Wir fassen euch zusammen, wie es verschiedenen Sportlern nach gesundheitlichen Problemen geht und was die Russen für Sorgen mit dem Material haben…
Russen mit Materialproblemen
Auch wenn immer mehr Russen als neutrale Athleten zurückkehren können, gibt es weiter Probleme für die Athleten. Große internationale Skihersteller wie Fischer oder Rossignol verzichten auch weiterhin auf eine Zusammenarbeit, wie es bereits die letzten vier Jahre der Fall war. Der russische Nationaltrainer Egor Sorin erklärte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen am Ramsauer Gletscher, dass die Arbeit dadurch extrem erschwert wird. Russland sei selbst nicht in der Lage, Skier auf dem Qualitätsniveau der weltweiten Top-Marken zu produzieren. Yuri Borodavko merkte an, dass einige europäische Hersteller die Mannschaft zwar weiterhin beliefern, damit die Athleten den Marken nach ihrer Rückkehr treu bleiben – aber in deutlich geringeren Mengen. „Es ist definitiv viel schwieriger geworden zu arbeiten. Wir versuchen, Skier über Freunde oder Drittländer in Europa zu besorgen, aber einige Athleten mussten sogar ganz gewöhnliche Skier in normalen europäischen Sportgeschäften kaufen“, so Sorin. Er fügte hinzu, dass dieses Material „einfach nicht ausreicht, um auf absolutem Top-Niveau international konkurrenzfähig zu sein.“ Viele russische Athleten laufen aktuell laut Berichten Ski-Modelle, die teilweise drei oder vier Jahre alt sind (aus der Zeit vor dem Bann), weil sie kein neueres Werksmaterial bekommen. Der größte Ski-Lieferant im nordischen Bereich, die österreichische Firma Fischer Sports, hat ihre offizielle Position seit 2024 drastisch verschärft und ihre russische Vertriebs-Tochtergesellschaft komplett liquidiert. Offiziell heißt es von den Marken, dass jegliche direkte Unterstützung für russische Sportler, egal ob mit oder ohne FIS-Neutralitätsstatus, bis auf Weiteres vollständig ausgesetzt bleibt. Die von Borodavko erwähnten „heimlichen Lieferungen“ betreffen meist kleinere Kontingente, die Händler in Ländern wie Kasachstan oder der Türkei regulär einkaufen und dann über die Grenze nach Russland weiterverkaufen. Dadurch kommen die Läufer zwar an frische Ski, allerdings ohne die dringend benötigte, individuelle Feinabstimmung durch die Rennsportabteilungen. Wenn der russische Verband also Ski regulär im Laden kauft oder alte Modelle nutzt, tappen ihre eigenen Techniker komplett im Dunkeln. Sie bekommen keine Werks-Strukturen und keine Tipps von den Herstellern. Sie sind materialtechnisch völlig auf sich allein gestellt, während Nationen wie Norwegen oder Schweden das geballte Know-how der Hersteller-Ingenieure direkt an der Loipe nutzen können.
Schwedinnen von Windböen gestoppt
Ein besonders schockierendes Erlebnis hatten die Schwedinnen am Schnalstaler Gletscher, wo sie bei schweren Windböen in einer Gondel festsaßen. „Ich hatte Todesangst. Die Kabine war in Schräglage. Es ist das Schlimmste, was mir je auf einem Gletscher passiert ist, und ich war schon oft auf welchen“, sagte Maja Dahlqvist zum Expressen. Auch die Kolleginnen waren von dem Vorfall schwer mitgenommen: „Ich bin immer noch völlig traumatisiert. Ich stand einfach nur starr da und habe gezittert. Es war schrecklich“, sagte Märta Rosenberg. „Gerade als wir die Abfahrt begannen, gab es einen heftigen Ruck. Wir waren zu dritt in der Kabine, die für bis zu 80 Personen ausgelegt ist, weshalb sie etwas leicht war. Vielleicht hat sie das so sehr ins Schwanken gebracht. Es war eine wirklich unangenehme Erfahrung. Normalerweise habe ich keine Probleme mit Skiliften, aber heute war es anders. Wir werden sehen, ob ich weiterrauffahre. Vielleicht bleibe ich auch auf einer niedrigeren Höhe.“ Das schwedische Trainerteam hat nach dem Vorfall den Trainingsplan für die darauffolgenden Tage angepasst. Da vor allem Rosenberg sichtlich mitgenommen war und Angst vor einer erneuten Fahrt nach ganz oben hatte, wurde das Training teilweise auf die tiefer gelegene Lazaun-Plateau oder auf reines Ausdauertraining im Tal verlegt.
Knieverletzung und ausgebissener Zahn bei Berglund
Während seine Freundin Ebba Andersson selbst ständig mit Knieproblemen kämpft, reiht sich nun auch ihr Lebensgefährte Gustaf Berglund unter den Athleten mit Knieproblemen ein. Der Grund ist bei ihm ein akutes Trauma. Im Trainingslager der schwedischen Herren am Passo Lavazé wollte der 28-Jährige nachts auf die Toilette und rannte im Dunkeln mit dem Knie gegen den Bettpfosten. Er laborierte an einer anhaltenden Instabilität im Knie und musste anderthalb Wochen komplett mit dem Lauftraining aussetzen. Ein struktureller Schaden wie ein Bänderriss wurde aber nicht diagnostiziert. Gleichzeitig biss er sich im selben Trainingslager an einem harten Stück Levain-Brot (Sauerteigbrot mit sehr dicker und harter Kruste) einen Schneidezahn aus, was nach der Rückkehr sofort zahnärztlich behandelt werden musste. „Ich bin über steinige Pfade gerannt, habe alles Mögliche gemacht und bin mit dem Rad Serpentinen runtergejagt – und alles lief verdammt gut. Und dann wird man von einem Toilettengang und einem Stück Levain-Brot ausgeknockt“, sagte er später.
Poromaa kämpft sich zurück
Nach seinem Knöchelbruch Anfang Juli ist William Poromaa auf dem langen Weg zurück. Monatelang konnte er weder Joggen noch Skirollern, so dass er sich auf SkiErg, Krafttraining und Radfahren konzentrierte. „Das war definitiv eine andere Art der Vorbereitung mit viel mehr Krafttraining und SkiErg als sonst“, erzählte er ProXCSkiing. „Es ist schwer zu sagen, wo ich nun stehe, weil ich so anders als sonst trainiert habe. Aber ich habe das Gefühl, dass ich eine Menge qualitativ gutes Training gemacht habe und ich körperlich stark bin. Natürlich möchte ich um die ersten Plätze kämpfen und eine Heim-WM ist immer eine Extra-Motivation. Ich plane, zu Saisonbeginn alle Rennen zu laufen bis zur Tour de Ski und mich danach auf die Vorbereitung für die Weltmeisterschaften zu konzentrieren“, so Poromaa, der dazu ein dreiwöchiges Höhentraining im Winter plant.
Stichtag Beitostølen für norwegische Langläufer
Bisher hatten die Athleten der Nationalmannschaft immer einen gewissen Vorteil für die Vergabe von Weltcupstartplätzen. Unabhängig von aktuellen Leistungen hatten manche Sportler schon seit dem Herbst einen Fixplatz für die ersten Weltcuprennen sicher. Das ist nun nicht mehr so – gleiche Chance für alle ist nun die Devise des norwegischen Skiverbandes. Auch absolute Top-Stars der Nationalmannschaft müssen in Beitostølen am Start stehen und sich über die dortigen Platzierungen sportlich qualifizieren. Wer dort schwächelt, fliegt für Ruka aus dem Kader. Läufer aus privaten Teams oder norwegischen Regionalteams haben nun eine echte, transparente Chance. Liefern sie in Beitostølen ab und schlagen einen Nationalmannschaftsläufer, bekommen sie den Weltcup-Startplatz. Nationalteam-Chef Håkon Solvik, der neue Vorsitzende des norwegischen Langlauf-Komitees, erklärte, dass man auf die massive Kritik der Regionalteams reagiert hat. Die Privilegierung der Nationalkader hatte in der norwegischen Langlauf-Community für viel Unmut gesorgt. Regional-Team Läufer Jan Thomas Jenssen zeigte sich der regionalen Presse gegenüber begeistert von der Entscheidung: „Es ist unglaublich wichtig für mich zu wissen, dass ich jetzt eine reale Chance habe, nominiert zu werden. Wenn sie sich an das halten, was sie hier aufgeschrieben haben, dann habe ich diese Chance. Das macht die Sache verdammt spannend! Jenssen hatte Anfang August einen schweren Radunfall mit durchtrennten Sehnen am Handgelenk, von dem er sich erstaunlich schnell erholt hat. Er ist inzwischen wieder voll im Training und extrem angriffslustig. Während er nach seinem Kahnbeinbruch im Jahr zuvor noch fast zwölf Wochen eine Schiene tragen musste, konnte er im Spätsommer 2026 die Hand schon nach der Hälfte der Zeit wieder belasten. Die operierten und zusammengenähten Sehnen in seinen drei Fingern sind gut verheilt. Er trainiert schmerzfrei und bereitet sich mit seinem Privatteam gezielt auf das schicksalhafte Eröffnungswochenende in Beitostølen vor. Da er jetzt weiß, dass er eine reale Chance auf den Weltcup hat und die Nationalteam-Läufer keine Freifahrtscheine mehr besitzen, ist seine Motivation riesig. Er fühlt sich bereit, den Etablierten die Plätze für den Weltcup-Auftakt in Ruka streitig zu machen.
Amundsen läuft Form hinterher
Harald Østberg Amundsens Testergebnisse führen zu großen Fragezeichen wenige Wochen vor dem Beginn des Winters. Mitte Oktober fand ein Test auf Skirollern am Holmenkollen statt, in dem er als Sechster mit 46 Sekunden Rückstand weit abgeschlagen abschnitt. Es gewann der 21-jährige Lars Heggen mit einer Sekunde Vorsprung vor Martin Løwstrøm Nyenget und Andreas Fjorden Ree mit fünf Sekunden Rückstand. Dahinter klassierten sich Amund Korsæth und Simen Hegstad Krüger. Sonst waren keine Athleten mit Chance auf Weltcupstart dabei. Amundsen gab offen zu, dass ihn die aktuelle Phase mental und körperlich zermürbt, wenn man so viel Energie investiert und die Leistung dann nicht stimmt. Er sagte enttäuscht: „Es ist nie schön, eine verpasst zu bekommen.“ Ganz überraschend kam das Ergebnis aber nicht. Im vergangenen Sommer machten Amundsen gesundheitliche Probleme zu schaffen. Er äußerte die Befürchtung, dass die jahrelangen, extrem hohen Trainingsbelastungen seine Lungenfunktion beeinträchtigt haben könnten. Deswegen begab er sich für eine Reihe tiefgehender Untersuchungen in die Hände von Spezialisten (Pneumologen), um die Ursache zu finden und die Atembeschwerden besser in den Griff zu bekommen. Sowohl Amundsen selbst als auch sein Nationalmannschaftstrainer Eirik Myhr Nossum sind besorgt. Amundsen stellte fest, dass sein aktueller Trainingsansatz nicht funktioniert und er die Vorbereitung dringend anpassen muss. Sein Fazit nach dem enttäuschenden Testlauf lautete: „Ich muss wahrscheinlich einfach die Bremse ziehen“ – ein klares Zeichen dafür, dass er sich im Moment übertrainiert oder erschöpft fühlt. In genau einem Monat steht die norwegische Saisoneröffnung in Beitostølen an, direkt gefolgt vom Weltcup-Auftakt in Ruka. Amundsen muss seine Probleme schnell lösen, um in dem extrem starken norwegischen Team überhaupt für die Highlights der Saison – wie die Weltmeisterschaften in Falun im Februar – nominiert zu werden.
