Frida Karlsson ist in der Form ihres Lebens und wird noch die eine oder andere olympische Goldmedaille mit nach Hause nehmen. Heute über zehn Kilometer in der freien Technik war sie wieder eine Klasse für sich. Jessie Diggins lief mit Rippenprellungen zu Bronze.
Chance für deutsche Ersatzfrau
Wie gestern bei der Nordischen Kombination zu sehen war, werden die Bedingungen auf der ohnehin sehr selektiven Strecke immer schlechter und tiefer. Der erwartete Kälteeinbruch blieb bisher aus und wird nicht vor Sonntag eintreffen, so dass es gilt, nicht zu viele Kräfte zu verschwenden für das wichtige Staffelrennen am Samstag. So verzichteten die Klassikspezialistinnen Katherine Sauerbrey und Katharina Hennig Dotzler im Hinblick auf die Staffel auf den schweren Einzelstart. Bei Hennig Dotzler kommt noch hinzu, dass sie in den Anstiegen in der Skatingtechnik das Gefühl hatte, als hätte ihr „jemand Beton in die Oberschenkel gegossen“. Außerdem war sie die letzten Tage verschnupft, was aber ihrer Gräserallergie zugeschrieben wird. Die Sächsin nutzte den Sprinttag zu einem Langlauf-Ausflug mit der Familie am Lavazé und wird sich wie Sauerbrey auf die Staffel vorbereiten. „Die achte Dame haben wir als Reserve erstmal zu Hause gelassen, wenn ein Startplatz frei wird und jetzt wird ein Startplatz frei, weil die Katherine Sauerbrey auf die zehn Kilometer Skating verzichtet“, sagte Peter Schlickenrieder zur Aufstellung: „Damit kommt nun Theresa Fürstenberg zum Zug. Sie freut sich riesig drauf mit ihrem norwegisch-deutschen Spirit, ihre Chance zu nutzen und hoffentlich ein schönes Erlebnis mitzunehmen. Bei Theresa geht es wirklich darum, Erfahrungen zu sammeln und ihre bisher gute Saison mit einem Olympiaauftritt zu krönen.“
Karlsson erneut mit riesigem Vorsprung vor Andersson
Das größte Problem im heutigen Rennen war erstmal, sich nicht zu verlaufen, denn die zehn Kilometer wurden auf zwei unterschiedlichen 3,75 Kilometer-Runden ausgetragen plus einer 2,5 Kilometer-Runde, die sich teilweise überschneiden. Letztlich war es eine Isländerin, die aus dem Rennen genommen wurde, nachdem sie in der falschen Runde unterwegs gewesen war. Mit +6°C war es wieder sehr warm, aber nach der Qual der Kombinierer, die die Beine sehr hoch heben mussten in den Anstiegen, war die Strecke gesalzen worden, was die Bedingungen deutlich verbesserte. Auch heute war wieder Frida Karlsson das Maß aller Dinge. Nach der ersten 3,75 Kilometer-Runde in der Nähe der Häuser von Lago drehte die 26-Jährige richtig auf und baute ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Als die vor ihr gestartete Ebba Andersson die Ziellinie überquerte, skatete Frida Karlsson schon über die Welle und nahm die Zielgerade in Angriff. Die Schwedin gewann mit dem historisch zweitgrößten Vorsprung über zehn Kilometer bei Olympischen Spielen mit 46,6 Sekunden Vorsprung – nur Lydia Wideman (FIN) war bei den Olympischen Spielen 1952 in Oslo mit 59 Sekunden Vorsprung noch überlegener. „Das ist verrückt. Ich war so aufgeregt vor dem Rennen. Aber es hat einfach so viel Spaß gemacht. Mein Team hat mir so viel Energie gegeben und mich inspiriert und die Zuschauer haben mich zu Gold getragen. Ich bin so dankbar für alle Menschen um mich herum, die mich immer unterstützt haben. Es war ein langer Weg bis hierher und ich habe mir vorgenommen, es zu genießen wie das Langlaufen als Kind und ich bin so froh, dass alles so aufgegangen ist“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin im ZDF. Bei Eurosport sagte sie zudem auf die gesalzene Strecke angesprochen: „Ich mag es lieber, wenn es tiefer ist, weil es dann für alle anderen schwerer ist.“ Ihre Teamkollegin sagte nach der zweiten Silbermedaille: „Ich denke, ich bin mit einem guten Tempo gestartet. Aber in der zweiten Runde haderte ich mit meiner Technik und dann habe ich einfach versucht, noch einmal alles zu geben, was möglich ist. Das ist ein unglaublicher Abstand. Frida ist in einer anderen Welt. Ich bin einfach beeindruckt.“
Diggins mit Rippenverletzung zu Bronze
Jessie Diggins wollte ihren olympischen Medaillensatz bei diesen Spielen sicher noch einmal um eine Goldmedaille auf ihrer Paradestrecke über zehn Kilometer Freistil ergänzen. Aber nach ihrer Rippenprellung vom Skiathlon, die bei jedem Atemzug schmerzt, und der überragenden Frida Karlsson hatte sie sich das vermutlich schon selbst abgeschminkt. Mit ihrem bekannten Kampfgeist ging sie wieder bis über ihre Grenze und lag im Ziel noch länger als sonst schwer keuchend im Schnee. Für ihren Einsatz wurde die 34-Jährige jedoch mit der Bronzemedaille belohnt, nur drei Sekunden hinter Andersson. „Ich brauche einen neuen Körper“, stöhnte Jessie Diggins, als sie zum Eurosport-Interview erschien. Dort sagte sie dann: „Ehrlich gesagt bin ich glücklichste und dankbarste Bronzemedaillen-Gewinnerin in der ganzen Welt. Es war eine extrem schmerzhafte Woche. Vor zwei Tagen dachte ich noch, dass ich nicht weiß, wie ich das schaffen soll. Ich war die ganze Nacht wach. Die Rippen schmerzen die ganze Zeit. Es war ein weiter Weg hierher und ich war froh, vor dem Start meinen Mann zu sehen und einen dicken Kuss zu bekommen. Ich weiß, dass meine Familie und meine Freunde mich immer lieben, egal wie ich hier abschneide. Ich wollte die Ziellinie überqueren und alles gegeben haben und ich sagte mir, dass ich auf jeden Fall stolz bin, egal wie es ausgeht. Du kannst dich nur auf deine Leistung konzentrieren und das habe ich getan. Ich bin so froh und dankbar, dass es genug für Bronze war. Ich bin stolz, dass ich es an den Start geschafft habe und auch das Ziel erreicht habe. Schon ins Ziel zu kommen fühlt sich wie eine Goldmedaille an.“ 2010 lief Petra Majdic nach einem Unfall beim Warmlaufen mit vier gebrochenen Rippen und Pneumothorax ebenfalls zur olympischen Bronzemedaille. Die drei Medaillengewinnerinnen warteten im Ziel auf die letzten Athletinnen und Jessie Diggins umarmte die Iranerin Samaneh Beyrami Baher, mit der sie sich bei gemeinsamen Trainings auf der Seiser Alm nach der Tour de Ski anfreundete und ihr ein Paar ihrer Ski schenkte, und die letzte Finisherin Regina Martinez-Lorenzo besonders herzlich. Die Mexikanerin lebt inzwischen mit ihrer Familie in Minneapolis und kennt Diggins von dort – das Leben dort ist aktuell aber sehr gefährlich durch die ICE Einwanderungsbehörde, so dass sie immer mit schlimmen Nachrichten von zu Hause rechnet. Knapp leer ging Astrid Øyre Slind aus, der 3,3 Sekunden auf Diggins fehlten. Auf den Plätzen fünf und sechs folgten mit Heidi Weng und Karoline Simpson-Larson zwei weitere Norwegerinnen. Teresa Stadlober wurde gute Siebte nach ihrer Erkältung vom Beginn der Spiele vor der erst 20-jährigen Alison Mackie aus Kanada. Kristin Austgulen Fosnæs und Leonie Perry komplettierten die besten Zehn vor Moa Ilar, Katerina Janatova und Emma Ribom.
Stadlober zufrieden mit Platz sieben
Teresa Stadlober wies im Ziel einen Rückstand von 1:10 Minuten auf und war mit dem siebten Platz sehr zufrieden, weil sie in dieser Saison nie besser als 14. war im Freistil-Einzelstart. Am xc-ski-Mikrofon sagte sie dazu: „Ich muss sagen, es war heute mein bestes Ergebnis über zehn Kilometer Skating dieser Saison, ich war bisher 14. und 17. Darum war das schon eine Steigerung und das nach meiner Verkühlung direkt vor den Spielen, da habe ich schon gewusst, dass eine Medaille außer Reichweite ist. So passt es für mich körperlich und die Form auch. Das große Ziel ist jetzt der 50er, da freue ich mich schon lange drauf. Aber vorher laufen wir noch die Damen-Staffel, da freue ich mich auch sehr darauf, weil das für uns schon ein großer Erfolg ist. Und dann alles auf den 50er.“ Teresa Stadlober hatte heute Verstärkung im Team, das alle vier Startplätze ausnutzte. Katharina Brudermann, die in Meråker studierte und anschließend bei ihrem norwegischen Freund blieb und weiter in der Region Meråker zwischen Trondheim und Östersund lebt und trainiert, musste die Tour de Ski mit Rückenbeschwerden aufgeben. Als Test für die Spiele bestritt sie zuletzt ein FIS-Rennen im 20 Kilometer Einzelstart in Trondheim, das sie als 18. beendete, fast vier Minuten hinter Siegerin Karoline Grøtting. Heute verlor sie drei Minuten auf Karlsson und landete ihrer Startnummer entsprechend auf Rang 41. Lisa Achleitner und Magdalena Scherz belegten die Plätze 55 und 58.
Drei Schweizerinnen mit guten Resultaten
Nach ihrem bockstarken vierten Platz im Skiathlon wurde Nadja Kälin auch diesmal wieder beste Schweizerin. Die 24-Jährige ging die erste Runde vorsichtiger an als andere und arbeitete sich dann von Position 22 nach 3,75 Kilometern immer weiter nach vorne. Am Schluss belegte sie einen starken 14. Rang knapp vor Nadine Fähndrich, die 16. wurde. Die jüngere Marina Kälin belegte einen starken 23. Platz und die vierte Schweizerin Lea Fischer wurde 52.
Fink als 18. enttäuscht
„Die Strecke ist eine Kombination aus allem, was es hier gibt. Die Anstiege haben es in sich, da muss man sich die Kraft gut einteilen“, meinte Pia Fink gestern nach dem Training. Wie ihre Teamkolleginnen verlor sie aber schon auf den ersten 1,8 Kilometern etwa 20 Sekunden auf die Schnellsten. Zwar schob sie sich danach noch deutlich nach vorne, mehr als Platz 18 wurde es als beste Deutsche aber nicht, was sie natürlich nicht zufriedenstellte. Woran es lag, konnte die Schwäbin aber selbst nicht sagen: „Momentan überwiegt die Enttäuschung. Das war gar nicht das, was ich mir heute vorgenommen habe. Momentan bin ich auch ein bisschen ratlos und weiß nicht, woran es heute lag. Zum Material kann ich gerade gar nichts sagen. Ich bin die ganze Zeit alleine gelaufen, aber der Ski hat sich nicht schlecht angefühlt. Die Bedingungen haben mir heute mit der hohen Startnummer sicher auch nicht in die Karten gespielt, da hatte man vorne sicher einen Vorteil. Aber ich habe mich gut drauf eingestellt, ich habe die harten Passagen genutzt, die es noch gab. Aber ich weiß auch nicht, woran es heute lag.“
Auch Hoffmann enttäuscht
Helen Hoffmann hatte gestern auf die Frage, was sie sich als Ergebnis vornehmen würde, gesagt: „Nichts Bestimmtes. Platz eins wäre cool, aber das wird nie passieren.“ Dennoch war die ehrgeizige Thüringerin mit ihrem Auftritt als 28. mit 2:18 Minuten Rückstand auf ihrer Lieblingsstrecke sehr unzufrieden und sagte im ZDF kurz angebunden: „Ich glaube, das brauche ich nicht einordnen. Das war von vorne bis hinten nichts. Das kann ich nicht ändern. Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich es ändern. Es lief einfach nicht.“ Sofie Krehl hatte sich voll auf den Sprint konzentriert, der für sie im Viertelfinale endete. Erst danach erfuhr sie, dass sie die zehn Kilometer laufen kann und machte sich mit der schwierigen Strecke vertraut. Obwohl sie lockerer in das Rennen ging als an Sprinttagen, wurde es ein schwerer Tag für sie, der mit drei Minuten Rückstand auf Platz 42 endete. „Es war eine unendlich harte Strecke. Es war von Anfang an hart, deswegen konnte ich am Berg nichts mehr zusetzen. Ich habe versucht, mich durchzukämpfen“, sagte Sofie Krehl, die mit den heutigen Bedingungen zufrieden war: „Gestern war es eine richtige Zumutung, heute war es gut, es war kompakt, es hat ein bisschen aufgemacht. Es war alles machbar und auch die Abfahrten waren gut zu fahren.“ Theresa Fürstenberg war zum Lernen angereist und überquerte als 68. die Ziellinie. „Das war richtig hart natürlich. Die Strecke war schon richtig brutal, man konnte sich nicht mal in der Abfahrt richtig erholen. Da war ich schon ganz blau am Ende, aber es hat Spaß gemacht. Ich bin froh, dass ich hier und bin und dass ich heute laufen darf. Jetzt habe ich vier Jahre Zeit zum Trainieren“, sagte die Halb-Norwegerin, die auch noch zur Dopingkontrolle musste: „Das ist auch geil“, meinte sie.
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