetzt realistisch und ehrlich sein – es muss schon auch Sinn machen. Nur rumquälen, damit man irgendwie ins Ziel kommt, ist nicht mein Anspruch.“ Er hatte im Vorfeld in seinem Podcast gesagt, er habe „definitiv nicht zu wenig trainiert“. Den Vorwurf eines Übertrainings widerspricht er aber auch: „Es gibt Leute da vorne, die deutlich mehr trainieren als ich. Wissen tut man es natürlich nie. Wenn es so einfach wäre, könnte es eh jeder.“

Notz bester Deutscher

Wie erwartet wurde Florian Notz im Freistil-Einzelstart bester Deutscher und das obwohl sein Start auf der Kippe gestanden hatte. Darum zeigte er sich mit Platz 22 ziemlich zufrieden, obwohl ursprünglich die besten 15 das Ziel waren. „Ich habe mir mehr vorgenommen. Gestern hatte ich Kopfweh und Gliederschmerzen und wusste gar nicht, ob ich laufen kann. Deswegen bin ich froh, dass ich laufen konnte und ich habe wirklich alles gegeben. Deswegen bin ich auch eigentlich zufrieden.“

Mit dem Ski wäre heute das Podest drin gewesen. Am Ski lag es nicht, das ist eher der Pilot.

Nicht zufrieden war aber Janosch Brugger, obwohl Skating seine schwächere Technik ist. Heute war er definitiv zu langsam unterwegs, wie er unterwegs bei Kilometer fünf merkte, als plötzlich Zak Ketterson an ihm vorbeizog. „Das ist extrem bitter. Ich bin irgendwann von dem Amerikaner hinter mir eingeholt worden und habe gemerkt, dass ich viel zu langsam bin, aber ich hätte auch nicht zusetzen können. Vom demher sind es dann bittere zehn Kilometer, weil an Tag X muss dann immer alles passen und das hat es leider nicht und dann ist das Resultat…. Mit dem Ski wäre heute das Podest drin gewesen“, lachte er trotz Platz 44. „Ich bin mit dem Amerikaner ganz easy mitgefahren, am Ski lag es nicht, das ist eher der Pilot.“ Von Friedrich Moch hatte Teamchef Peter Schlickenrieder heute nicht so viel erwartet, nachdem der Isnyer im Skiathlon viel zu schnell angegangen war, „als ob er das Rennen gewinnen will und kann“. Heute sagte er: „Von Frie erwarte ich nicht zu viel. Der wird es wieder probieren, sicher mit der Brechstange. Mal sehen, ob die Brechstange erfolgreich ist.“ Wenig später stellte er dann fest, dass Friedrich Moch „nicht ganz so scharf angegangen“ ist wie im Skiathlon. Der 25-Jährige lief ein konstantes Rennen zwischen Platz 35 und 40 und endete als 37. „Das war schon ganz schön frustrierend. Ich habe mich gefreut auf heute. Es ist eine Traumkulisse, faire und coole Bedingungen für alle. Es war pfeilschnell. Die Runde mag ich auch sehr gerne. Ich habe mir vorgenommen, etwas dosierter ins Rennen zu starten, so dass ich am Ende noch mehr Power habe, aber irgendwie hat sich das von Anfang an schlecht angefühlt. An der Wärme lag es nicht, ich komme eigentlich mit allen Bedingungen zurecht. Aufs Wetter würde ich es nicht schieben, aufs Material auch nicht. Es war irgendwie die ganze Saison schon nicht gut und nicht wie ich es mir vorstelle“, sagte Friedrich Moch enttäuscht. „Für die Staffel schauen wir mal. Favoriten sind wir nicht, aber wir werden uns schon zusammenraffen für Sonntag und schauen, dass wir das Beste draus machen.“

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