Jens Luraas Oftebro (NOR), Ida Marie Hagen (NOR), (l-r)
Nordische Kombination Weltcup News

Nordische Kombination: Hagen und Oftebro gewinnen Triple

Die beiden Triple-Trophäen des Nordic Combined Triple in Seefeld in Tirol (AUT) gehen in diesem Jahr nach Norwegen. Ida Marie Hagen und Jens Luraas Oftebro setzten sich in zum Teil engem Kampf gegen die Konkurrenz durch. Stefan Rettenegger (AUT) und Vinzenz Geiger (GER) landeten auf dem Podium.

Stefan Rettenegger nach Springen in Führung

Stefan Rettenegger (AUT)
Stefan Rettenegger (AUT) © Volk/NordicFocus

Der Wettkampf der Männer war nichts für schwache Nerven. Lange Zeit sah Stefan Rettenegger wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende gab es reichlich Tränen. Der Österreicher, der am Freitag als Zweiter ins Triple gestartet war und am Vortag enttäuscht über Platz vier war, konnte das Springen des abschließenden Gundersen für sich entscheiden. 102,5 Meter brachten ihn an die Spitze des Feldes, weil die in der Gesamtwertung vor ihm Platzierten im Springen Federn ließen. Zwar wurde Vinzenz Geiger mit einem Sprung auf 97 Meter Dritter hinter Einar Luraas Oftebro (NOR), doch der Deutsche hatte bereits 48 Sekunden Rückstand auf Rettenegger. Weltcup-Spitzenreiter Johannes Lamparter (AUT) lag als Sechster (96 m/ + 1:00 min) sogar noch hinter Ilkka Herola (FIN) und Thomas Rettenegger zurück. Der ältere Rettenegger, der bereits als bester Springer der Saison feststeht, zeigte einmal mehr die größte Weite, obwohl er seine 105 Meter sogar aus einer Luke tiefer sprang als der Rest. Mit Jens Luraas Oftebro (+ 1:06 min), Andreas Skoglund (NOR), Wendelin Thannheimer (GER, + 1:16 min) und Johannes Rydzek (GER, +1:22 min) lagen allerdings weitere starke Läufer nicht weit hinter Lamparter.

„Hoffentlich kommt der Stef durch“

Johannes Lamparter (AUT), Ilkka Herola (FIN), Vinzenz Geiger (GER), Jens Luraas Oftebro (NOR), Einar Luraas Oftebro (NOR), (l-r)
Johannes Lamparter (AUT), Ilkka Herola (FIN), Vinzenz Geiger (GER), Jens Luraas Oftebro (NOR), Einar Luraas Oftebro (NOR), (l-r) © Volk/NordicFocus

Der hatte auch schon so eine Vorahnung, dass es nach ganz vorne nicht reichen würde: „Ich hoffe, der Stef kommt durch, und wir anderen werden uns um Platz zwei duellieren,“ sagte Lamparter im ORF angesichts des großen Vorsprungs. Und tatsächlich sah es ganz danach aus, als könne Stefan Rettenegger seinen ersten Weltcupsieg feiern. Und das beim Heimspiel, dem prestigeträchtigen Triple in Seefeld. Vier Runden lang zog er vorne einsam seine Kreise. Dahinter formierten sich die Verfolger. Jens Oftebro, Lamparter und Herola schlossen zu Geiger und Einar Oftebro auf. Doch insbesondere Geiger und Jens Oftebro arbeiteten an der Spitze zusammen und hielten das Tempo hoch. „Wir haben gut zusammengearbeitet und kamen langsam näher an Rettenegger heran. Und wenn man den Gegner dann mal vor sich sieht, ist das zusätzliche Motivation,“ so Geiger. In der letzten Runde des 12,5-Kilometer-Rennens ließ der beste Läufer der Saison jedoch den Hammer fallen und Geiger stehen. „24 Sekunden“, riefen die Trainer Rettenegger zu, als der in den letzten Anstieg ging.

Irres Finish von Oftebro bringt Rettenegger um den Sieg

Jens Luraas Oftebro (NOR)
Jens Luraas Oftebro (NOR) © Volk/NordicFocus

Auch am Fuß der Abfahrt lag Rettenegger noch vorn, doch Oftebro flog förmlich den Berg hinunter. Auf der letzten Geraden, bevor es ins Stadion hinaufgeht, zog sich der Norweger an den Österreicher heran und flog an ihm vorbei. Rettenegger konnte nichts mehr entgegensetzen und musste mit ansehen, wie Oftebro 3,7 Sekunden vor ihm ins Ziel lief und Retteneggers Traum vom Triple-Sieg zunichte machte. Selbst der „Teufelsgeiger“, wie Ex-ÖSV-Kombinierer David Kreiner ihn im Vorfeld tituliert hatte, hatte an diesem Tag keine Chance gegen den Norweger, er kam 18,6 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel. „Ich hätte meinen Titel schon gerne verteidigt, aber ich war heute einfach zu schlecht, um mitzusprinten. Von daher bin ich auch mit dem dritten Platz zufrieden“, bilanzierte der Oberstdorfer. Vierter wurde Einar Oftebro vor Lamparter, Herola, Rydzek, Andreas Skoglund, Julian Schmid (GER) und Lukas Greiderer (AUT). „Ich fühle mich ein bisschen schlecht, dass ich Stefan den ersten Sieg so kurz vor dem Ziel weggenommen habe,“ sagte Oftebro angesichts des untröstlichen Österreichers, der die Tränen nicht zurückhalten konnte. „Aber sein Tag wird kommen. Er wird ihn sich bei den Olympischen Spielen holen.“

USA in Schlagdistanz

Alexa Brabec (USA)
Alexa Brabec (USA) © Volk/NordicFocus

Es hatte sich im Verlauf der letzten Wochen bereits angedeutet: Ida Marie Hagen bekommt immer mehr Konkurrenz – aus den USA. Neben Alexa Brabec, die sich in allen Wettkämpfen des Winters innerhalb der Top Vier platzierte, gesellte sich auch Rückkehrerin Tara Geraghty-Moats zur Reihe der Sieganwärterinnen. Zwar lag Hagen nach dem Springen in Führung. 98,5 Meter bedeuteten den dritten Rang des Sprungwettbewerbs, doch in Addition der Punkte des Vortags nahm Hagen 25 Sekunden Vorsprung mit in die Loipe. Zweite wurde Alexa Brabec mit 100 Metern, gefolgt von Geraghty-Moats (99,5 m). Sie hatte zwar bereits 1:01 Minuten Rückstand auf Hagen, doch als starke Läuferin hatte sie gute Chancen, den Podiumsplatz zu verteidigen. Selbst wenn ihre direkte Verfolgerin, Ema Volavsek (SLO), ihres Zeichens ebenfalls eine starke Läuferin, nur sieben Sekunden hinter ihr lag. Fünfte war Yuna Kasai (JPN) vor Nathalie Armbruster. Die Deutsche landete bei 94 Metern, was nur Platz 15 im reinen Springen bedeutete. Mit 1:34 Minuten Rückstand war sie vor den abschließenden 7,5 Kilometern bereits chancenlos. Auf Zwischenrang sieben sprang die beste Österreicherin, Katharina Gruber (99,5 m). Den weitesten Sprung der Frauen steuerte jedoch Heta Hirvonen (FIN) bei, die auf 103 Meter flog und Platz acht belegte. Lena Brocard (FRA) und Minja Korhonen (FIN) komplettierten die Top Ten der Startaufstellung für das Finale.

Hagen mit Solo zum Sieg

Ida Marie Hagen (NOR)
Ida Marie Hagen (NOR) © Volk/NordicFocus

Für die drei Damen an der Spitze gestaltete sich der Lauf eher einsam. Während Hagen sich vorne absetzte und das Rennen 55 Sekunden vor Brabec als Siegerin beendete, konnte Geraghty-Moats ihre Landsfrau nicht gefährden. Sie selbst geriet jedoch auch nicht in Gefahr, da alle drei Damen an der Front auch, in der Reihenfolge ihrer Platzierungen, die schnellsten drei Laufzeiten lieferten. So feierte Hagen ihren ersten Triple-Sieg. Brabec und Geraghty-Moats sorgten für das erste amerikanische Doppelpodium in der Nordischen Kombination der Frauen. Volavsek wurde Vierte, während Armbruster immerhin noch Kasai überholen konnte und Fünfte wurde. Marte Leinan Lund (NOR) lief von Rang zwölf auf sieben nach vorn, sie kam vor Korhonen ins Ziel. Gruber wurde Neunte. Annika Malacinski wurde als drittbeste Amerikanerin Zehnte. Jenny Nowak (GER) wurde 14., Claudia Purker (AUT) 16., Trine Göpfert (GER) 17., Annalena Slamik (AUT) 25. Ronja Loh (GER) trat zum Rennen nicht an.

Hagen mit Gesamtsieg

Ida Marie Hagen (NOR)
Ida Marie Hagen (NOR) © Volk/NordicFocus

Zwei Wettkämpfe vor Schluss sicherte sich Hagen auch den vorzeitigen Gewinn des Gesamtweltcups. Sie führt mit 215 Punkten vor Brabec und ist damit nicht mehr einzuholen. Am Freitag hatte sie sich bereits die Massenstart- und am Samstag die Compact-Wertung gesichert. Auch als beste Läuferin steht sie bereits fest. Da die Frauen weder bei Olympia antreten dürfen noch beim Skifliegen am Kulm dabei sind, haben sie nun eine längere Pause, bevor im März noch zwei Wettbewerbe in Lahti und Oslo anstehen.

Karriereende von Seidl und Gianmoena

Veronica Gianmoena (ITA)
Veronica Gianmoena (ITA) © Volk/NordicFocus

Emotional wurde es jeweils zum Ende der Rennen, als Mario Seidl (AUT) und Veronica Gianmoena (ITA) ihre langjährigen Karrieren beendeten. Während Seidl von Frau und Kind im Ziel begrüßt wurde, feierten die Kombiniererinnen ihre „Mama“, wie die 30-Jährige von ihren meist jüngeren Konkurrentinnen gerne genannt wird. Währenddessen gab auch Arttu Mäkiaho (FIN) am Morgen per sozialen Netzwerken sein Karriereende bekannt. Der Finne war bereits seit Längerem nicht mehr im Weltcup vertreten. „Ich hatte meine Motivation verloren, und der Funke ist auch in diesem Winter nicht zurückgekehrt,“ begründete Mäkiaho seine Entscheidung.

Stimmen zum Wettkampf

Ida Marie Hagen (NOR)„Es war heute wirklich ein schöner Tag und ich bin so glücklich, meinen ersten Sieg beim Seefeld TRIPLE zu feiern. Es ist ein bisschen traurig, Veronica nicht mehr als Athletin bei uns zu haben, aber ich hoffe, dass sie Teil der Nordischen Kombinations-Familie bleibt, weil sie mir viel bedeutet und ich während meiner gesamten Karriere eng mit ihr verbunden war, da wir 2018 zusammen angefangen haben. Es sind nun acht Jahre, unglaublich.“

Alexa Barbec (USA)„Heute war so großartig und das Podium ist wirklich cool. Es ist so aufregend, zusammen mit Tara auf dem Podium zu stehen, und das zum ersten Mal mit zwei US-amerikanischen Frauen.“

Tara Geraghty-Moats (USA)„Schon seit ich das erste Mal zum Zuschauen der Männer-TRIPLE gekommen bin, bevor es ein Frauen-TRIPLE gab, habe ich davon geträumt, hier anzutreten. Deshalb war ich einfach so glücklich, dass ich dieses Wochenende teilnehmen konnte, und auf dem Podium zu stehen ist wirklich ein wahr gewordener Traum. Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder auf einem Nordischen Kombinations-Podium stehen würde, also zurückzukehren und von so vielen Menschen umgeben zu sein, die mich unterstützen, ist ein unglaublich tolles Gefühl.“

Jens Luraas Oftebro (NOR)„Am Ziel hatte ich gemischte Gefühle, natürlich bin ich sehr glücklich für mich selbst. Letztes Jahr war ich so nah dran zu gewinnen, aber ich habe es nicht geschafft, doch heute habe ich es geschafft. Aber als ich Stefans Reaktion gesehen habe, tut es mir ein bisschen leid, weil er so nah am Sieg war und dazu noch auf heimischem Boden. Das ist ein bisschen unglücklich für ihn, aber für mich war es natürlich großartig und ich denke, es wird ein harter Kampf bei den Olympischen Spielen. Es gibt viele Leute, die wirklich aufs Podium wollen, das wird spannend. Für mich war es aber ein sehr großer Vertrauensschub für die wichtigsten Wettkämpfe der Saison.“

Stefan Rettenegger (AUT)„Im Moment ist die Enttäuschung ziemlich groß. Ich hatte einen wirklich großartigen Sprung und hatte das Gefühl, dass heute mein Tag sein würde, aber Jens war heute einfach in einer anderen Welt. Er war so schnell und es ist wirklich hart für mich. Es war sehr knapp und es ist wie ein Kindheitstraum, das Seefeld-TRIPLE zu gewinnen. Vielleicht eines Tages, nicht dieses Jahr, aber ich werde es weiter versuchen.“

Vinzenz Geiger (GER)„Ich bin sehr zufrieden mit meinem dritten Platz. Im Rennen habe ich gedacht, es wäre großartig, wieder zu gewinnen, aber heute war nicht mein bester Tag auf der Strecke. Ich denke, Jens hat es wirklich verdient.“

Zwischenstand Sprung Damen
Endergebnis Damen
Gesamtwertung Damen
Zwischenstand Sprung Herren
Endergebnis Herren
Gesamtwertung Herren

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