Ilkka Herola (FIN) hat seinen zweiten Sieg in der Nordischen Kombination gefeiert und den ersten Wettkampf der Kombinierer auf einer Skiflugschanze gewonnen. Am Kulm (AUT) setzte sich der Finne im Zielsprint gegen Johannes Lamparter (AUT) durch. Johannes Rydzek (GER) wurde Dritter.
Premiere auf der Flugschanze
Die Premiere des Skifliegens in der Nordischen Kombination war ein voller Erfolg. Zahlreiche Flüge weit über die magischen 200 Meter, reihenweise persönliche Bestleistungen, rundum Gesichter, die mit der Sonne um die Wette strahlten, sowie ein spannendes Langlaufrennen markierten einen weiteren Meilenstein in der Nordischen Kombination. Erstmals durften die Kombinierer in einem Weltcup von einer Flugschanze starten. Bisher hatten zwar vereinzelt einige Kombinierer bereits die Möglichkeit gehabt, im Rahmen von Spezialflugweltcups als Vorspringer aufzutreten. Einen Wettkampf auf diesem Niveau gab es allerdings bisher nicht. Nach dem gelungenen Auftakt darf aber davon ausgegangen werden, dass sich das Format in Zukunft etablieren wird.
Lamparter mit Rekord und Ausrutscher
Den Zwischensieg auf der Flugschanze sicherte sich Weltcup-Spitzenreiter Johannes Lamparter. Der Österreicher erwies sich als einer der stärksten Flieger des Feldes. Bereits bei seinem allerersten Flug im Training am Donnerstag war der 24-Jährige auf sagenhafte 232 Meter gesegelt. Im Wettkampf setzte er sogar noch eins drauf. 236,5 Meter bedeuteten klar die größte Weite und neuen offiziellen Rekord in der Nordischen Kombination. Lamparter übernahm damit auch die zwischenzeitliche Führung. Und das, obwohl der Flug sogar als gestürzt gewertet und dementsprechend mit Punktabzug bestraft wurde, da Lamparter bei der Landung mit den Händen in den Schnee gegriffen hatte. „Es gab so viel Adrenalin. Ich wusste schon vom Tisch aus, dass es ein perfekter Sprung war. Leider waren meine Hände bei der Landung halb auf dem Schnee. Es wäre großartig gewesen, diesen Sprung zu stehen, aber der Druck beim Landen war einfach zu groß,“ berichtete Lamparter. „Ich muss einige Skispringer fragen, wie man wirklich, wirklich weit springt und trotzdem landet. Aber alles in allem war es eine wirklich schöne Premiere für uns Nordischen Kombinierer und gut für unseren Sport.“
Lamparter führt nach dem Fliegen
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Lamparter profitierte andererseits von den Kompensationspunkten für den vergleichsweise starken Rückenwind, der bei den letzten Springern herrschte. Er bekam 10,8 Punkte gutgeschrieben. Zum Vergleich dazu bekam Marco Heinis (FRA), der mit Startnummer fünf in den Wettkampf gegangen war, für leichten Aufwind 1,6 Punkte abgezogen. Dieser trug den Franzosen auf 233 Meter – Platz zwei nach dem Springen und zudem französischer Rekord, denn auch kein französischer Spezialspringer war bisher jemals weiter geflogen. „Es war ein super Sprung, ein französischer Rekord, also war ich darüber super glücklich“, sagte die 22-Jährige. Auf Rang drei flog Ilkka Herola. Der Finne kam trotz des stärksten Rückenwindes des Feldes auf 213 Meter und brachte sich damit in eine hervorragende Ausgangsposition für den Lauf am Nachmittag.
DSV-Adler ebenfalls stark unterwegs
Der beste Flieger aus dem deutschen Team war am Freitag David Mach. 220,5 Meter bei etwas besseren Windverhältnissen brachten ihn auf Rang vier. Fünfter wurde Einar Luraas Oftebro (NOR) vor den beiden Oberstdorfern Wendelin Thannheimer (214,5 m) und Johannes Rydzek (212,5 m), der sich über eine persönliche Bestleistung freuen konnte. Ryota Yamamoto (JPN) wurde mit 218,5 Metern punktgleich mit Rydzek Siebter. Der neunte Platz wurde ebenfalls geteilt von Thomas Rettenegger (AUT, 203 m) und Andreas Skoglund (NOR). Der Dominator der olympischen Spiele, Jens Luraas Oftebro (NOR), sprang auf Zwischenrang zwölf (203,5 m) vor Simon Mach (GER, 204 m). Die weiteren deutschen und österreichischen Flieger taten sich im Wettkampf etwas schwerer. Die Platzierungen im Überblick: 15. Franz-Josef Rehrl (AUT, 192,5 m), 17. Paul Walcher (AUT, 200 m), 18. Julian Schmid (GER, 196,5 m), 21. Stefan Rettenegger (AUT, 187,5 m), 22. Vinzenz Geiger (GER, 195 m), 23. Florian Kolb (AUT, 196,5 m), 28. Richard Stenzel (GER, 186,5 m), 29. Martin Fritz (AUT, 180,5 m). Für den Wettbewerb qualifiziert waren die Top 40 der Best-Jumper-Wertung, von denen jedoch insgesamt zehn nicht antraten, so dass 30 Athleten am Wettkampf teilnahmen.
Zweikampf zwischen Lamparter und Herola
Da der Lauf als Compact-Race durchgeführt wurde, bei dem in festen Zeitabständen gestartet wird, gingen alle 30 innerhalb von 1:15 Minuten ins Rennen. Spannung war also garantiert. Herola, der nur zwölf Sekunden hinter Lamparter gestartet war, schloss schnell zum Österreicher auf und übernahm in der dritten von sechs Runden à 1,25 Kilometer erstmals die Führung. Zwar attackierte Lamparter in der letzten Runde und übernahm wieder die Spitze des Rennens. Doch Herola ließ sich nicht abschütteln. Bei der Einfahrt in den Zielbereich im Schanzenauslauf lag er noch rund drei Meter zurück und musste zudem die Außenbahn der Zielkurve nehmen. Doch auf der Zielgeraden zog Herola mit Lamparter gleich und schlug ihn schließlich im Zielsprint um eine Zehntelsekunde. „Es ist ein besonderer Ort, um zu gewinnen. Es ist irgendwie unglaublich. Wer vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages nach unserem Sprung auf der Flugschanze gewinnen würde, hätte ich es nicht geglaubt,“ staunte Herola nach seinem erst zweiten Weltcupsieg.
Rydzek kämpft sich aufs Podium
Sechzehn Sekunden hinter den beiden Erstplatzierten lieferten sich Johannes Rydzek und Einar Luraas Oftebro einen ebenso engen Kampf um Platz drei, den der Deutsche ebenfalls mit einem Zehntel Vorsprung für sich entschied. Jens Oftebro wurde Fünfter vor Eero Hirvonen (FIN), der die schnellste Laufzeit (14:54.8 min für 7.5 km) erzielte und sich von Rang 19 kommend um 13 Plätze verbesserte. Andreas Skoglund (NOR), Thannheimer, Schmid und Greiderer komplettierten die Top Ten. „Es ist wirklich unglaublich schön. Nicht nur, weil es bei meinen Olympischen Spielen vielleicht nicht ganz so aufgegangen ist, sondern auch, weil ich in meinem doch schon fortgeschrittenen Athletenalter beim Skifliegen noch einmal voll mit den Jungen mithalten konnte. Ich bin richtig ins Fliegen gekommen, habe eine persönliche Bestleistung aufgestellt und konnte anschließend auch in der Loipe zeigen, was in mir steckt. Diesen Moment bei der Premiere zu genießen, bedeutet mir enorm viel. Ich bin sehr dankbar – es war eine unglaublich schöne und emotionale Siegerehrung,“ bilanzierte der strahlende Rydzek.
Greiderer mit Karriereende
Den letzten Wettkampf seiner aktiven Karriere bestritt Lukas Greiderer. Der 32-jährige Österreicher beendete mit dem historischen ersten Fliegen am Kulm seine Laufbahn. 210 Meter im Wettkampf brachten ihm den zwischenzeitlichen elften Rang ein. Im Lauf konnte er einen Platz gutmachen und wurde schlussendlich Zehnter.Sein Landsmann Mario Seidl, der seine Karriere bereits Anfang Februar in Seefeld beendet hatte, wäre für das Fliegen am Kulm qualifiziert gewesen, entschied sich aber, nicht im Wettkampf zu starten. Stattdessen trat Seidl noch einmal als Vorspringer an und bekam somit ebenfalls einen schönen Flug zum Abschluss.
Zwischenstand FlugEndergebnisCompact-Wertung (Endstand)Gesamtstand
Johannes Lamparter hat nach dem letzten Compact-Wettbewerbs der Saison nun exakt 100 Punkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, Jens Oftebro. Damit sichert sich Lamparter die kleine Kristallkugel. Im Gesamtweltcup liegt er nun 173 Punkte vor Oftebro. Damit ist, bei zwei noch verbleibenden Einzelwettkämpfen, der Kampf rechnerisch noch offen.
Stimmen zum Wettkampf
Ilkka Herola (FIN)
„Natürlich war dies in vielerlei Hinsicht ein besonderer Tag, und es ist einfach unglaublich, hier zu gewinnen, aber alles hat für mich perfekt funktioniert. Ich hatte einen guten Sprung, und dann ist es in diesem Compact-Rennen natürlich immer ein enges Rennen, und überraschenderweise war ich am Ende der Schnellste.“
Johannes Lamparter (AUT)
„Es gibt definitiv mehr Freude als je zuvor, aber mein Körpergefühl ist im Moment nicht wirklich gut nach all diesen Tagen. Es gab so viele Zeremonien und viele Ereignisse in den letzten Tagen. Mein Körper hat mir nicht viel Energie gegeben, aber ich habe trotzdem geschafft, um das Podium zu kämpfen. Ilkka war in den letzten Metern etwas schneller als ich, aber beim allerersten Skiflug Nordische Kombination hatte ich hier eine wirklich gute Zeit. Es ist wirklich gut für den Sport, den ich am meisten liebe.“
Johannes Rydzek (GER)
„Ich bin wirklich, wirklich glücklich. Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat. Gestern hatte ich ein bisschen zu kämpfen, weil ich den Hügel nicht gespürt habe, also habe ich gemerkt, dass ich nicht in der richtigen Flugposition war. Heute habe ich mein Herz in die Hand genommen – das ist ein deutsches Sprichwort – aber ich war so überzeugt, dass ich es heute schaffen würde, dass es im Wettkampf geklappt hat. Der Flug über 210 Meter war schon mein Highlight des Tages. Ich wusste, dass der Kurs nicht der schwierigste ist, aber er ist wirklich knifflig mit den Kurven und den Unebenheiten. Meine Taktik war zu sehen, ob ich vielleicht die Spitze erwischen kann, aber die Gruppe hat nicht so gut funktioniert. Dann dachte ich, okay, ein bisschen Erholung und dann alles für den Schlusssprint. Dann hatte ich natürlich ein bisschen Glück, dass ich durch alle Kurven durchrutschen konnte. Ich bin glücklich, einen sehr starken Einar im Ziel geschlagen zu haben und gratuliere ihm zu einem fairen Kampf. Er hat mir gratuliert und darum geht es beim Sportsgeist. Danke dafür.“
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