Langlauf Weltcup Canmore: Jessie Diggins feiert Massenstart-Sieg in Nordamerika

Delphine Claudel (FRA), Jessie Diggins (USA), Heidi Weng (NOR), (l-r) © Modica/NordicFocus

Jessie Diggins wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und triumphierte im Massenstart über 15 Kilometer im freien Stil vor fast heimischem Publikum. Katharina Hennig und Victoria Carl kamen noch unter die besten Zwölf.

Laukli greift an, Diggins taktiert

Ebba Andersson (SWE), Astrid Oeyre Slind (NOR), Jessie Diggins (USA), Frida Karlsson (SWE), (l-r) © Modica/NordicFocus

Ursprünglich war für das erste Rennen beim Langlauf Weltcup in Canmore ein zehn Kilometer langer Einzelstart geplant gewesen, aber weil das Zeitnahme Equipment wegen des Lufthansa Streiks nicht ankam, trug man mit Hilfe lokaler Zeitmessungs-Unternehmen stattdessen einen Massenstart aus, was der Weltcupführenden Jessie Diggins wegen der zusätzlich zu gewinnenden 30 Weltcuppunkten bei Bonussprints sehr entgegenkam. In der ersten von vier Runden bei -6°C und strahlendem Sonnenschein zeigten sich Jessie Diggins, Frida Karlsson und Victoria Carl aktiv vorne, aber als Diggins merkte, dass sie sich wegen der nachfolgenden langen Abfahrt in den Anstiegen nicht absetzen konnte, ließ sie die Schwedinnen nach vorne und konzentrierte sich darauf, bei beiden Bonussprints jeweils 15 Punkte mitzunehmen. Zur Rennhälfte hatte sich das Feld auf 18 Athletinnen reduziert und im schweren Anstieg der dritten Runde attackierte mit Leichtgewicht Sophia Laukli eine weitere Amerikanerin, die sich zusammen mit Heidi Weng, Ebba Andersson, Jessie Diggins und Delphine Claudel absetzen konnte. Zwar konnte die zweite Gruppe die Lücke im Stadiondurchlauf wieder schließen, im Anstieg ging bei einem weiteren Angriff aber sofort wieder eine Lücke auf – diesmal aber mit Teresa Stadlober.

Erwartete Entscheidung im Zielsprint

Jessie Diggins (USA) © Modica/NordicFocus

Vor der langen Abfahrt ins Stadion führte die Halb-Norwegerin Sophia Laukli die sechsköpfige Gruppe an vor Andersson und Diggins, zudem konnten Stadlober und Dolci ihre kleine Lücke wieder schließen. Am letzten kleinen Anstieg vor dem Ziel griff Delphine Claudel an, aber Diggins, Weng und Slind waren wachsam. Die Französin und die Amerikanerin konnten sich leicht von den Norwegerinnen lösen und Diggins war auf der Zielgeraden erwartungsgemäß nicht zu schlagen. Von Familien und Freunden und den anderen Zuschauern ließ sich die 32-Jährige feiern, sagte aber im Zielraum zu einem Betreuer: „Ich fühlte mich gar nicht so gut.“ Davon war im Sieger-Interview aber nicht mehr die Rede: „Das war aufregend, ich habe mich lange auf diese Reise gefreut. Ich habe eine Menge Familie hier, meine Eltern, meine Großmutter und viele andere sind da und sind stolz auf mich, egal wie das heute ausgegangen wäre. Wir hatten großartige Ski, vielen Dank an alle“, so Diggins, die über das Rennen sagte: „Ich musste meine Nerven im Griff haben so nah an der Heimat. Ich war mir nicht sicher, ob ich mich absetzen kann, aber am Ende war es ein smartes Rennen und ich musste nur geduldig bleiben.“ Rang zwei ging an Delphine Claudel, die ebenfalls überglücklich war wie die eigentlich kranke Heidi Weng, die gegen Astrid Øyre Slind und Flora Dolci Platz drei ersprintete. „Ich muss zugeben, in der ersten Runde war ich etwas müde. In der letzten Runde dachte ich ‚Heute gewinne ich!‘. Das war vielleicht etwas zu übermütig, aber ich habe alles getan, was ich konnte. Direkt vom Krankenhaus aufs Podium“, jubelte Weng bei Viaplay, nachdem sie wegen einer Ohreninfektion Antibiotika nehmen muss.

Stadlober starke Sechste

Teresa Stadlober (AUT) © Modica/NordicFocus

Teresa Stadlober kam nach einem guten Endspurt als sehr gute Sechste ins Ziel und ließ dabei Ebba Andersson und Sophia Laukli hinter sich. Mit dem Rennen zeigte sie sich später sehr zufrieden: „Das war heute ein richtig cooles Rennen und so ein Ergebnis hätte ich mir in Hinblick auf die letzten Skatingrennen nie erwartet. Die Strecke hier ist sehr anspruchsvoll und es war dadurch auch ein echtes Ausscheidungsrennen, bei dem immer wieder Athletinnen weggefallen sind. Auf der letzten Runde wurde dann noch einmal ordentlich gasgegeben, aber ich konnte zweimal wieder zur Spitzengruppe aufschließen und habe mich richtig gut gefühlt“, sagte die Österreicherin, die hinzufügte: „Ich hatte auch unglaublich gutes Material und das ganze Team hat wieder super Arbeit geleistet. Jetzt freue ich mich umso mehr auf das Rennen am Sonntag.“

Hennig und Carl mit guten Leistungen

Victoria Carl (GER) © Modica/NordicFocus

Linn Svahn gewann den Sprint der zweiten Gruppe. Dann überquerte aber schon Katharina Hennig als sehr gute Zehnte die Ziellinie, nachdem sie den Sprint knapp gegen Frida Karlsson gewonnen hatte. „Ich bin sehr sehr glücklich über meinen zehnten Platz heute und freue mich, dass ich die gute Skatingleistung aus Goms bestätigen konnte. Ich habe nun mein zweites sehr gutes Skatingergebnis dieses Jahr eingefahren, nachdem es ja in dieser Technik etwas holprig losging dieses Jahr“, sagte Katharina Hennig. „Die Strecke war extrem hart, es war eine Berglaufstrecke. Es ging erst alles hoch und dann alles wieder runter. Man hat es ja auch an den Platzierungen weiter vorn gesehen, dass das eine sehr berglastige Strecke ist und darum bin ich sehr stolz, heute ein so gutes Ergebnis eingefahren zu haben. Die letzten Tage waren hier etwas zäh, man hat gemerkt, dass der Körper eine Weile braucht, um sich an die neue Zeitzone zu gewöhnen und deswegen hatte ich nicht allzu große Erwartungen von den Rennen heute und darum bin ich froh, dass es so gut gegangen ist.“ Victoria Carl, der die schweren, langen Anstiege bei ihrer Größe nicht entgegen kamen, verlor in der dritten Runde zusammen mit der Teamkollegin den Anschluss, kam durch die Abfahrt wieder heran und konnten in den Anstiegen der letzten Runde wieder nicht mit den Besten mithalten. Dafür gibt es jedoch Gründe: Bei Hennig die Skatingtechnik, in der sie in diesem Winter noch nicht viele gute Rennen gemacht hat, bei Carl wie gesagt das Streckenprofil, das ihr bei ihrem Körperbau nicht liegt. Außerdem litt sie in Canmore unter Magenproblemen. Wie sie selbst sagte, war das der Grund, warum sie in der dritten Runde nicht mehr mitgehen konnte: „Das Rennen war an sich völlig in Ordnung. Ich hatte ein bisschen Probleme mit Sodbrennen und Magenproblemen zu kämpfen, vor allem in der dritten Runde hat es mich da relativ stark ausgehebelt. Da habe ich kurzzeitig gedacht, ich komme nicht mehr an. Das hat sich dann aber im Laufe der vierten Runde wieder gegeben und konnte dann nochmal in der vierten Runde angreifen und noch mal ein paar Plätze gutmachen. Das stimmt mich sehr positiv für die nächsten Tage.“ Insofern können beide mit Platz zehn und zwölf sehr zufrieden sein wie auch Lisa Lohmann, die als 20. ebenfalls ein gutes Rennen machte, auch wenn sie fast zwei Minuten verlor. Rang 24 ging an Katherine Sauerbrey. Zudem waren auf den Rängen 38 und 39 mit Lena Keck und Anna-Maria Dietze noch zwei unerfahrene Athletinnen dabei, für die in den USA studierende Dietze war es sogar das Weltcupdebüt. „Wir sind natürlich mit hohen Erwartungen reingegangen, die teilweise erfüllt wurden, teilweise nicht so ganz. Katharina Hennig kann mit ihrem zehnten Platz im Skating sehr zufrieden sein. Vici Carl mit ihrem zwölften Platz wird nicht ganz zufrieden sein, hat ein bisschen Magenprobleme gehabt und das ist natürlich auf so einer schweren Strecke ein entscheidender Nachteil, den man hier erleidet“, sagte Teamchef Peter Schlickenrieder. „Vom Mannschaftergebnis können wir sehr zufrieden sein. Alle sechs Gestarteten unter den Top40 und Lisa Lohmann hat mit ihrem 20. Platz wieder ein sehr gutes Skatingrennen gemacht. Der Damen Auftakt ist gelungen – mit Luft nach oben, gerade für unsere aktuell beste Läuferin, die Vici, die hier sicher mit einem Top8 Platz geliebäugelt hat.“ Die einzige Schweizerin Nadine Fähndrich verlor als 27. fast drei Minuten. Lotta Udnes Weng gab das Rennen nach zwei Runden mit Tränen in den Augen auf. Seit Toblach musste sie wegen Atemwegsinfekten pausieren und wollte nun ein Comeback feiern. Im Rennen merkte sie aber, dass es noch nicht geht: „Schon nach zehn Metern musste ich kämpfen und das ist kein gutes Gefühl.“

Ribom nach Sturz außer Gefecht

Emma Ribom (SWE) im Training in Canmore (CAN) © Modica/NordicFocus

Wegen einer Trainingsverletzung muss Emma Ribom mindestens auf die ersten drei Rennen in Canmore verzichten, möglicherweise fällt sie auch länger aus. Der Unfall passierte schon letzten Woche im Training, als sie mit einer anderen Läuferin zusammenstieß. „Ich hätte nie gedacht, dass man sich eine so tiefe Wunde durch einen Langlaufski zuziehen kann. Das war unerwartet. Ich habe zuerst gar nicht begriffen, wie schlimm die Verletzung ist. Ich habe noch 45 Minuten weiter trainiert“, sagte Ribom dem Expressen. Nach dem Training entdeckte sie einen tiefe Wunde an ihrem Knie: „Als ich runter sah, entdeckte ich eine richtig tiefe Wunde und eine Menge Blut. Aber um ehrlich zu sein, wollte ich mir das gar nicht so genau ansehen. Das haben dann andere gemacht. Am Ende wurde die Wunde im Krankenhaus mit sieben Stichen über der Kniescheibe genäht, es war also eine große Wunde.“ Ribom kann zwar vorsichtig trainieren, ein Rennstart kommt jedoch vorerst nicht in Frage, solange die Wunde nicht verheilt ist.

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