Klæbo, Johannes Høsflot (NOR) – Portrait

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) gewinnt 2018 kleine und große Kristallkugel © Modica/NordicFocus

Name: Johannes Høsflot Klæbo
Geburtsdatum: 22.10.1996
Geburtstort: Oslo
Wohnort: Trondheim
Verein: Byåsen Il
Beruf: Langlauf-Profi
Sprachen: Norwegisch, Englisch
Ski: Fischer
Schuhe: Fischer
Hobbies: Fußball beim Sechstligisten Astor Fotballklubb
Facebook: Johannes Høsflot Klæbo
Instagram: Johannes Høsflot Klæbo
Youtube: Johannes Høsflot Klæbo

 

Persönliches

Johannes Høsflot Klæbo wurde in Oslo geboren, bekam seine ersten Ski mit zwei Jahren und lief ohne Vorkenntnisse einfach los, erinnert sich der Opa und Trainer des Ausnahmetalents. 2017 erzählte der junge Norweger im Interview auf xc-ski.de dazu: „Meine ersten Ski bekam ich von meinem Großvater, als ich zwei Jahre alt war, und mir wurde gesagt, dass ich den ganzen Heiligabend mit meinen Skiern im Wohnzimmer herumgelaufen bin. Mama und Papa lieben Skilanglaufen und sie haben mich als Kind oft zum Langlaufen mitgenommen.“ Profi-Langläufer war aber trotzdem zunächst nicht sein Berufswunsch: „Als ich ein Kind war, verbrachten mein Großvater und ich Stunden um Stunden mit Langlaufen, Skispringen und Spielen auf Skiern. Aber das, was ich am meisten liebte, war Fußball spielen. Ich lebte fast auf dem Fußballplatz und ich war mir sicher, dass ich ein Fußballspieler werden wollte.“ Als Johannes fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Trondheim um. Johannes ist Teil eines Familien-Unternehmens, das ihn von klein auf sportlich fördert: Opa Kåre Høsflot, der Vater seiner Mutter, trainiert ihn nach wie vor, Vater Håkon ist der Manager und sein fünf Jahre jüngerer Bruder Ola sein PR-Berater und verantwortlich für Social Media sowie den Dreh der Youtube-Videos. Seine jüngere Schwester agiert inzwischen als Dolmetscherin, seine Mutter kümmert sich um die Finanzen. Mit einem Internet-Blog dokumentiert Klæbo seine Aktivitäten für die wachsende Fan-Gemeinde. „Der Blog hat mein Leben sicherlich auch verändert, weil du ständig aktiv mitteilst und filmst, aber es macht auch Spaß, und mein Bruder unterstützt mich sehr dabei. So habe ich aber eben auch die Möglichkeit, nur die Dinge, die an die Öffentlichkeit sollen, zu steuern“, erzählte Klæbo zu Beginn seiner ersten dominanten Saison, die mit dem Gewinn des Gesamtweltcup enden sollte. Der Großvater ist ein Typ Trainer, der auf konservative Methoden setzt, alte Trainingspläne nur leicht mit modernen Erkenntnissen auffrischt und seinem noch jungen Schützling immer wieder Wettkampfpausen verordnet. Die Geschichte der Familie wird in dem Buch „Johannes & Morfar“ aufgearbeitet.

Neben dem Buch weiß man im Hause Klæbo genau, wie man den Jungstar vermarkten muss. Das offensichtlichste Beispiel ist seine fehlende Kopfbedeckung, wenn er um seinen nächsten Sieg kämpft. Ein taktisches Mittel, mit dem er seinen Preis für die lukrative Werbefläche eines Kopfsponsors immer weiter in die Höhe treibt. Ein weiterer großer Marketing-Gag war die Sache mit Leichtathletik-Ass Usain Bolt – das wäre doch mal ein Duell-Partner nach Maß! „Er soll rennen – und ich laufe Ski“, sagte Klæbo, schlug einen 100 Meter-Lauf vor, im New Yorker Central Park. Zuvor hatte der jamaikanische Sprintstar für jeden Olympiasieger in PyeongChang Champagner ausgelobt, der seinen berühmten „Bolt-Blitz“ nach dem Erfolg kopiert. Klæbo konterte mit dem 100-Meter-Duell, mit dem er weltweit Schlagzeilen machte. Gekommen ist es zu diesem Duell aber bisher nicht…

Sportlicher Werdegang

Auf nationaler Ebene tat sich Johannes Høsflot Klæbo als 16-Jähriger gegen größtenteils ein Jahr ältere Athleten in den norwegischen Junioren-Rennen noch schwer. Das änderte sich jedoch ein Jahr später, als er zu den älteren Sportlern in diesem Wettkämpfen gehörte und mit um die Siege kämpfte. Nun war sein Ehrgeiz entfacht – vor allem, als er Ende des Winters erstmals norwegischer Junioren-Meister wurde. Noch ein Jahr später, im Jahr 2015 mit 18,5 Jahren, reiste er zu seinem ersten internationalen Renneinsatz: Zu den Junioren-Weltmeisterschaften in Kasachstan, wo er zweimal Bronze gewann. Schon zu dieser Zeit achtete Großvater Kåre darauf, immer wieder für Pausen im Wettkampfprogramm zu sorgen, so dass Johannes regenerieren konnte. Als 19-Jähriger wurde er im Sprint in Drammen erstmals im Weltcup eingesetzt, wo er als 15. sofort überzeugen konnte. Die anschließenden Junioren-Weltmeisterschaften dominierte er mit dreimal Gold fast nach Belieben – mit Ausnahme vom Freistilrennen, wo er nur Siebter wurde.

Schon Anfang der Saison 2016/17 war er beim Ruka Triple wieder im Weltcup am Start, wo er nach Prolog-Bestzeit als Dritter sein erstes Weltcup-Podium feierte und eine Woche später das Lillehammer Triple als Zweiter beendete – knapp hinter Martin Johnsrud Sundby. Nun war er richtig im Weltcup angekommen und holte nach der Tour de Ski-Pause sein zweites Sprint-Podium – im Februar folgte dann der längst überfällige erste Weltcupsieg unmittelbar vor den Weltmeisterschaften in Lahti, wo er sich dann Sprint-Bronze gewann. Obwohl er sich auch zu Beginn seiner zweiten Mini-Tour wieder mit dem Halbfinal-Aus im Sprint begnügen musste, triumphierte er dann beim Weltcupfinale in Québec City und gewann sein erstes Etappenrennen. Und den Sprintweltcup – die Kristallkugel ließ er allerdings im Flugzeug liegen…

In der Saison 2017/2018 lief Johannes von einem Erfolg zum nächsten: Nach zwei souveränen Siegen zum Auftakt beim Ruka Triple reichte eine 51. Laufzeit im Handicap-Rennen, um dennoch die Mini-Tour für sich zu entscheiden. Nach weiteren Triumphen stellte er eine unglaubliche Serie von sechs Siegen vor Weihnachten auf, bevor er sich eine wohlverdiente Pause gönnte. Rekord-Siegesserien im Weltcup, Tour-de-Ski-Prämien – alles unwichtig. In dieser Saison zählten nur die Olympischen Spiele in PyeongChang. 30 anstrengende Kilometer im Skiathlon zu Beginn der Spiele waren für den 21-Jährigen noch zu kraftraubend, um am Ende noch um die Medaillen mitkämpfen zu können. Mit dreimal Gold bei drei weiteren Starts verliefen die Titelkämpfe aber auch für den superehrgeizigen Norweger alles andere als enttäuschend. Damit wurde der 21-jährige Johannes Høsflot Klæbo jüngster Skilanglauf-Olympiasieger der Geschichte. Er löste den bisherigen Rekordhalter Gunde Svan ab. Der Schwede hatte 1984 mit 22 Jahren und 32 Tagen über 15 Kilometer triumphiert. Obwohl die Luft danach verständlicherweise ein wenig draußen war, konnte ihm den Gewinn des Gesamtweltcups mit seinen neun Saisonsiegen niemand streitig machen.

Die Zukunft des Langlaufens gehört diesem schon in seinem ersten Weltcup-Jahr taktisch ausgebufften Norweger, der zudem einen eigenen Laufstil kreierte mit seiner unwiderstehlichen und perfekten Technik – das ist Langlauf auf einem neuen Level. Besonders im klassischen Stil gleitet er kaum noch, er rennt. „Unglaublich, das ist phänomenal“, sagte DSV-Langläufer Andreas Katz. Vor allem: es ist kaum nachzuahmen, denn dafür fehlen den meisten Konkurrenten die körperlichen Voraussetzungen. Kraft, Kondition, Grundschnelligkeit – Klæbo ist der neue Maßstab im Langlauf. „Er hat gut trainiert, als er jung war, aber er hat auch einfach ein Talent für den Langlauf“, sagte Nationaltrainer Tor Arne Hetland.