Legenden verabschieden sich und Lotte Lie und Eric Perrot gewinnen beim City Biathlon in Dresden

Tarjei Boe (NOR), Johannes Thingnes Boe (NOR), Benedikt Doll (GER), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Die Belgierin Lotte Lie und der Franzose Eric Perrot sind die Sieger der zweiten Ausgabe des City Biathlons in Dresden. In einem stark besetzten internationalen Feld entscheiden sich die beiden Massenstarts vor einer grandiosen Zuschauerkulisse erst auf der letzten Runde. Vanessa Voigt und Justus Strelow laufen auf Rang vier. Boe-Brüder und Benedikt Doll verabschieden sich vor begeisterten Fans. 

Lotte Lie gewinnt Zielsprint

Karoline Offigstad Knotten (NOR), Milena Todorova (BUL), Lotte Lie (BEL), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Im Vergleich zur verregneten Premiere des City Biathlon im letzten Jahr boten sich den Athleten in diesem Jahr in Dresden beste Bedingungen. Schwierig auf der 2,3-km-Strecke war allerdings der ständig wechselnde Untergrund. Einige Stellen wurden extra neu geteert, manche mit Kunststoffplatten belegt, aber gerade auf die mit Farbe gekennzeichneten Kanaldeckel musste besonders Acht gegeben werden. Oceane Michelon, die Siegerin des Qualifikationsrennen, stürzte gleich in der ersten Runde und konnte nicht an ihren Quali-Erfolg anknüpfen. Nach einem großartigen Schlusssprint siegte Lotte Lie aus Belgien vor Karoline Offigstad Knotten und Milena Todorova aus Bulgarien.     

Vanessa Voigt zeigt starke Schießleistung

Vanessa Voigt (GER) © Authamayou/NordicFocus

Nur Vanessa Voigt gelang es alle zwanzig Schüsse ins Ziel zu bringen. Am Ende reichte es für sie mit knappem Rückstand von nur 3,9 Sekunden auf das Podest zu einem starken vierten Platz. „Ich glaube ich kann so ein bisschen sagen, ich bin wieder zurück,“ meinte Voigt nach dem Rennen im ZDF. Voigt hatte nach anhaltenden gesundheitlichen Problemen die vergangene Saison im Januar beendet und seitdem keine Rennen mehr bestritten. „Ich bin zufrieden mit den Trainingsfortschritten, aber noch lange nicht da, wo ich im Winter sein möchte.“ Die zweite deutsche Starterin Julia Tannheimer landete nach fünf Schießfehlern mit einem Rückstand von 21,7 Sekunden auf Platz sieben. „Ich hatte bis vor einer Woche eine ziemlich schwierige Zeit beim Schießen, deshalb ist es ein solides Ergebnis für mich, aber bis zum Winter muss es noch besser werden,“ so Julia Tannheimer nach dem Rennen und konkretisierte die schwierige Zeit so: „Liegend habe ich mich ziemlich unwohl gefühlt im Anschlag, keiner wusste genau warum, ich habe daher in der Vorbereitung viel verändern müssen.“     

Lotte Lie setzt sich durch

Karoline Offigstad Knotten (NOR), Lotte Lie (BEL), Milena Todorova (BUL), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Nach dem ersten Schießen war die Penalty-Box gut frequentiert, Vanessa Voigt sowie die Bulgarin Todorova räumten schnell und fehlerfrei ihre fünf Scheiben ab und übernahmen die Führung, gefolgt von der Ukrainerin Yuliia Dzhima, die auch all ihre Schüsse ins Ziel brachte. Voigt und Todorova räumten auch im zweiten Liegendanschlag ab und behaupteten die Spitzenposition, dicht gefolgt von Lotte Lie, Lou Jeanmonnot und Marketa Davidova. Im dritten Schießen standen Todorova und Voigt als Erste bereit, Todorova verfehlte drei Scheiben, Voigt räumte ab und mit 8,7 Sekunden Vorsprung vor der Belgierin Lotte Lie ging sie in die nächste Runde. Jeanmonnot folgte aus der Penalty-Box 21,4 Sekunden nach Voigt. Beim entscheidenden Schießen stand Voigt bereit, räumte ab und nur 5,9 Sekunden hinter ihr bog Lotte Lie in die Schlussrunde ein. Karoline Offigstad Knotten lag bei Schießstandausgang mit einem Rückstand von 15,1 Sekunden an dritter Position, und nur 3,7 Sekunden hinter ihr folgte die Bulgarin Todorova. Voigt konnte auf der letzten Runde dem Angriff ihrer Verfolgerinnen nicht standhalten und neben Lie zogen auch Todorova und Knotten an Voigt vorbei. In einem spannenden Dreikampf Richtung Ziellinie setzte sich Lotte Lie aus Belgien (2 Fehler) knapp vor der Norwegerin Karoline Offigstad Knotten (3 Fehler) und Milena Todorova (3 Fehler, + 1,1 Sekunden) durch. 

Ergebnislisten werden nach Vorliegen nachgereicht

„Man darf sich nicht zu früh freuen“

Quentin Fillon Maillet (FRA), Eric Perrot (FRA), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Im Finale der Herren holte sich der Franzose Eric Perrot den Sieg vor seinem Teamkollegen Quentin Fillon Maillet. Beide hatten insgesamt drei Scheiben verfehlt. Fillon Maillet fühlte sich eingangs der Zielgeraden bereits als Sieger, als sich Eric Perrot mit kräftigem Antritt vorbeischob und 0,2 Sekunden vor ihm die Ziellinie überquerte. Im Ziel war Fillon Maillet die Missstimmung über die Aktion von Perrot deutlich anzusehen und es fielen offensichtlich deutliche Worte. Jakov Fak sicherte sich nach seinem Sieg im letzten Jahr den dritten Rang (+ 32,8 Sek./4 Fehler). Justus Strelow der das Szenario der beiden Franzosen nicht verfolgen konnte meinte dazu knapp im ZDF: „Man darf sich nicht zu früh freuen.“ 

Eric Perrot zieht Fillon Maillet ab

Quentin Fillon Maillet (FRA), Eric Perrot (FRA), Jakov Fak (SLO), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Zum ersten Schießen reihten sich die zehn Herren nacheinander auf, der Belgier Thierry Langer auf der ersten Bahn und hinter ihm der Sieger der Quali, Eric Perrot aus Frankreich. Eric Perrot und Justus Strelow durften ohne Zwischenaufenthalt zurück auf die Strecke, auch der Franzose Fillon Maillet blieb fehlerfrei und folgte den beiden nur 6,2 Sekunden später. Wie bei den Damen zuvor herrschte in der Penalty-Box Hochbetrieb und Perrot, Strelow und Fillon Maillet hielten sich mit guten Vorsprung an der Spitze. Beim zweiten Liegendanschlag setzte Strelow den ersten Schuss, traf und auch die weiteren Scheiben fielen. Perrot räumte ebenfalls ab, kam nur 3,4 Sekunden nach Strelow in die nächste Runde und Fillon Maillet lag nun auf der dritten Position mit 18,8 Sekunden bereits deutlich zurück. Beim ersten von drei Stehendanschlägen positionierte sich Strelow auf Bahn eins, neben ihm Perrot. Beide verfehlten zwei Scheiben, aber ihre nächsten Verfolger konnten diese Chance nicht nützen. Perrot und Strelow blieben an der Spitze, Fillon Maillet und der Österreicher Felix Leitner (AUT) folgten vor Jakov Fak, Vitalii Mandzyn (UKR), Michal Krcmar, Thierry Langer, Philipp Nawrath und zum Schluss mit fünf Treffern Philipp Horn. Mit Strelow, Fillon Maillet und Perrot kam das bekannte Dreiergespann zum vierten Schießen. Fillon Maillet ging als Führender weg, bei Perrot fiel die letzte Scheibe nicht, er behauptete sich dennoch an der zweiten Position, da Strelow mehr Zeit in den fünften Treffer investierte. Sein Rückstand betrug nur 6,1 Sekunden. Auf der Strecke kämpfte sich Strelow mit starken Schüben an die beiden Franzosen heran und auch zum entscheidenden Schießen kam dasselbe Dreiergespann. Die beiden Franzosen räumten ab, Fillon Maillet bog 2,4 Sekunden vor seinem Teamkollegen Eric Perrot in die Schlussrunde ein während Justus Strelow nach drei Fehlern 30 Sekunden in der Strafbox warten musste. Jakov Fak und Felix Leitner trafen in dieser Zeit ihre Scheiben und zogen an Strelow vorbei. Strelow war nach dem Rennen ebenfalls etwas missgestimmt, nachdem er auf der vorletzten Runde eine sehr enge Situation zu bewältigen hatte, als er beinahe auf ein vor ihm fahrendes Motorrad aufgefahren wäre. „Ich habe es nicht mehr hinbekommen mich zum letzten Schießen zu fokussieren. Vielleicht bin ich jetzt besser gerüstet, wenn wieder etwas gefährliches passiert.“ Auf der Schlussrunde schob sich Strelow noch an Leitner vorbei und sicherte sich wie Vanessa Voigt, den vierten Platz. Die weiteren deutschen Starter Philipp Horn (7 Fehler) und Philipp Nawrath (8 Fehler) kamen auf Rang 9 und 10 ins Ziel.    

Legenden begeistern Publikum

Tarjei Boe (NOR), Johannes Thingnes Boe (NOR), Benedikt Doll (GER), (l-r) © Authamayou/NordicFocus

Beim Legendenrennen machten Johannes Thingnes Boe, Tarjei Boe und Benedikt Doll gemeinsame Sache. Johannes Thingnes Boe brachte zwar alle seine Schüsse ins Ziel, obwohl er seit März kein Gewehr mehr in der Hand hielt, aber am Ende war es den Dreien egal, wer die Ziellinie als Erster überquert. Alle drei wurden vom Publikum gefeiert und mit Standing Ovations endgültig von der Biathlon-Bühne verabschiedet. 

Die bisherigen Sieger des City Biathlons

Wiesbaden
2018: Marte Olsbu Roeiseland / Johannes Thingnes Boe
2019: Lisa Vittozzi / Tarjei Boe
2020: Julia Simon / Quentin Fillon Maillet
2021: Dorothea Wierer / Johannes Thingnes Boe
2022: Pause
2023: Lisa Vittozzi / Sturla Holm Laegreid

Dresden
2024: Lisa Vittozzi / Jakov Fak
2025: Lotte Lie / Eric Perrot

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