Langlauf Weltcup Dresden: Falk und Pellegrino feiern Sprintsiege an der Elbe

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR), Lucas Chanavat (FRA), Federico Pellegrino (ITA) (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Beim ersten Weltcup am Dresdner Elbufer sorgten Tausende Zuschauer für eine tolle Kulisse. Hanna Falk setzte sich gegen Maja Dahlqvist und Sophie Caldwell durch, bei den Herren bezwang Federico Pellegrino Johannes Høsflot Klæbo. Dritter wurde Lucas Chanavat.

Schwedinnen sehr dominant

Maja Dahlqvist (SWE), Sophie Caldwell (USA), Hanna Falk (SWE), Anna Dyvik (SWE) (l-r) © Thibaut/NordicFocus

In Abwesenheit der erkrankten Maiken Caspersen Falla machten die Schwedinnen in mannschaftlicher Stärke, Sophie Caldwell und Laurien van der Graaff die Favoritenrollen unter sich aus und schafften auch den Sprung ins Finale. Dort waren nach dem Start Hanna Falk und Stina Nilsson vorne, die ihre Position aber an eine überraschend starke Maja Dahlqvist abgeben musste. Insgesamt machten die Schwedinnen zu viert vorne laufend für eine hart kämpfende Laurien van der Graaff und Sophie Caldwell an der letzten Position die Tür zu. Das führte dann zu hausgemachten Problemen: Nilsson auf der Innenbahn wollte nach dem Wendepunkt etwas weiter nach außen und kollidierte dabei mit Anna Dyvik, die schon zuvor im Halbfinale eine gelbe Karte für Behinderung kassierte, hier aber völlig unschuldig war. Nilsson landete auf der Nase und konnte nicht mehr um den Sieg mitsprinten. So war der Weg frei für Hanna Falk, die City-Sprints liebt und auch an Deutschland gute Erinnerungen hat: 2009 feierte sie in Düsseldorf ihren ersten Weltcupsieg. Heute lieferte sie eine sehr souveräne Vorstellung ab, nachdem sie schon im Prolog die Schnellste gewesen war. Mit Maja Dahlqvist und Anna Dyvik an den Fersen stürmte sie den Elbdeich hinauf und wieder hinunter und jubelte nach der kurzen Zielgeraden über ihren ersten Saisonsieg. Maja Dahlqvist schaffte als Zweite ihr bestes Karriereresultat vor Sophie Caldwell. Laurien van der Graaff wurde gute Vierte vor Anna Dyvik und Stina Nilsson. Hanna Falk hatte eine Menge Unterstützung mit 30 lauten Fans von zu Hause aus Ulricehamn mitgebracht: „Meine Familie und Freunde sind hier und haben mich angefeuert. Das hat mir sehr geholfen. Ich war etwas unkonzentriert im Halbfinale, wo ich nur als Lucky Loser weiterkam. Nun bin ich von vorne gelaufen und habe einfach Gas gegeben!“ 

Pellegrino schlägt Klæbo

Johannes Hoesflor Klaebo (NOR), Federico Pellegrino (ITA) © Thibaut/NordicFocus

Im Sprint der Herren gab es eine Überraschung mit der ersten Sprintniederlage von Johannes Høsflot Klæbo und Pellegrino wird sich sagen: Warum nicht auch bei den Olympischen Spielen? Der Norweger kämpfte vorher lange gegen den starken Franzosen Lucas Chanavat, der schon im Prolog etwas schneller war, um die Spitzenposition, da es vorteilhaft ist, bei der Wende schon vorne zu sein. Dort verpulverte er offenbar die Kräfte, die ihm am Ende gegen den Italiener fehlten. Klæbo konnte diesmal nicht wie noch im Halbfinale den Deich hinauf attackieren, so dass Federico Pellegrino neben ihm das Tempo anzog und vorbeiging. Als Erster kam der Italiener aus der kleinen Abfahrt auf die kurze Zielgerade, wo Klæbo noch einmal alles versuchte: Kurz vor dem Ziel versuchte er noch einen besonders kraftvollen Schritt, hatte aber den Schwerpunkt etwas zu weit hinten, so dass die Kraft ins Leere ging und er sich im Zielsprint knapp Federico Pellegrino geschlagen geben musste. Der Italiener konnte seinen Erfolg kaum fassen: „Ich war nicht in erster Linie wegen körperlicher Stärke erfolgreich, sondern wegen der Taktik. Nach dem Start merkte ich, dass ich alt werde und nicht mehr der Jüngste bin im Vergleich mit den jungen Klæbo und Chanavat. Ich musste warten und wollte im Flachen vor der Zielgeraden attackieren. Klæbo ist ein feiner Kerl. Er hätte mir auch die Tür zumachen können und dann wären wir gestürzt.“ Rang drei ging an Lucas Chanavat gefolgt von seinem Landsmann Richard Jouve. Emil Jönsson erreichte sein erstes Sprintfinale seit mehr als einem Jahr und wurde Fünfter vor Even Northug, der als Ersatzmann nachrückte und eigentlich einen sehr guten Eindruck hinterließ. Am Start brach ihm dann allerdings ein Stock und er hetzte vergeblich der Gruppe hinterher.

Starkes Deutsches Team um Schicho und Kolb

Laurien Van Der Graaff (SUI), Maja Dahlqvist (SWE), Nadine Herrmann (GER), Elisabeth Schicho (GER), Laura Gimmler (GER) (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Das junge deutsche Team mit insgesamt fünf Debütanten schlug sich sehr gut, vor allem bei den Damen, wo alle sieben Athletinnen unter die besten 30 kamen. Elisabeth Schicho und Hanna Kolb schafften den Sprung ins Halbfinale und belegten dort die Plätze acht und zehn. Hanna Kolb konnte sich nicht gegen die schwedische Übermacht in ihrem Lauf erwehren, nachdem sie im Viertelfinale noch „gut mitgekommen“ war und sich über die Zeit für die nächste Runde qualifizierte. „Es war ein schönes Rennen, ich mag solche Rennen. Es hat Spaß gemacht, Danke an die Zuschauer!“, sagte sie. Für Elisabeth Schicho wäre sogar noch mehr drin gewesen, obwohl sie auch mit diesem achten Platz schon ihr bestes Weltcupresultat aus dem letzten Winter einstellte und das erste Mal im Weltcup ins Halbfinale kam. Im Anstieg auf den Deich lag die Bayerin an vierter Stelle, als vor ihr durch die Italienerin Gaia Vuerich ein Stau entstand. Nach Stockbruch der Italienerin und anschließendem Sturz von Ida Ingemarsdotter war der Anschluss nach vorn verpasst und sie beendete das Halbfinale als Vierte. Für das Erreichen der vollen Olympianorm genügt der achte Platz aber leider nicht – im City-Sprint gelten andere Regeln, aber Platz acht ist immerhin die halbe Norm. „Es ist sehr schnell für die Verhältnisse, aber man kommt ins Schnaufen'“, keuchte sie noch unmittelbar nach dem Viertelfinale und nach dem Ausscheiden sagte sie: „So was passiert immer mal. Das ist bitter. Es wäre so viel drinnen gewesen auf dieser Strecke. Aber Danke an die tollen Fans hier!“, meinte die Schlierseerin. Einen überraschend guten Eindruck hinterließ auch Nachwuchsathletin Anne Winkler, die bei ihrem sechsten Weltcupsprint das Halbfinale nur ganz knapp verpasste. Platz 13 bedeutet dennoch das mit Abstand beste Weltcupresultat. Sie war ihr Rennen sehr offensiv angegangen und hatte sich mutig nach dem Start an die Spitze gesetzt. Nur ganz langsam wurde sie nach und nach durchgereicht bis auf den fünften Platz. Als neben und hinter ihr zwei Konkurrentinnen kollidieren, war die Chance aufs Weiterkommen plötzlich wieder da: „Es war ein tolles Rennen. Es ging schnell los und dann muss man dranbleiben, aber ich bin schon zufrieden mit dem Heat“, meinte sie glücklich. Sandra Ringwald wurde 16. und Laura Gimmler 19. Rang 27 ging an Victoria Carl, Nadine Herrmann debütierte in den Punkten als 29.

Eisenlauer im Viertelfinale – Lukas Groß fast!

Sebastian Eisenlauer (GER) © Thibaut/NordicFocus

Bei den Herren gelang der Sprung ins Viertelfinale nur Sebastian Eisenlauer. Lukas Groß scheiterte bei seinem Weltcupdebüt hauchdünn als 31. – zunächst war er wegen eines Fehlers im FIS-Ticker des Prologs aber als 30. ausgewiesen worden. Sebastian Eisenlauer zeigte vor heimischem Publikum eine gute Leistung und wurde 16. Nachdem vor ihm knapp ein Sturz vermieden worden war, kämpfte er sich nach dem Wendepunkt bis auf Platz drei vor, den er bis ins Ziel hielt. Dennoch war der Wettkampftag für ihn beendet: „Schade, ich wäre gern noch weitergekommen. Ich bin am Berg gut vorgekommen und hatte gehofft, dass es noch reicht als Zweiter oder Dritter, aber das war nicht so.“ Marius Cebulla kam als 40. in die Wertung, Valentin Mättig wurde 43. und Max Olex 53. vor Janosch Brugger. Jakob Leismüller und der Dresdner Richard Leupold belegten die Plätze 57 und 64.

=> Ergebnis Sprint FT Damen
=> Ergebnis Sprint FT Herren

=> Stimmen des Einzelsprints: „Wenn ich einmal Enkelkinder habe….“

 

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