Norwegens Herren-Staffel gewinnt beim Biathlon Weltcup in Kontiolahti und sichert sich damit auch die kleine Kristallkugel. Frankreich und Schweden belegen die Plätze dahinter und das deutsche Team kommt nach zwei Strafrunden auf Rang sechs ins Ziel.
Die Favoriten: Norwegen und Frankreich
Die Norweger stehen nach drei Siegen und einem zweiten Platz mit 345 Punkten an der Spitze der Staffelwertung der Herren. Frankreich folgt mit einem Sieg und drei zweiten Plätzen mit 315 Punkten auf Rang zwei und Schweden liegt nach drei dritten Rängen und einem vierten mit 250 Punkten auf dem dritten Platz. Der Staffelbewerb in Kontiolahti ist der fünfte und letzte, der in dieser Saison in die Wertung einfließt und es wird sich in Kontiolahti entscheiden, ob Norwegen oder Frankreich die kleine Kristallkugel gewinnt. Schweden hätte auch bei einem Sieg keine Chance mehr auf die Führung.
Norwegen gewinnt den letzten Staffelbewerb
Johannes Dale-Skjevdal, Johan-Olav Botn, Sturla Holm Laegreid und Vetle Sjaastad Christiansen gewinnen den fünften und letzten Staffelbewerb der Saison. Nach insgesamt sieben Nachladern kam Christiansen mit einem Vorsprung von 19,1 Sekunden vor Frankreich ins Ziel. Norwegen hat sich mit dem Sieg in Kontiolahti auch die kleine Kristallkugel in der Staffelwertung der Herren gesichert. Oscar Lombardot, Fabien Claude, Emilien Jacquelin und Quentin Fillon Maillet benötigen insgesamt sechs Nachlader, haben lange geführt und die Führung erst im entscheidenden Schießen abgegeben. Das schwedische Quartett mit Viktor Brandt, Jesper Nelin, Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson hat das Feld von hinten aufgerollt und Sebastian Samuelsson hat seinem Team mit der schnellsten Schlussrunde den verbliebenen Podestplatz gesichert (1 Strafrunde/10 Nachlader). Finnland (6 Nachlader) belegte den vierten Platz vor den USA (1 Strafrunde/7 Nachlader). Lucas Fratzscher, Philipp Nawrath, Leonhard Pfund und Philipp Horn kommen nach zwei Strafrunden und elf Nachladern auf Rang sechs ins Ziel.
Der Rennverlauf
Norwegen geht in Führung, Fratzscher bleibt dran
Zum ersten Schießen kamen die 22 Startläufer noch innerhalb zehn Sekunden und mit guten Schießergebnissen blieben die Athleten eng beisammen, an der Spitze Finnland, Kasachstan, Italien und Frankreich. Nur der Schwede Viktor Brandt kassierte eine Strafrunde und bildete das Schlusslicht. Lucas Fratzscher hatte schnell ein Mal nachgeladen und kam mit 5,9 Sekunden Rückstand zurück in die Spur. Zum Stehendanschlag der Startläufer lag Frankreich vor Norwegen an der Spitze, obgleich sie alle ziemlich zeitgleich zur Matte kamen. Und Sebastian Stalder ging mit einer fehlerfreien Serie in Führung, dicht gefolgt von Johannes Dale-Skjevdal und von Kireyev dem Kasachen. Lucas Fratzscher benötigte einen Nachlader, hatte 7,6 Sekunden Rückstand eingangs der Schlussrunde und weiterhin blieb das Feld noch ziemlich geschlossen. Richtung Wechsel übernahm Dale-Skjevdal, der Laufstärkere, die Spitzenposition und erhöhte das Tempo, Fratzscher konnte zum Schweizer Stalder aufschließen und beim Wechsel waren doch bereits Lücken entstanden. Mit jeweils einem Nachlader hat Lucas Fratzscher mit der zweiten Laufzeit und auch der zweitschnellsten Schlussrunde die Deutsche Staffel gut ins Rennen gebracht. Fratzscher zeigte sich mit seinem Rennen zufrieden. „Es ist immer eine tolle Herausforderung in der Staffel zu starten, egal welche Position,“ so Fratzscher, gefragt nach der Startposition. „Ich würde sagen, es ist gut gelaufen, perfekt nicht. Ich denke die Schießzeiten waren ziemlich flott. Die Strecke fühlt sich gut an, auch Dank der guten Ski. Die haben dazu beigetragen, dass es so gut lief.“
Führungswechsel
Der Norweger Johan-Olav Botn übernahm mit einem Vorsprung von 13 Sekunden auf die Schweiz, wo Niklas Hartweg ins Rennen kam und Philipp Nawrath startete die Staffel direkt hinter dem Franzosen Fabien Claude. Botn lief vorneweg und eine Fünfergruppe, darunter Philipp Nawrath verfolgte ihn zum Liegendanschlag. Botn begann mit zwei Fehlern, Nawrath verfehlte eine Scheibe verlor etwas Zeit beim Nachladen, traf aber mit der ersten Zusatzpatrone. Fabien Claude mit der Null übernahm die Führung, der Finne Seppala hielt sich ebenso schadlos und hatte eingangs der nächsten Runde 4,9 Sekunden Rückstand zu ihm, dahinter Philipp Nawrath nur 4,9 Sekunden später. Auf der Strecke hat sich Nawrath schnell an den Finnen herangeschoben und war auch an ihm vorbeigezogen. Mit Frankreich, Deutschland und Finnland an der Spitze hatten drei Nationen einen Vorsprung von gut zehn Sekunden auf die Verfolger herausgelaufen. Zu dritt standen sie aufgereiht, bereit zum Stehendanschlag. Nawrath verfehlte zwei Scheiben, während Frankreich und Finnland weg waren. Er benötigte seine drei Zusatzpatronen um die Strafrunde zu vermeiden. Währenddessen zog Hofer mit einer fehlerfreien Fünferserie an Nawrath vorbei. Eingangs der letzten Runde von Philipp Nawrath hatte er einen Rückstand von 21,1 Sekunden auf der Uhr. Johan-Olav Botn lag mit der norwegischen Staffel 26,6 Sekunden zurück und Schweden 1:24 Minuten. Seppala hielt sich an der Spitze um möglicherweise Körner zu sparen im Windschatten von Fabien Claude und Nawrath war vor allem in der Wand durch die höhere Frequenz an Lukas Hofer herangekommen. Die schnellste Gesamtlaufzeit hatte Johan-Olav Botn vor Philipp Nawrath, der zusammen mit Niklas Hartweg die schnellste Schlussrunde brachte. „Man riskiert halt, wenn man weiß, man hat die Nachlader. Aber wenn es gegen die Strafrunde läuft, wenn zwei Schuss und zwei Scheiben übrig sind, dann versucht man so genau wie möglich zu schießen.“
Deutschland fällt nach Strafrunden zurück
Emilien Jacquelin übernahm zeitgleich mit dem Finnen Arttu Heikkinen und acht Sekunden dahinter wechselten ebenso zeitgleich Italien (Nikola Romanin) und für Deutschland Leonhard Pfund in den Wettkampf. Emilien Jacquelin blieb Richtung Liegendanschlag an der Spitze aber gleich hinter ihm sortierte sich nach einem ersten Angriff Leo Pfund, vor Sturla Holm Laegreid, dem Finnen Heikkinen und dem Schweizer Finello, ein. Jacquelin schoss schnell und fehlerfrei. Lagreid kam mit 25,1 Sekunden Rückstand als Zweiter zurück in die Loipe, dann folgte der Italiener Nikola Romanin, Paul Schommer für die USA und Leo Pfund kassierte zwei Strafrunden. Als Zwölfter mit einem Rückstand von 1:29 Minuten kam er mit einer neuen Erfahrung aus der Strafrunde zurück. Zum Stehendanschlag war Jacquelin allein am Stand, zog sein schnelles Schießtempo durch und traf auch alle Scheiben. Laegreid als Zweiter begann mit einem Fehler, benötigte viel Zeit beim Nachladen und währenddessen traf der Italiener seine fünf Scheiben und schob sich an Laegreid vorbei an die zweite Position. Leo Pfund zeigte sich im Stehendanschlag stark und rückte auf die siebte Position vor, allerdings mit großem Rückstand von 1:38 Minuten. Emilien Jacquelin übergab an Quentin Fillon Maillet in führender Position mit einem Vorsprung von 40,7 Sekunden vor Norwegen, wo nun Vetle Sjaastad Christiansen ins Rennen kam. „Ich war schon aufgeregt,“ so Pfund nach dem Rennen im ZDF, „ich bin ganz schön zittrig geworden, hab links-rechts gedreht. Heute ist es halt extrem ärgerlich. Ich habe mich dann bis zur langen Abfahrt richtig geärgert, habe einen Cut gemacht,“ und dann stehend alles getroffen. Der Schwede Martin Ponsiluoma war Schnellster in der Spur und hat seine Staffel wieder in Schlagdistanz gebracht.
Fillon Maillet verschießt Führung und Norwegen geht an die Spitze, Schwedens Aufholjagd
Mit einem Rückstand von 1:35 Minuten kam für Deutschland als Schlussläufer Philipp Horn ins Rennen, nachdem Leo Pfund in seinem ersten Weltcup-Staffeleinsatz eine ordentliche Schlussrunde lief. Liegend benötigte Fillon Maillet drei Nachlader, hat dadurch den Norweger wieder herankommen lassen, der seinerseits fehlerfrei blieb. Zeitgleich liefen die beiden in die nächste Runde und Campbell Wright hat sich durch die Null mit einem Rückstand von 33,6 Sekunden auf die dritte Position gearbeitet. Horn fiel nach zwei Nachladern auf den siebten Rang zurück. Zum finalen Schießen kamen Fillon Maillet und Vetle Sjaastad Christiansen zeitgleich. Der Franzose schoss einen Fehler, neben ihm traf der Norweger und Fillon Maillet setzte auch die erste Zusatzpatrone vorbei und weg war der Norweger. Eingangs der Schlussrunde betrug der Vorsprung des Norwegers 11,8 Sekunden vor Frankreich. Dahinter kämpften die USA und Finnland um den dritten Platz. Während Campbell Wright Nerven zeigte und eine Strafrunde kassierte, kam Oli Hiidensalo mit einem Nachlader aus und bog 2,2 Sekunden vor dem ebenso fehlerfrei gebliebenen Schweden Sebastian Samuelsson in die Schlussrunde. Horn räumte seine fünf Scheiben auch ab und war als Sechster, hinter dem aus der Strafrunde zurückgekommenen Wright in die Schlussrunde gebogen. Samuelsson zeigte sich laufstärker und hat sich in der Wand einen Vorsprung erarbeitet, wo der Finne das hohe Tempo des Schweden nicht mehr halten konnte. Vetle Sjaastad Christiansen brachte die norwegische Staffel als Sieger ins Ziel, Frankreich überquerte die Ziellinie als Zweiter und Schweden auf dem dritten Rang. Die Staffel aus Österreich erreichte nach einer Strafrunde und sieben Nachladern Rang 11 und die Schweiz kam nach vier Strafrunden und 13 Nachladern auf Platz 14 ins Ziel.
Dass Leonhard Pfund bei seinem ersten Einsatz in einer Weltcupstaffel der Herren mit zwei Strafrunden Lehrgeld zahlen musste, wollen die anderen drei DSV-Läufer ihm verzeihen. „Das fällt uns nicht schwer ihm zu verzeihen, weil wir genau wissen, wie das ist, eine Staffel zu verschießen. Wir werden warme Worte für ihn finden und dann bauen wir ihn wieder auf,“ so Philipp Horn. „Um aus dieser Situation nach vorne zu kommen, „da braucht es zwei perfekte Schießen und gutes Laufen. Das ist mir leider nicht gelungen. Der Samuelsson hat gezeigt, wie es geht,“ zeigte sich Horn selbstkritisch.
„Wir haben einfach zu viele Fehler geschossen, zu viele Nachlader gehabt. Schade, dass Leo bei seiner Premiere zwei Strafrunden hatte. Das war der Moment, wo wir dann weg waren, wo wir auf Platz 12 zurückgefallen sind und am Ende noch Sechster. Das ist natürlich enttäuschend, damit können wir natürlich nicht zufrieden sein,“ sagte Lauftrainer Jens Filbrich, nach dem Wettkampf. „Ich denke mal wir werden uns jetzt mal mit ihm zusammensetzen und ihm das Trefferbild zeigen, die waren alle tief die Fehler und dann mit ihm in den Austausch gehen, woran es gelegen haben könnte. Ich denke da wird der Tobi (Tobias Reiter, Cheftrainer) noch mit ihm sprechen, wenn man dann analysiert, wie die Fehler waren. Er ist ein junger Athlet, der lernt permanent dazu, deswegen muss man das in Ruhe auswerten.“
Der weitere Wettkampfplan in Kontiolahti






























