Sturla Holm Laegreid sichert sich mit dem Sprintsieg beim Saisonfinale des Biathlon Weltcups in Oslo überraschend auch die kleine Kristallkugel in dieser Disziplin. Hinter Emilien Jacquelin wird der Mann in gelb, Eric Perrot, Dritter und steht damit vorzeitig als Gesamtweltcupsieger fest. Deutschland hat sich für kommende Saison in der Nationenwertung sechs Weltcupstartplätze gesichert und Franz Schaser gelingt ein beachtliches Weltcup-Debüt.
Letzter Sprint beim Saisonfinale
In den letzten Sprint beim Biathlon Weltcup in Oslo startete Eric Perrot im gelben Trikot des Gesamtweltcupführenden mit einem Vorsprung von 244 Punkten vor dem Schweden Sebastian Samuelsson. Der wiederum lief im roten Trikot, denn er führte vor dem Saisonfinale mit einem Vorsprung von 45 Punkten vor Eric Perrot in der Sprintwertung. Der letzte Sprint entschied also, wer sich die kleine Kristallkugel in der Disziplinwertung holt und war zugleich entscheidend, ob sich Eric Perrot bereits vorzeitig die große Kristallkugel sichern kann. Wie bei den Damen am Tag zuvor wurde auch bei den Herren wegen der Streckenbedingungen von der Jury beschlossen, die Top-Athleten in den ersten beiden Startgruppen ins Rennen zu schicken und nicht, wie sonst üblich, ab Startnummer 40.
Zehn Treffer von Philipp Nawrath
Mit Startnummer eins war Philipp Nawrath im Rennen, er räumte liegend und stehend ab, nahm sich aber für seine fehlerfreien Schießeinlagen etwas mehr Zeit als manch anderer. Dahinter folgte der Franzose Emilien Jacquelin. Obwohl er im Stehendanschlag eine Scheibe stehen ließ, lag er 20,3 Sekunden vor dem Deutschen, als er aus der Strafrunde kommend in die Schlussrunde einbog. Auch Sturla Holm Laegreid hat sich mit einem Fehler aus dem Liegendanschlag eingangs der Schlussrunde vor dem Deutschen einsortiert. Hinter Nawrath kam Justus Strelow ein, der zwischen Jaquelin und Laegreid gestartet und mit einer Strafrunde aus dem liegenden Schießen belastet war. Philipp Nawrath erreichte das Ziel als Erster und nun hieß es warten, was die Starter hinter ihm imstande sind zu leisten. Emilien Jacquelin kam 32,4 Sekunden vor Nawrath ins Ziel und übernahm die Führung. Die hielt allerdings nicht lange und er wurde von Sturla Holm Lagreid mit einem Vorsprung von 3,9 Sekunden von der Spitze verdrängt.
Sturla Holm Laegreid legt vor und gewinnt
Die Zeit und damit die Vorgabe von Sturla Holm Laegreid hielt, während sich hinter ihm und Emilien Jacquelin immer wieder Athleten dazwischen drängten. Nur 0,7 Sekunden nach Jacquelin sicherte sich Eric Perrot den verbliebenen Podestplatz. Der Schwede Martin Ponsiluoma wurde nach zwei Strafrunden Vierter, Vetle Sjaastad Christiansen, mit ebenfalls zwei Strafrunden, Fünfter und Johan-Olav Botn komplettierte das Feld der Top-6. Sebastian Samuelsson kassierte eine Strafrunde, kam als Siebter ins Ziel und hat um 3,8 Sekunden den sechsten Rang und sich damit auch die kleine Kristallkugel entreißen lassen. Für Sturla Holm Laegreid war der Sieg im letzten Sprint der Saison der vierte Weltcuperfolg in einem Einzelrennen in Folge. „Ich habe tatsächlich bei diesen Bedingungen immer viel Kraft und kann da richtig damit umgehen,“ erklärte der Sieger am ZDF-Mikrofon nach dem Rennen. „Auch mit diesem Fehler war es für mich noch möglich zu gewinnen.“ Laegreid erklärte auch wieso. „Ich bin nicht so gut, wenn es eisig ist. Da geht es den größeren, stärkeren Athleten besser. Aber die schwereren Athleten haben bei solchen Bedingungen wie heute nicht so die Chancen. Ich habe mir bei diesen Bedingungen schon einiges ausgerechnet heute.“
Philipp Nawrath wird auf den achten Rang geschoben
Zwischen den Platzierten vor Philipp Nawrath auf dem achten Rang geht es extrem eng zu. Philipp Nawrath war einer der wenigen Top-Athleten, die fehlerfrei durch den Sprint am Holmenkollen kamen. Dennoch hat es mit einem Rückstand von 36,3 Sekunden nicht für einen Podestplatz gereicht. Sowohl am Schießstand als auch in der Runde haben ihm die Podestplatzierten wichtige Sekunden voraus gehabt. „Ich war heute nicht ganz so frisch auf der Runde,“ sagte Philipp Nawrath im ZDF-Interview. „Leider ist mir in der letzten Runde ein bißchen der Dampf ausgegangen. Man hat halt Null Anhaltspunkte und keine Vergleiche. Ich habe mir die letzte Runde so eingeteilt, dass ich es halbwegs ins Ziel bringe. Wichtig ist dabei immer am Schießstand fehlerfrei durchzukommen.“ Nawrath hat sich in jedem Fall eine machbare Ausgangsposition für die Verfolgung erarbeitet und geht vor seinen Kollegen Philipp Horn und Justus Strelow auf die Jagd, die auf Rang 12 (Horn, 1:1) und 13 (Strelow, 1:0) dennoch gute Weltcuppunkte sammelten. In den letzten Interviews zeigte sich vor allem Philipp Horn stets enttäuscht. „Es war ein ständiges Auf und Ab von mir und die Enttäuschungen waren doch größer als die Erfolge,“ resümierte er am ZDF-Mikrofon die Saison. „Nichts destotrotz habe ich mir einige Träume erfüllt. Ich habe ein Weltcuppodium erreicht und war bei Olympia,“ so Horn. „Ich habe im Sprint schon gezeigt, dass ich auf dem Podium stehen kann, aber ich nehme das gute Gefühl von der Strecke mit. Ich werde im Sommer hart an mir arbeiten und nächstes Jahr zurückkommen und vielleicht bin ich dann einer, der ständig in die Top-10 laufen kann.“ Läuferisch lag Horn auf der Schlussrunde 16,6 Sekunden hinter der Laufbestzeit von Vetle Sjaastad Christiansen.
Sieben Deutsche in der Verfolgung
Neben Philipp Nawrath, Philipp Horn und Justus Strelow, die mit durchaus machbarem Abstand die Jagd in der Verfolgung aufnehmen werden, haben sich auch Franz Schaser, Elias Seidl, Lucas Fratzscher und Leonhard Pfund für die Verfolgung qualifiziert. Für Simon Kaiser ist das Saisonfinale bereits beendet. Nach vier Strafrunden aus dem liegenden und zwei weiteren aus dem stehenden Anschlag reichte es am Ende nur zu einem enttäuschenden 94. Rang bei 110 Startern. Franz Schaser hat bei seinem Weltcupdebüt am Schießstand alle zehn Scheiben getroffen und sich mit einem Rückstand von 1:40 Minuten als 24. platziert. Dass Schaser Respekt vor dem Weltcupdebüt hatte, konnte er gut beherrschen. „Ich war heute Mittag extrem nervös. Bin im Hotelzimmer auf- und abgegangen, weil ich nicht genau wusste, wohin mit mir.“ Zu seinem Rennen selbst meinte er: „Ich bin überglücklich, wie es am Schießstand gelaufen ist. Läuferisch bin ich auf der zweiten Runde eingegangen, mir sind die Beine um die Ohren geflogen in der letzten Runde.“ Vor großem Publikum zu laufen ist für den IBU Cup-Athleten, wo bei den Rennen meist nur wenige Zuschauer sind, eine neue Situation. „Ich komme ins Stadion und habe Gänsehaut. Ich hätte mir das nicht schöner vorstellen können: In diesem Stadion meinen ersten Weltcup zu laufen, ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich es hierher geschafft habe. Es ist für mich vielleicht mehr als für andere.“ Elias Seidl brachte im stehenden Anschlag einen Schuss nicht ins Ziel und kam als 48. ins Ziel. Lucas Fratzscher (1:2) belegte Platz 44 und Leonhard Pfund (1:0) den 58. Rang.
Letztes Rennen von Simon Eder
Dass sich Simon Eder, der einen Tag zuvor sein Karriereende nach dem Saisonfinale in Oslo angekündigt hat (wir berichteten), im letzten Sprint trotz zehn Treffern nicht mehr für die Verfolgung qualifizieren konnte, ist bitter. Damit wird er auch nicht im Massenstart dabei sein. Bleibt zu hoffen, dass ihm nach dem Massenstart der Herren eine besondere Verabschiedung von der Biathlonfamily zuteil wird. Lediglich Dominic Unterweger hat sich nach zehn Treffern aus dem österreichischen Team für die Verfolgung qualifiziert.
Demgegenüber sind vier Schweizer bei der Verfolgung am Start. Niklas Hartweg platzierte sich nach einem Fehlschuss im liegenden Anschlag als 18. und Jeremy Finello erreichte nach der Null im Liegen und zwei Strafrunden aus dem Stehendschießen Platz 30, direkt vor Joscha Burkhalter (0:1) auf Rang 31. Sebastian Stalder kassierte bei jedem Anschlag eine Strafrunde und überquerte die Ziellinie als 40.
Sturla Holm Laegreid gewinnt Sprintwertung
Sturla Holm Laegreid hatte vor dem letzten Sprint einen Rückstand von 49 Punkten auf den führenden Schweden Samuelsson. Dieser hat mit dem siebten Platz zwar gegenüber Eric Perrot genügend Punkte gesammelt, aber Sturla Holm Laegreid wurden durch den Sieg 90 Punkte gutgeschrieben. Sturla Holm Laegreid und Sebastian Samuelsson stehen punktgleich (356) in der Wertung, obwohl Laegreid im Sprint von Oberhof nicht startete. Die kleine Kristallkugel ging an Sturla Holm Laegreid, der zwei Siege auf der Habenseite hat, der Schwede nur einen. Sturla Holm Laegreid war sichtlich erfreut über die Ehrung: „Ich habe den Sprint in Oberhof zwar ausgelassen, aber mit einem Sieg ist viel möglich und ich bin natürlich glücklich heute. Ich habe mir schon einiges ausgerechnet bei den Bedingungen heute.“
Trophäe in Einzelwertung geht an Eric Perrot
Wenn er sich auch die Sprintkugel nicht mehr sichern konnte, wurde Eric Perrot dennoch nach der Siegerehrung im Sprint mit einer kleinen Kugel ausgezeichnet. Er hat die Wertung der Einzelrennen für sich entschieden und steht nach dem dritten Rang heute im Sprint bereits vorzeitig als Gesamtweltcupsieger der Saison 2025/2026 fest. Sein Vorsprung beträgt 268 Punkte und die sind von seinem Verfolger Sebastian Samuelsson in den zwei noch ausstehenden Wettkämpfen, Verfolgung und Massenstart, nicht mehr aufzuholen. Nach der Ehrung äußerte sich Perrot am ZDF-Mikrofon zum Gesamtweltcupsieg: „Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden. Es ist großartig für mich, ich bin einen langen Weg gegangen und habe mir den größten Traum, den ich im Biathlon hatte, selbst erfüllt. Es ist so unglaublich, dass ich es immer noch nicht verstehen kann und versuche jede Sekunde zu genießen. Ich bin erst 24 und es ist unfassbar was ich jetzt schon erreicht habe. Das heißt ja, dass ich im Sommer in den vergangenen Saisons gut gearbeitet habe. Jetzt will ich auch die letzten Rennen noch gut arbeiten, es gibt noch was zu tun hier,“ so ein ergriffener Eric Perrot.
Norwegen gewinnt Nationenwertung
Den Sieg in der Nationenwertung haben sich nach einem Jahr Pause, wieder die Norweger geholt. Letzte Saison standen die Franzosen ganz oben. Die komplette Mannschaft zusammen mit ihrem scheidenden Erfolgstrainer Siegfried Mazet haben die Trophäe lautstark gefeiert. Die Nationenwertung wird natürlich auch finanziell belohnt, allerdings nicht an die Athleten, sondern direkt an den Verband. Der Sieg ist mit 60.000 Euro dotiert, Rang zwei mit 50.000 Euro, Rang drei mit 45.000 Euro, absteigend und sogar die zehntplatzierte Nation wird mit 17.000 Euro, jeweils bei den Damen und bei den Herren, belohnt. Hinter Norwegen hat sich Frankreich, dann Schweden, Deutschland und Italien platziert. Für diese fünf Nationen bedeutet es auch, dass ihnen in der kommenden Weltcup-Saison sechs Startplätze zur Verfügung stehen.
Der weitere Wettkampfplan
Samstag, 21.03.2026: 13.45 Uhr – Verfolgung Damen
danach Verleihung der Verfolgungskugel, der Staffelkugel, der Mixed-Staffel-Kugel
Samstag, 21.03.2026: 16.15 Uhr – Verfolgung Herren
danach Verleihung der Verfolgungskugel, der Staffelkugel
Sonntag, 22.03.2026: 13.45 Uhr – Massenstart Damen
danach Trophäe für die beste U-23-Athletin, Massenstartkugel, große Kristallkugel
Sonntag, 22.03.2026: 16.30 Uhr – Massenstart Herren
danach Trophäe für den besten U-23-Athleten, Massenstartkugel, große Kristallkugel
Die Wettkämpfe aus Oslo werden vom ZDF und von EUROSPORT live übertragen. Kurzfristige Änderungen in den Startzeiten sind möglich.
































































