Wie bereits erwähnt, wurde beim FIS Meeting über das Thema Russland und Belarus gesprochen. Was es Neues zur WM gibt und wie die Reaktionen darauf sind, erfahrt ihr hier:
Jedes Jahr Großereignis bestätigt
Schon im August war bekannt geworden, dass die FIS überlegt, wie im Biathlon in drei von vier Jahren Weltmeisterschaften auszutragen und im vierten Jahr die Olympischen Spiele. Das wurde nun in den zwei Tagen bei der FIS am Thuner See bestätigt. 2032 ist nun das erste Jahr, das kein Zwischenjahr ohne WM mehr ist – womöglich auch schon ab 2028, wenn sich so schnell ein Ausrichter finden lässt. Das gilt für sämtliche FIS Sportarten – nicht nur für die Nordische Ski WM. Von den Verbänden gibt es aber deutlichen Gegenwind, so vom DSV und ÖSV.
Stellungsnahme des ÖSV
Der ÖSV zeigte sich vom Beschluss der FIS überrascht, weil er überraschend und ohne vorherige Rücksprache mit den großen Nationalverbänden veröffentlicht wurde und spricht sich klar dagegen aus. „Mit Interesse und einer gewissen Überraschung hat der Österreichische Skiverband die gestrige Mitteilung des Internationalen Ski- und Snowboardverbandes (FIS) zur Kenntnis genommen. Darin wird ausgeführt, dass sich der FIS-Vorstand auf Basis einer – dem ÖSV nicht vorliegenden – Machbarkeitsstudie auf ein Konzept verständigt habe, die Frequenz der FIS-Weltmeisterschaften künftig erhöhen zu wollen“, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemeldung in der auch steht, dass sich der ÖSV sich damit nun von der möglichen Ausrichtung der Alpinen Ski WM 2032 mit St. Anton am Arlberg zurückzieht, aber an der Kandidatur für 2033 festhält. „Für den ÖSV ist das eine sportpolitische Grundsatzentscheidung und keine Entscheidung gegen die Austragung von Weltmeisterschaften in Österreich. Eine Weltmeisterschaft muss etwas Besonderes bleiben. Eine nahezu jährliche Austragung birgt aus ÖSV-Sicht die große Gefahr einer Inflationierung und damit einer schleichenden Entwertung des sportlichen Stellenwerts einer Weltmeisterschaft und eines WM-Titels. Gleichzeitig sehen wir mögliche Auswirkungen auf den FIS Weltcup. Der Weltcup ist die zentrale jährliche Wettkampfserie unseres Sports und muss entsprechend stark positioniert bleiben.“, schreibt der ÖSV.
Kritik auch aus Deutschland und Norwegen
Der DSV äußerte sich nicht ganz so ablehnend wie der ÖSV: „Wir stehen einem zusätzlichen WM-Zyklus grundsätzlich offen gegenüber, sehen aber durchaus kritische Punkte, die in einer solchen Entscheidung sorgfältig abgewogen werden müssen. Von der sportlichen Wertigkeit und der Wirtschaftlichkeit bis hin zu den Auswirkungen auf den Weltcup und den ohnehin anspruchsvollen internationalen Kalender“, sagte DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach dem SID. Man solle „Alpin und Nordisch nicht zwangsläufig über einen Kamm scheren, da die wirtschaftlichen, medialen und vermarktungsbezogenen Rahmenbedingungen unterschiedlich sind“, sagte Schwarzbach. „Entscheidend ist für uns daher der tatsächliche Mehrwert für den Skisport. Eine zusätzliche WM kann Chancen bieten, sollte aber nicht lediglich zusätzliche Belastungen für Athleten, Veranstalter und Verbände erzeugen. Deshalb halten wir es für wichtig, das Konzept der FIS auf Basis belastbarer sportlicher und wirtschaftlicher Analysen offen und sachlich weiter zu diskutieren.“ Auch Johannes Høsflot Klæbo reagiert skeptisch auf die Nachrichten: „Mir gefällt, dass etwas Neues gewagt wird und normalerweise unterstütze ich Änderungen, dennoch bin ich hier erstmal skeptisch.“ Der Schweizer Verband, der kurz vor der Austragung der nächsten Alpinen Ski-WM 2027 in Crans-Montana steht, hält sich mit offiziellen, aggressiven Statements noch zurück. Hinter den Kulissen teilt man jedoch die mitteleuropäische Skepsis des DSV und ÖSV, da traditionsreiche Schweizer Weltcup-Klassiker wie Wengen durch eine Dauer-WM an Exklusivität und TV-Präsenz verlieren könnten.
Ziele für Langzeit-Kalender
Das FIS-Council hat sich auf die Grundprinzipien für einen langfristigen FIS-Weltcup-Kalender für alle Disziplinen geeinigt. Dabei sollen Ideen berücksichtigt werden wie eine Einrichtung regionaler Kalender-Cluster. Wie schon in den letzten Jahren begonnen sollen Rennen werden geografisch sinnvoll zusammengefasst werden wie ein großer Block in Skandinavien. Der Weltcup-Tross bleibt eine Zeit lang in einer Region, um Reisezeiten, Kosten und den CO2-Fußabdruck zu senken. Außerdem möchte die FIS den Skisport in Ländern populärer machen, in denen er bisher eine Nebenrolle spielt wie in Asien oder Südamerika. Gleichzeitig sollen die traditionellen „Kernmärkte“ wie Österreich, die Schweiz oder Deutschland geschützt werden. Zudem soll es ein Bewertungssystem für jedes einzelne Rennen geben. Hierbei wird geschaut, welchen Einfluss ein Weltcup auf die Umwelt, die Nachhaltigkeit, die Logistik und die Wirtschaftlichkeit hat. Nachdem diese Grundsätze nun genehmigt wurden, geht die Angelegenheit zurück an das FIS-Management und schließlich an das Gremium für Medienrechte (Media Rights Executive Board), bevor dem Council nach den Herbsttagungen ein Entwurf des langfristigen Kalenders zur Genehmigung vorgelegt wird.
Neutralitätserklärung für russische Sportler
Nachdem die FIS bekannt gegeben hatte, dass russische und belarussische Sportler und Betreuer eine Neutralitätserklärung unterschreiben müssen (siehe unten), gibt es aktuell keine Neuigkeiten aus Russland. Athleten halten sich in den Medien bedeckt, sie wollen abwarten, wie genau die Voraussetzungen der FIS aussehen werden. An den bisherigen Regeln wie keine Unterstützung des Krieges, keine Militärangehörigkeit wie auch von Militärsportvereinen wird sich aber aller Voraussicht nichts ändern. Außerdem müssen die neutralen Athleten dann bei den Wettkämpfen auf ihre Flagge, Hymne und nationale Farben verzichten, außerdem bleiben ihnen Teamwettkämpfe verwehrt. Nur Veronika Stepanova meldete sich bei NRK und wetterte gegen den Skiverband: „Zufrieden? Ich bin erst zufrieden, wenn wir wieder die gleichen Rechte wie Norwegen und Schweden haben! Ich glaube nicht, dass sie sich für die vielen Jahre potenziell interessanter Wettkämpfe entschuldigen werden, die verloren gegangen sind, aber ich kann auch ohne ihre Ausreden leben“, schreibt Stepanova an NRK.