Biathlon Weltcup: Deutsche Damenstaffel auf Rang vier – Norwegen gewinnt

Marte Olsbu Roeiseland (NOR), Tiril Eckhoff (NOR), Ida Lien (NOR), Ingrid Landmark Tandrevold (NOR), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Die Norwegerinnen gewinnen das letzte Staffelrennen der Saison beim Biathlon Weltcup in Kontiolahti vor den Olympiasiegerinnen aus Schweden und dem Quartett aus Italien. Die deutsche Damenstaffel landet nach einer großartigen Aufholjagd neben dem Podest auf Rang vier. Frankreich wird disqualifiziert und verliert dadurch den Sieg in der Gesamtwertung.

Norwegische Staffel bestimmt das Rennen

Ingrid Landmark Tandrevold (NOR) © Manzoni/NordicFocus

Das norwegische Damenteam in der Besetzung mit Marte Olsbu Roeiseland als Startläuferin, Tiril Eckhoff, Ida Lien und der nach ihrem Schwächeanfall in Peking offensichtlich wieder erstarkten Ingrid Landmark Tandrevold auf der Schlussposition siegte im letzten Staffelrennen der Saison nach insgesamt vier Nachladern mit einem Vorsprung von 37,7 Sek. vor den Schwedinnen. Sie traten in der Olympiaformation mit Linn Persson, Anna Magnusson, Hanna Oeberg und Elvira Oeberg an und sicherten sich nach ihrem olympischen Gold nicht nur die Silbermedaille in Kontiolahti sondern rückten dadurch an die Spitze der Gesamtwertung und wurden mit der kleinen Kristallkugel geehrt. Die Italienerinnen in der Besetzung Samuela Comola, Dorothea Wierer, Federica Sanfilippo und Lisa Vittozzi komplettierten das Podest. Nach sieben Nachladern erreichten sie nach ihrem vierten Rang beim Biathlon Weltcup in der Heimat in Antholz in Kontiolahti das erste Mal in der zu Ende gehenden Saison einen Podestplatz.    

 

Frankreich verpasst Gesamtwertung wegen Disqualifikation

Die vier Französinnen lagen in der Gesamtwertung in Führung und um die kleine Kugel zu erreichen hätte ein achter Rang ausgereicht. Aber es kam anders. Während Anais Bescond noch gut ins Rennen kam nahm das Drama bei Anais Chevalier-Bouchet seinen Anfang. Zwei Strafrunden im liegenden Anschlag und offensichtlich hatte sie dabei nicht genügend Nachladepatronen am Gewehr. Statt der vorgeschriebenen Einzelpatrone lud sie verbotener Weise ein komplettes Magazin nach, was den Schießstandbeobachtern nicht entging. Justine Braisaz-Bouchet und Julia Simon liefen das Rennen zu Ende, allerdings war zwischendurch schon bekannt geworden, dass die Jury nach Rennende über den Vorfall entscheidet. Ob die Französinnen den erforderlichen Rang erreicht hätten bleibt offen, aber mit der Disqualifikation blieben sie gänzlich ohne Punkte und wurden letzten Endes Dritte in der Gesamtwertung.   

„Es ist mittlerweile eine Kopfsache“

Vanessa Hinz (GER) © Manzoni/NordicFocus

Auch das deutsche Staffelteam startete in der olympischen Aufstellung. Vanessa Voigt lief die Staffel in gewohnter Weise an, blieb liegend fehlerfrei, aber im Stehendanschlag benötigte sie ihre drei Reservepatronen um eine Strafrunde zu vermeiden. Mit nur 1,3 Sek. Laufrückstand auf die Schnellste, Marte Olsbu Roeiseland, hielt sie ihre Staffel in Schlagdistanz, ließ aber wertvolle Zeit am Schießstand. „Natürlich das Stehendschießen wurmt mich sehr, aber nichts destotrotz kann ich glaube ich mit meinem Laufen auf jeden Fall jetzt sehr positiv auf den Sprint und auf die Verfolgung schauen“, so Vanessa Voigt, Das schwierige Streckenprofil und insgesamt die Strecken in Kontiolahti waren für sie neu, wie sie im ZDF-Interview nach dem Rennen sagte. „Ich habe mich im Vorfeld riesig gefreut, das hier kennen zu lernen und ich glaube jede Strecke hat es in sich. An siebter Position schickte sie Vanessa Hinz mit 43,3 Sek. Rückstand ins Rennen. Mit einer Null im Liegendanschlag arbeitete sich Hinz auf die vierte Position um dann nach zwei Strafrunden aus dem Stehendschießen ans Ende des Feldes gespült zu werden. Eine sichtlich enttäuschte Vanessa Hinz konnte sich nach dem Rennen ihr Stehendschießen nicht erklären und meinte, dass es mittlerweile eine Kopfsache sei. Sie sei ihr Tempo gelaufen „und eigentlich war alles in Ordnung.“

Preuß und Herrmann überzeugen

Denise Herrmann (GER) © Manzoni/NordicFocus

Franziska Preuss zeigte sehr gute Leistung auf der Strecke und nach sicheren Treffern im Liegendanschlag hatte sie sich um fünf Plätze nach vorne gearbeitet. Stehend ging Preuß großes Risiko, zwei Scheiben blieben schwarz aber nach zwei schnellen Nachladern machte sie sich auf ihre Schlussrunde und übergab an zehnter Position auf Denise Herrmann. „Ich habe schon das Ziel gehabt, dass wir wieder Anschluss finden“, so Preuß nach dem Rennen, und weiter „ich bin mit meinem Rennen soweit ganz zufrieden. Ich habe auf der Strecke alles gegeben, wir hatten heute wirklich gutes Material und ich habe geschaut, dass ich den Rückstand verkleinere und Platzierungen gut mache und ich denke, das ist mir gut gelungen.“ Denise Herrmann, Olympiasiegerin im Einzel von Peking, überzeugte läuferisch und auch am Schießstand. Den Liegendanschlag zog Herrmann sauber durch und während das Podest mit Norwegen, Schweden und Italien vergeben war kam Denise Herrmann als erste Verfolgerin nach nur einem Nachlader im letzten Schießen auf die Schlussrunde. Nach zwei Strafrunden und neun Nachladern brachte sie die deutsche Damenstaffel auf dem vierten Platz ins Ziel, gefolgt von den Schweizerinnen mit Elisa Gasparin, Lena Häcki, Aita Gasparin und Selina Gasparin (1 Strafrunde/12 Nachlader). Österreich mit Dunja Zdouc, Lisa Theresa Hauser, Anna Juppe und Julia Schwaiger erreichten nach zwei Strafrunden und elf Nachladern Rang sechs. Zu den zuletzt laut werdenden Gerüchten über einen eventuellen Rücktritt aus dem Leistungssport angesprochen meinte Denise Herrmann: „Darauf wurde ich in der letzten Woche öfters angesprochen. Meine Karriere werde ich beenden, wenn ich für mich einen runden Zeitpunkt erwische.“  „Am Ende des Tages hat uns ein Schießen die Podiumsplatzierung nicht ermöglicht. Das wäre unter den Voraussetzungen doch mit einigen fehlenden Staffeln schon unser Anspruch gewesen heute“, so das Fazit von Bernd Eisenbichler, Sportlicher Leiter Biathlon beim DSV. 

Ergebnis Staffel Damen

Das weitere Programm in Kontiolahti

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