Reportagen

Auf Skirollern durch Europa: Westeuropa

Ich bin am Atlantik!

Auf Skirollern durch Europa: Endpunkt des Eurovelo6, Saint-Brevin-les-Pins © Stefan Prinz

Nicht mehr weit bis zum Atlantik! Auch wenn der Gegenwind zunimmt, kĂ€mpfe ich mich Kilometer fĂŒr Kilometer vorwĂ€rts, und lasse mich per Komoot gen Westen navigieren. Nach einigen Kilometern des Umherirrens finde ich einen passablen, mit den Cross-Rollern schön zu fahrenden Schotterweg und folge diesem auf den restlichen Kilometern bis zum Meer. Und hier stehe ich nun, am Atlantischen Ozean, doch eine schöne KĂŒste gibt es hier nicht. Wer mich kennt, weiß, dass hier nicht Schluss war 😉 Ich entscheide mich, zurĂŒck zur MĂŒndung der Loire und weiter an der AtlantikkĂŒste gen Norden zu rollen. Mir wurde schon gesagt, dass ich dazu zwingend eine autobahnĂ€hnliche BrĂŒcke bei St-Nazaire ĂŒberqueren mĂŒsse. Ich sehe die Silhouette der BrĂŒcke schon aus der Ferne, aber was fĂŒr ein krasses Ding ist das denn? Ich entziffere ein französisches Schild – irgendetwas von ehemals lĂ€ngster SchrĂ€gseilbrĂŒcke der Welt steht da geschrieben – und so ist der BrĂŒckenzug fast dreieinhalb Kilometer lang. Zu meinem Entsetzen gibt es einen etwa 40 cm breiten Gehweg, der die vorbeirasenden LKWs vom GelĂ€nder und dem 70 m weiter unten gelegenen Fluss trennt
 Ich bin am Verzweifeln. Selbst der Doppelstockschub ist fast unmöglich, es hat enormen Seitenwind, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Der Carbon-Stock muss ziemlich viele heftige SchlĂ€ge einstecken. Die Autos rasen weiter vorbei. Schluss. Aus. Das geht mir zu weit. Mein oberstes Ziel ist es, sicher anzukommen und nicht dabei drauf zu gehen. FĂŒr das erste Mal auf dieser Tour schnalle ich also meine Roller unterwegs ab. Ich will die gefĂ€hrliche Strecke zu Fuß laufen, aber eine liebenswerte Französin nimmt mich sogar auf die andere Seite der BrĂŒcke mit. Hier geht’s entspannt weiter, bis ich irgendwann nach vielen weiteren Kilometern eine kleine verlassene Strandbucht, umgeben von Steilfelsen, entdecke. Ich ĂŒberlege es mir kurz, aber dann ist es mir klar: Hier wird mein Endziel sein. Ich musste hart dafĂŒr kĂ€mpfen und sehr oft ĂŒber meine persönlichen Grenzen gehen, aber nun bin ich da. Am Ziel.

Epilog – Der Weg ist das Ziel

Ein Einheimischer kommt vorbei und fragt mich auf Englisch, was ich mit diesen SportgerĂ€ten hier vorhabe. „Crossing Europe? And you have chosen this lost place as your final destination in Western Europe?“ Ich ĂŒberlege kurz und bejahe es. Ich wollte nie an einem ĂŒberfĂŒllten Strand stehen, sondern den Moment einfach nur alleine genießen können. Mir kommt der Gedanke: Aber war das nun wirklich das lang ersehnte Ziel meiner Reise? Nein, ganz sicher nicht, denn vielmehr waren all die kleinen StĂ€dte, Dörfer, vor allem die Begegnungen, Erlebnisse und Landschaften das Ziel. Der Weg war das Ziel. Und der Weg ist das Ziel. Auf geht’s ans andere Ende von Europa. Auf geht’s ans Schwarze Meer.
Servus und bis bald, Stefan

An dieser Stelle mĂŒsste ich eigentlich so unglaublich vielen Leuten danken, was aber den Rahmen dieser Reportage sprengen wĂŒrde. Ihr werdet es mir verzeihen 😉 So bleibt mir zumindest ein herzliches Dankeschön an SRB fĂŒr die tolle UnterstĂŒtzung und den super Cross-Roller, der mich in allen Facetten begeistert hat, an LEKI fĂŒr die mega Stöcke und Handschuhe, und natĂŒrlich an Mario und das gesamte xc-Ski-Team fĂŒr die UnterstĂŒtzung 😉

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