Die FIS erwägt die Austragung von Weltmeisterschaften in drei von vier Jahren. Außerdem berichten wir über Verletzungen, eine Schwangerschaft und Karrieren, die vielleicht doch noch nicht 2027 enden. Außerdem findet beim norwegischen Nachwuchs ein wahres Wettrüsten und eine Materialschlacht statt…
Kein Jahr ohne Großereignis mehr?
Alle zwei Jahre finden Nordische Ski Weltmeisterschaften statt, alle vier Jahre Olympische Spiele und in einem Zwischenjahr ohne Großereignis können Athleten einmal durchatmen und vielleicht etwas Neues ausprobieren. So war es bisher, aber die FIS denkt über Änderungen nach. So könnte es in Zukunft jedes Jahr Medaillen zu gewinnen geben, wie FIS-Renndirektor Sandro Pertile im Interview mit skijumping.pl bekannt gab. „Die FIS untersucht Möglichkeiten, die Nordische Ski WM jedes Jahr auszutragen – mit Ausnahme dem Jahr der Olympischen Spiele“, sagte der Italiener, der der Skisprung-Chef im Skiverband ist. Die Idee entstand, um allen Wintern eine gleiche Wichtigkeit einzuräumen. In der Vergangenheit war geplant, dass die FIS Games in diesem Zwischenjahr stattfinden sollen, aber inzwischen ist das Projekt in den Hintergrund getreten, weil sich keine Veranstalter fanden, die Gastgeber für alle Schneesportarten werden wollen und können. Außerdem war Johan Eliasch der Wortführer in den Planungen, der inzwischen als FIS-Präsident abgesetzt wurde. Mit den neuen Planungen würde man zurückkehren zur Vorgehensweise der Vergangenheit, wo die Weltmeisterschaften bereits in drei von vier Jahren ausgetragen wurden. Das war von 1925 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 der Fall. Nach dem Krieg von 1950 bis 1982 gab es nur eine WM in vier Jahren in der Mitte des olympischen Zyklus, allerdings galten bis 1980 die Olympischen Spiele auch als Weltmeisterschaft, so dass man über viele Jahrzehnte für einen Sieg zwei Goldmedaillen bekam. Seit 1985 gab es den Modus mit Weltmeisterschaften alle zwei Jahre in den ungeraden Jahren. 2032 könnte das erste gerade Jahr mit einer WM sein. Eine Entscheidung dazu soll auf dem FIS-Kongress 2028 getroffen werden.
Kreuzband-OP für Crüsell
Eines der größten schwedischen Talente, das aktuell im Team Bauhaus, dem schwedischen B-Team trainiert, musste einen Rückschlag hinnehmen. Die 22-jährige Evelina Crüsell, die 2024 zweimal Junioren-Weltmeisterin wurde, musste sich einer OP am Kreuzband unterziehen. Das klingt aber schlimmer als es ist. Es handelte sich um keine akute Verletzung, sondern um ein Problem, das sich langsam andeutete. Seit Ende des Winters hatte die Schwedin immer wieder Schmerzen im Knie, an dem sie schon zuvor einmal einen Kreuzbandriss hatte. Ein MRT zeigte dann einen Schaden am Kreuzband, der repariert wurde. Inzwischen trainiert Crüsell wieder mit dem Team in Torsby, absolviert aber noch ein spezielles Rehaprogramm. Wann sie wieder Wettkämpfe absolvieren kann, steht noch nicht fest. Ihr Trainer ist aber überzeugt davon, dass sie zur Saison wieder fit ist.
Martina Di Centa wird Mutter
Ihr erklärtes Karriereende unmittelbar nach der Olympiastaffel hatte alle überrascht. Aber Martina Di Centa war des ständigen Herumreisens leid und wollte mehr zu Hause sein. Das wird sie nun definitiv, denn kürzlich präsentierte sie auf Instagram ein Babybäuchlein. Vater ihres ersten Babys ist ihr Lebensgefährte Andrea, der früher selbst kleinere Rennen bestritten hat und sie immer unterstützt hat. Bald ist Unterstützung in anderer Sache gefragt. Wann die 26-Jährige Mutter wird, ist aber nicht öffentlich bekannt.
Karlsson und Weng entscheiden erst nach der Saison
Während Katharina Hennig Dotzler definitiv in ihren letzten Winter geht, ist das bei einigen anderen wieder unklar. Frida Karlsson wird bis an ihr Karriereende und darüber hinaus unter Problemen mit ihrem Fuß zu leiden haben. Anders als viele Teamkolleginnen machte sie in den letzten Monaten aber einen kleinen Rückzieher und sagt, dass sie nach Falun oder Saisonende entscheidet, ob sie aufhört oder weitermacht. Und wenn – dann nur, weil sie es wirklich will und nicht, weil man es von ihr erwartet. Genauso macht es auch die 35-jährige Heidi Weng, die sich gar nicht erklären kann, woher die Info stammt, sie würde nach der Saison aufhören. Sie habe das nie so gesagt, aber ausschließen will sie es auch nicht. Sie entscheidet nach der Saison, ob sie noch weiter aktiv sein wird. „Ich war überrascht, als ich die Headlines las, dass ich nach der Saison aufhöre. Ich habe niemals etwas davon gesagt“, so Weng, die aber in einem TV2 Interview zitiert wurde, es wäre ihr letzter Winter. „Ich habe das bisher nicht entschieden. Ich nehme es von Jahr zu Jahr und ich muss nicht vorher den Tag festlegen, an dem Schluss sein soll. Wir werden sehen, was nächstes Jahr passiert. Aktuell ist es eher so, dass ich mehr Rennen im Frühjahr machen möchte und ich auch andere Dinge zu tun habe. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.“
Andersson laboriert weiter an Knieproblemen
Wie es sich entwickelt, muss auch Ebba Andersson abwarten. Dabei geht es aber nicht um ein Karriereende, sondern um ihre Knieverletzung aus dem letzten Winter, eine Meniskusverletzung mit Knochenmarksödem, die sie zwang, in den letzten Monaten einige Schritte zurück zu machen, was immer wieder zu Ärger und Frustration bei der 29-Jährigen führt. Eine Operation schließt sie während ihrer Karriere aber aus. „Theoretisch gibt es keine andere Möglichkeit, aber das kommt jetzt nicht in Frage. Ich muss es aktuell anders machen. nämlich die schwachen Strukturen stärken und die Umfänge anpassen. Ich fokussiere mich auf das Positive und darauf, dass ich viel schaffen kann, eine Menge im Training und das wird nützlich sein für das, was im Winter kommt“, sagte sie.
Bolshunov erwägt Karriereende
Die Geburt seiner zweiten Tochter Olivia Ende Juli hat Alexander Bolshunov nachdenklich gemacht. Der 29-Jährige denkt nun ernsthaft über sein Karriereende nach, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Deswegen hatte er auch große Teile des Sommertrainings mit dem Team verpasst, um seiner Frau Anna während Schwangerschaft und Geburt beizustehen. Statt Trainingslager hatte er sich allein vorbereitet, aber die Motivation scheint verständlicherweise zu sinken. Bolshunov möchte seine Töchter Eva (fast 4) und Olivia aufwachsen sehen und internationale Starts sind wegen fehlender Neutralität nicht in Sicht. Er gab kürzlich in einem Interview an, dass ein ständiges Training ohne die Aussicht auf große Titelkämpfe wie Olympia 2030 ihn stark ins Grübeln bringt. Auf die konkrete Frage nach dem Karriereende antwortete er mit: „Wie es läuft“. Er betonte, dass ihm die kommenden Entscheidungen der FIS inzwischen völlig egal seien und er seine Zukunft nicht mehr davon abhängig macht. Sein Trainer Yuri Borodavko beschwichtigte die Gerüchte etwas und erklärte, man solle Bolshunovs Aussagen nicht überbewerten. Nach der Geburt seiner zweiten Tochter Olivia im Juli 2026 habe er viel Zeit mit der Familie verbracht und schlicht weniger trainiert, was zu diesen nachdenklichen Tönen führte.
„Wettrüsten!“ Andersen schlägt Alarm
Im Gespräch mit TV2 schlug Iver Tildheim Andersen, der einen Vertrag beim Regionalteam Ringerike unterschrieben hat, Alarm, was die Entwicklung des Nachwuchses betrifft. Seiner Ansicht nach gibt es bei Kindern und Jugendlichen ein regelrechtes Wettrüsten, die Kleinen sind schon ebenso gut ausgerüstet wie die Profis im Weltcup. Aber während die Elite das Material von ihrer Skifirma bekommt, geht beim Nachwuchs noch alles zu Lasten der Eltern. „Die Forderung nach besserem Material wird immer größer und es wird immer mehr über die Wichtigkeit von Ski und Material gesprochen“, sagte er und meint damit, dass 15-Jährige nach seiner Beobachtung schon mit 20 Paar Ski auftauchen, aber dass das Phänomen auch auf noch jüngere Langläufer übergreift. Und wenn ein Paar Ski rund 10.000 NOK oder 1.000 Euro kostet, geht das für Familien schnell ins Geld – vor allem bei mehreren ambitionierten Kindern. „Das sind gewaltige Geldsummen, die nötig sind, um das zu bewerkstelligen. Das ist einfach verrückt und hat nichts mit Nachwuchssport zu tun!“, so der 25-Jährige, der die hohen Kosten für die Ausrüstung noch sehr gut kennt. Er investierte damals sein Konfirmationsgeld und betont, dass man in dem Alter nicht Dutzende Paar Ski braucht. Als er selbst damals den Junioren-Titel in Norwegen holte, besaß er nur zwei Paar Ski – eins für Klassik, eins für Skating. „Wenn die Entwicklung nun so weitergeht, dass jeder Schüler 20 Paar Ski braucht, dann werden die Startlisten schnell kürzer“, befürchtet Andersen. „Natürlich wird es in manchen Rennen einen Unterschied machen“, gibt er zu, „aber das muss nicht so sein. Wichtiger ist, was man mit dem einen Paar Ski erreichen kannst, das du hast. Wenn du es richtig präparierst, kann es ein exzellentes Paar Ski sein.“ Seiner Meinung nach geht das Problem in erster Linie von den Eltern aus: „Manche werden wirklich etwas zu überehrgeizig. Das muss aufhören und sie müssen nachdenken, wie sie den Sport ihren Kindern vorleben. Ein großer Teil der Verantwortlichkeit liegt bei ihnen.“ In seinem Verein Rustad IL ist es bereits ganz und gäbe, dass Nachwuchssportler nur ein Paar Ski pro Technik besitzen. Wenn sie älter werden, können sie beim Verein Rennski ausleihen. Diese Regeln haben auch Iver Tildheim Andersen selbst geholfen, als er selbst in seinem zweiten Elite-Jahr war. „Das war enorm wichtig. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir Ski leihen konnte. Wenn der Verein diese Möglichkeit nicht angeboten hätte, wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.“ Andersen hofft, dass auch andere Vereine Rustads Modell anbieten und so das Wettrüsten beim Nachwuchs aufhört. Das Problem ist auch bereits bei norwegischen Skiverband angekommen, der im Frühjahr entschieden hat, die Menge der Ski bei jüngeren Athleten zu limitieren.
