Über ein Jahr hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) sich Zeit gelassen mit der Entscheidung über die olympische Zukunft der Nordischen Kombination. Es ging um nichts weniger als die Frage, ob die Traditionssportart weiterhin Teil der Olympischen Spiele sein würde. Jetzt gab es die Antwort: Nein.
Alpes 2030 ohne Nordische Kombination
Wie das IOC am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung bekanntgab, finden die Spiele von Alpes 2030 in Frankreich ohne die Nordische Kombination statt. „Removal of Nordic Combined (discipline)“ heißt es dort kurz und knapp. Knackpunkt dabei: Die Aufnahme der Nordischen Kombiniererinnen. Denn bislang ist die Nordische Kombination die einzige Disziplin, die bei den Olympischen Spielen nur mit den Männern vertreten ist. Ein erster Antrag im Jahr 2022 scheiterte an den vermeintlich zu geringen Teilnehmerzahlen sowie der fehlenden Bandbreite der Gewinnerinnen und Podiumskandidatinnen. Da das IOC sich jedoch auf die Fahnen geschrieben hatte, 2030 endgültig geschlechterparitätische Spiele abzuhalten, war die logische Konsequenz, die Frauen ebenfalls mit an Bord zu nehmen – oder aber die Nordische Kombination als Ganzes vor die Tür zu setzen.
Entscheidend ist am Ende das Geld
Am Ende ging es aber gar nicht mehr um die Frage der Gleichberechtigung. Nachdem die bereits für September 2025 erwartete Entscheidung auf nach den Spielen von Milano-Cortina 2026 verschoben worden war, um dort Zuschauerzuspruch und Einschaltquoten zu analysieren, ist nun klar: die Nordische Kombination bringt anscheinend nicht genug Geld. Jedenfalls lautete die Begründung des IOC: Bei der „globalen Beliebtheitsstudie“, die während der Spiele von Milano-Cortina durchgeführt worden war und „14 Beliebtheitsindikatoren in den Bereichen Fernsehübertragung, digitale Medien, öffentliches Interesse, Ticketverkauf und Presse und bezog bis zu 50+ Märkte pro Indikator“ mit einbezog, „rangier[t]e die Nordische Kombination bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014, PyeongChang 2018, Peking 2022 und Milano-Cortina 2026 am niedrigsten unter allen Disziplinen. … Bei den letzten Olympischen Winterspielen war sie bei 11 der 14 bewerteten Popularitätsindikatoren die niedrigstplatzierte Disziplin.“
„Fehlende Universalität“
Außerdem stehe „die Disziplin weiterhin vor Herausforderungen hinsichtlich Universalität und Teilnahme an den Olympischen Spielen. In den letzten vier Ausgaben der Olympischen Winterspiele gewannen nur fünf Nationale Olympische Komitees (NOKs) Medaillen in der Nordischen Kombination“, so die weitere Mitteilung im Wortlaut. Was wiederum nicht verwunderlich ist, da man bisher ja nur den Männern die Chance gegeben hatte, um olympische Medaillen zu kämpfen. Vollkommen unberücksichtigt bleibt in der Analyse des IOC jedoch die Entwicklung insbesondere der Nordischen Kombination der Frauen. Schaut man sich die Weltcup- und WM-Ergebnisse der letzten beiden Saisons an, findet man nicht weniger als acht verschiedene Weltcupsiegerinnen und Weltmeisterinnen aus fünf verschiedenen Ländern und drei verschiedenen Kontinenten – und das gerade einmal fünf Jahre, nachdem der erste Weltcup der Frauen überhaupt stattfand.
Neue Chance 2034?
Die heutige Entscheidung des IOC gilt zunächst nur für die Spiele von 2030. Immerhin: Die „Nordische Kombination wird im Programm der Dolomiti Valtellina 2028 Winter Youth Olympic Games bleiben und kann über den Kandidatendisziplin-Weg im Rahmen des Bewertungsprozesses, der innerhalb des Fit for the Future-Strategierahmens etabliert wurde, auch für die zukünftige Aufnahme bei den Utah 2034 Olympic Winter Games berücksichtigt werden. Athleten der Nordischen Kombination und Olympioniken werden weiterhin Zugang zu allen Programmen haben, die für Athleten und Olympioniken über Athlete365 verfügbar sind. Grundsätzlich wurde allen Internationalen Verbänden auch Feedback zu den 14 Beliebtheitsindikatoren gegeben, damit sie eng mit dem IOC zusammenarbeiten können, um sich für die nächsten Spielen weiter zu verbessern, insbesondere bei den Disziplinen und Wettbewerben, die niedriger eingestuft sind“, heißt es in der Pressemitteilung. Was diese Entscheidung für die Zukunft der ganzen Disziplin und kurzfristig für Athleten und Teams bedeuten wird, wird sich zeigen.
