Interview mit Evi Sachenbacher-Stehle: „Wenn man etwas macht, dann richtig!“

Evi Sachenbacher-Stehle bei "Ewige Helden" © Markus Wasmeier

In der zweiten Staffel der VOX TV-Serie „Ewige Helden“ hatte sie sich mit ihren Leistungen die Bewunderung ihrer Konkurrenten gesichert. Ihre Lebensgeschichte sorgte dagegen für einen sehr emotionalen Moment. Im Interview mit xc-ski.de spricht Evi Sachenbacher-Stehle über ihre Zeit bei den Dreharbeiten und die Verarbeitung des Doping-Falls von Sochi. 

Evi, Glückwunsch zu Platz zwei bei den „Ewigen Helden“! Was bedeutet dir dieser Erfolg in diesem ganz besonderen Wettstreit mit den sieben anderen erfolgreichen Ex-Sportlern?

Ich muss ehrlich sagen, dass mir am Ende gar nicht mehr wichtig war wo ich im Endeffekt lande. Es war so eine tolle Zeit, ich durfte so nette Leute kennenlernen und wir hatten unglaublich viel Spaß. Es war schön, mal wieder die eigenen Grenzen auszutesten und sich mit anderen zu messen, aber im Vordergrund stand dann doch der Spaß. Was mich aber sehr gefreut hat war, dass ich die Jungs ab und zu mal ärgern konnte ;-).

Evi Sachenbacher-Stehle bei "Ewige Helden" © Markus Wasmeier

Wie hast du die gemeinsame Zeit mit deinen Konkurrenten erlebt? Sind da sportartübergreifend neue Freundschaften entstanden?

Auf jeden Fall. Ich hätte mir die ganze Truppe nicht besser aussuchen können. So unterschiedlich wir alle sind, umso besser haben wir uns verstanden. Wann hat man schon mal die Möglichkeit mehrere Wochen in einer Traumvilla mit Olympiasiegern und Weltmeistern zu leben und diese besser kennenzulernen. Diese Zeit war unvergesslich und ich bin sehr dankbar dass ich dabei sein durfte. Wir haben alle noch Kontakt und treffen uns auch ab und zu mal.
In den einzelnen Folgen hat man immer wieder Ausschnitte deiner Vorbereitung gesehen. Dein Mann Johannes hat dir bestimmte Geräte nachgebaut und du scheinst dich gezielt vorbereitet zu haben. Heißt also: Einmal ehrgeiziger Wettkampfsportler, immer Wettkampfsportler?

Ja, ich glaube da ticken alle Sportler gleich. Wenn man etwas macht, dann richtig. Ich hatte das Glück dass wir grad mitten in der Renovierung waren  und somit sämtliche Materialien um etwas zusammen zu basteln da hatten. Und natürlich habe ich einen tollen Mann der mir das alles zusammen „gezimmert“ hat.

Evi Sachenbacher-Stehle bei "Ewige Helden" © Markus Wasmeier

Neben Zehnkampf und Stabhochsprung scheinen nach zwei Staffeln „Ewige Helden“ Skilanglauf und Biathlon wirklich die Sportarten zu sein, bei denen man sich das breiteste Spektrum an sportlichen Fähigkeiten aneignet. Ist das genau das, was dich an diesen Sportarten auch immer gereizt hat?

Mich hat am Skilanglauf und am Biathlon immer die Bewegung in der Natur gereizt und es hat mir einfach Spaß gemacht. Anscheinend wird man dadurch auch sehr vielseitig, was ja auch nie ein Nachteil ist.
Neben den sportlichen Wettbewerben war auch die Vergangenheit der Teilnehmer ein wichtiger Teil von „Ewige Helden“. Wie wichtig war es für dich persönlich, deine Karriere mit allen Höhen, aber insbesondere auch den Tiefen Schutzsperre und positiver Dopingtest noch einmal aus deiner Sicht einem großen Publikum zu schildern?

Das war für mich sehr wichtig. Jeder hat die Schlagzeilen mitbekommen, aber das was wirklich passiert ist die wenigsten. Für mich war es eine einmalige Möglichkeit meine ganze Karriere mal von Anfang an erzählen zu können, speziell auch die Tiefpunkte. Davor hatte ich allerdings auch große Angst, da diese Zeit sehr schwer für mich war und ich lange gebraucht habe das zu verarbeiten.
Konntest du inzwischen mit den Vorfällen in Sochi abschließen oder beschäftigt dich dieses Thema noch regelmäßig?

Im Großen und Ganzen konnte ich damit abschließen. Natürlich gibt es Momente in denen alles wieder hochkommt, aber die sind sehr selten geworden. Mittlerweile kann ich gut damit umgehen und ich habe eine tolle Familie, die immer für mich da ist und ohne der ich das alles sicher nicht so geschafft hätte. Was mir in der ganzen Zeit und jetzt mit den „Ewigen Helden“ auch sehr geholfen hat sind die vielen positiven Reaktionen.
In Vorbereitung auf dieses Interview habe ich mir deinen Lauf als Schlussläufern der deutschen Staffel zu Olympia-Gold in Salt Lake City 2002 noch einmal angeschaut. Ganz ehrlich, ich bekomme heute noch Gänsehaut bei den Bildern und dem Kommentar von Hans Reinhard Scheu. Geht es dir da ähnlich?

Ja total. Ich habe diese Szene ja auch erst kürzlich bei den „Ewigen Helden“ in meinem Karriererückblick wieder gesehen. Das war schon ein ganz besonderes Rennen mit einer tollen Mannschaft, in dem wir alle über uns hinaus gewachsen sind. Da sieht man mal wieder was so eine Gruppendynamik ausmacht und was man alles schaffen kann wenn man nur an sich glaubt und Spaß an dem hat was man tut.
Was muss sich im deutschen Langlauf ändern, dass mal wieder Fußballübertragungen abgesagt werden, um das Olympia-Staffelrennen in voller Länge zeigen zu können, bei dem ein deutsches Team um die Goldmedaille mitläuft?

In erster Linie werden dafür natürlich Talente gebraucht und die letzte Saison hat gezeigt dass vor allem bei den Damen da schon junge Athleten mit Potential nachkommen. Jetzt kommt es halt drauf an dass die Trainer alles richtig machen 😉 und ein Quäntchen Glück gehört natürlich auch immer dazu.
Du selbst bist dem Langlauf treu geblieben und betreust Nachwuchssportler im Allgäu. Zudem soll es bald Biathlon- und Langlauf-Camps für Jedermann mit dir geben. Ist das eine wichtige Aufgabe der du dich stellst, nämlich die Freude an diesen beiden wunderbaren Sportarten weiterzugeben?

Langlauf und Biathlon waren immer mein Leben und sind natürlich auch jetzt, wo die Familie das Wichtigste ist, ein Teil in meinem Leben. Es ist immer wieder schön die leuchtenden Augen zu sehen wenn man jemandem den Spaß an den beiden Sportarten vermitteln kann.
Danke dir für das Interview und viel Erfolg weiterhin bei deinen Projekten!  

Danke auch :-)!

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