Langlauf Weltcup News

Langlauf Weltcup: FIS gibt Lockerung für russische und belarussische Athleten bekannt

Nach einer Tagung des FIS Councils in Thun gibt die FIS Lockerungen für die Teilnahme russischer und belarussischer Athleten und Betreuer bekannt. In Russland reagierte man aber zurückhaltend auf die neuen Regeln.

Neutralitätserklärung gefordert

Nach das IOC im Sommer beide Nationen wieder für startberechtigt erklärt hatte, zog nun die FIS nach und beschloss Lockerungen. Die Einzelfallprüfung durch ein Gremium entfällt künftig, aber gefordert ist eine Neutralitätserklärung, die unterschrieben werden muss und die die bisher schon geltenden Punkte enthält. Für Bolshunov & Co. ist also weiterhin kein internationaler Start zu erwarten, weil sie nicht als neutral eingestuft wurden. „Die Grundsätze und Kriterien zur Definition der Neutralität werden von der FIS im Antrags- und Zulassungsformular für den Status als einzelner neutraler Athlet sowie in den aktualisierten Richtlinien für einzelne neutrale Athleten formalisiert. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass Personen, denen der AIN-Status zuvor verweigert wurde, einer Zulassungsprüfung durch eine unabhängige externe Organisation unterzogen werden“, teilte der FIS-Pressedienst auf Anfrage von Match TV mit. Als neutral eingestuft wurden im letzten Winter nur Savelii Korostelev und Dariya Nepryaeva, die unter neutralem Status im Weltcup und bei den Olympischen Spielen starten durften. Dadurch kamen sie sich näher und gehen nun als Paar durchs Leben, wie sie nach der Saison bekannt gaben.

Scheinlockerung aus russischer Sicht

Russlands Sportminister Mikhail Degtyarev äußerte sich nach außen hin euphorisch über eine russische Rückkehr in den internationalen Sport. „Der erste Schritt für eine Rückkehr ist nun gemacht. Wir werden unter neutralem Status antreten. Noch ist es neutral, aber es ist ein großer Schritt vorwärts“, sagte er. Bolshunovs Trainer Yuri Borodavko sieht die Neuigkeiten realistischer. Er betonte, dass es zwar eine positive Nachricht sei, aber völlig unklar bleibe, ob die Zulassung auch für die prominentesten Stars wie Bolshunov, Chervotkin, Spitsov oder Stepanova gelten wird oder ob die FIS diese aufgrund der Vergangenheit dennoch ausschließt. „Es ist noch vieles unklar. Ich denke, wir müssen auf die finalen Informationen warten, wie das zu verstehen ist“, sagte er. Zudem drohen bei Verstößen gegen die unterzeichneten Prinzipien harte Sanktionen. Bolshunov hält den Rang eines Kapitäns in der Nationalgarde (Rosgwardija). Die FIS-Richtlinien in Anlehnung an das IOC schließen Sportler mit direkten Verbindungen zum Militär oder zu Sicherheitsorganen strikt aus. Bolshunov und andere Stars traten in der Vergangenheit bei staatlichen Großkundgebungen wie im Lushniki-Stadion auf. Das Ausfüllen der Erklärung wäre für sie eine Farce, da sie nachweislich gegen das Gebot der politischen Neutralität verstoßen haben. Würde Bolshunov die Erklärung dennoch unterschreiben und damit versichern, den Krieg nicht zu unterstützen, stünde er in Russland sofort im Visier der dortigen Gesetze gegen die „Diskreditierung der Armee“. Zusammenfassend ist die Tür für russische Langläufer zwar weit geöffnet worden, doch für Athleten mit einer nachgewiesenen Nähe zum Militär oder zu Propaganda-Auftritten bleibt der Start verwehrt. Zudem müssen die Sportler überhaupt erst Visa für die europäischen Weltcup-Orte erhalten, was nach den gestern von Friedrich Merz verkündeten neuen Sanktionen gegen Russland wegen der Drohnenangriffe noch schwieriger werden dürfte.