Philipp Nawrath wird Dritter im Sprint beim Biathlon Weltcup in Otepää, den Sieg sichert sich der Norweger Sturla Holm Laegreid vor Emilien Jacquelin. Im Kampf um die Sprintkugel scheinen die Würfel gefallen zu sein.
Sturla Holm Laegreid weiterhin auf Erfolgskurs
Der Norweger Sturla Holm Laegreid scheint sich seine Top-Form auch nach den Olympischen Winterspielen bewahrt zu haben. Als letzter der roten Startgruppe, aus der die derzeit weltbesten Biathleten starten, hatte er die Zeiten der Läufer vor ihm präsent. Dennoch war durch die Ergebnisse der zuvor Gestarteten klar, dass nur die Null am Schießstand zum Erfolg führt, gepaart mit einem starken Auftritt in der Loipe. Vor circa 6.000 Zuschauern, vorwiegend junge Leute, wie Christian Dexne in der ARD-Live-Übertragung wusste, und bei durchgehendem Regen gelang Sturla Holm Laegreid (29) nach seinen Siegen im Massenstart und mit der Staffel in Kontiolahti, auch in Otepää das perfekte Rennen. Mit zehn Treffern und der schnellsten Gesamtlaufzeit gewinnt er den vorletzten Sprint der Saison mit einem Vorsprung von 10,7 Sekunden vor dem Franzosen Emilien Jacquelin.
Spannung im Rennen
Isak Frey im blauen Trikot des derzeit Führenden in der U23-Wertung kam als Erster mit zehn Treffern ins Ziel und setzte sich mit deutlichem Vorsprung an die Spitze des Feldes, aber die weltbesten Biathleten kamen nach ihm erst ab der Startnummer 40. Johan-Olav Botn, der eine deutlich schnellere Angangszeit als Frey bot, hat liegend extrem lange gebraucht, um seine fünf Treffer zu setzen und fiel zur Hälfte des Rennens hinter Frey zurück. In der Runde war er schneller unterwegs als Isak Frey aber stehend verfehlte er eine Scheibe und fiel erneut hinter den führenden Frey zurück. Botn war noch auf seiner Schlussrunde unterwegs als der später gestartete Emilien Jacquelin in beiden Schießen abräumte und sich bereits eingangs der Schlussrunde deutlich vor Isak Frey setzte.
Podest für Philipp Nawrath
Botn überquerte die Ziellinie hinter Frey und währenddessen war Philipp Nawrath ins Rennen gestartet. Er hatte den schnellsten Angang, blieb liegend fehlerfrei und lag nach dem Liegendanschlag nur minimal hinter dem Franzosen Emilien Jacquelin. Mit 17,4 Sekunden Rückstand hinter der Spitze kämpfte Nawrath im Fernduell gegen Jacquelin um einen Podestrang, während Quentin Fillon Maillet ebenfalls nach zehn Treffern gut in der Spur unterwegs war. Fillon Maillet brachte seinen minimalen Vorsprung nicht ins Ziel und sortierte sich 0,3 Sekunden hinter Frey ein. Emilien Jacquelin konnte sein Tempo der ersten und zweiten Runde auf der Schlussrunde zwar nicht halten, schob im Ziel Isak Frey dennoch von der Spitze. Nawrath war zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs und überquerte die Ziellinie mit der dritten Gesamtlaufzeit hinter Emilien Jacquelin. Aber von hinten griff noch Sturla Holm Laegreid in den Kampf um einen Podestplatz ein. Er war der Letzte der roten Gruppe und bog nur 2,8 Sekunden hinter Jacquelin in die Schlussrunde. Mit der absolut schnellsten Laufzeit übernahm er die Führung vor Emilien Jacquelin und Philipp Nawrath. Für Philipp Nawrath war dies nach dem zweiten Platz im Sprint von Oberhof der zweite Podestplatz in dieser Saison. Gerade im Stehendanschlag hat er sich bewusst für die fünf Treffer Zeit genommen. „Oft waren es Flüchtigkeitsfehler, wo ich mich im Nachhinein richtig geärgert habe,“ so Nawrath zu seinen Schießeinlagen. Isak Frey wurde am Ende Vierter vor Quentin Fillon Maillet und Johan-Olav Botn.
Sebastian Samuelsson übernimmt Führung in Sprintwertung
Der Schwede Sebastian Samuelsson konnte im Sprint von Otepää deutlich besser punkten als sein ärgster Konkurrent im Kampf um die kleine Sprintkugel. Samuelsson leistete sich liegend einen Fehler, räumte stehend ab und belegte am Ende den siebten Rang. Der Gesamtweltcupführende Eric Perrot, zuletzt in Top-Form, musste mit jeweils einer Strafrunde aus den beiden Anschlägen in Otepää etwas Federn lassen. Nach den beiden Strafrunden belegte er am Ende zwar mit einem Rückstand von 58,1 Sekunden einen respektablen zwölften Rang, konnte aber in der Sprintwertung nicht entscheidend punkten. Sebastian Samuelsson liegt nun mit 45 Punkten Vorsprung an der Spitze vor Perrot und es wird auf den letzten Sprint beim Saisonfinale in Oslo ankommen.
Sechs Deutsche in der Verfolgung
Alle sechs Deutschen haben sich für die Verfolgung qualifiziert. Philipp Nawrath hat mit 17,8 Sekunden Rückstand als Drittplatzierter die beste Ausgangsposition. Die fünf anderen müssen auf die Fehler der Führenden in der Verfolgung hoffen und selbst gut durchkommen, wenn sie entscheidend punkten wollen. Die Rückstände aus dem Sprint sind zu groß, als dass man von einer aussichtsreichen Ausgangsposition ausgehen könnte. Philipp Horn kam nach insgesamt drei Strafrunden (1:2) mit einem Rückstand von 1:37 Minuten auf dem 26. Platz ins Ziel. Dass es während des ganzen Wettkampfs regnete, hat ihn, wie er nach dem Rennen in der ARD angab, nicht beeinträchtigt. „Mich ärgert meine Leistung, zwei Fehler stehend ist nicht das was ich kann. Ich hab gestern schon mit mir gehadert. Ich versuch alles ganz genau zu machen, mich auf die Technik zu konzentrieren,“ so ein enttäuschter und deprimierter Philipp Horn in der ARD.
Leonhard Pfund begann mit zwei Fehlern im Liegen, kam stehend mit der Null durch und ins Ziel mit 1:45 Minuten Rückstand als 34. Hinter Nawrath und Horn war Pfund innerhalb der Deutschen mit der drittbesten Laufzeit im Rennen. Justus Strelow (0:1) belegte Rang 41. „Ich bin froh, dass ich solide durchgekommen bin durchs Rennen, mit der Vorgeschichte (Anm.: Strelow musste nach einem Fingerbruch bei einem Trainingssturz schon in Kontiolahti passen). Mit einem Fehler bei einem total guten Schießen im ganzen Feld – da geht es gleich weit nach hinten.“ Lucas Fratzscher kassierte bei jeder Schießeinlage eine Extrarunde und mit 2.08 Minuten Rückstand wurde er 49. „Die letzte Runde war ich ganz schön kaputt,“ so Lucas Fratzscher, der allerdings auch angab, dass die Bedingungen ziemlich fair waren. „Die haben ganz gut Salz drauf gekippt und das hat ganz gut gehalten.“ Als letzter hat David Zobel als Sechzigster von 106 Athleten die Verfolgung erreicht. Obwohl er nur liegend eine Scheibe verfehlte und im Stehen eine saubere Fünferserie schoss, kassierte er insbesondere auf der Schlussrunde einen herben Rückstand.
