Tour de Ski Val Müstair: Premierensieg für Tiril Weng – Hennig bärenstark

Kerttu Niskanen (FIN), Tiril Udnes Weng (NOR), Frida Karlsson (SWE), (l-r) © Modica/NordicFocus

Auf der zweiten Tour de Ski Etappe in Val Müstair feierte Tiril Udnes Weng nach vielen Top-Platzierungen ihren ersten Weltcupsieg vor Kerttu Niskanen und Frida Karlsson. Katharina Hennig stürmte von 26 auf sechs nach vorne.

Handicap – Massenstart – Handicap

Über das Rennformat am heutigen Tage gab es in den letzten Tagen einige Diskussionen. Zuerst entschied sich die FIS, statt einer Verfolgung doch einen Massenstart auszutragen, weil die Runde wegen Schneemangels von 3,3 auf 2,5 Kilometer verkürzt werden muss. Nach Protesten einiger Teams wegen Sicherheitsbedenken, wenn alle gleichzeitig in die schwierige Abfahrt gehen, wo es im ersten Training viel Stürze gab, wurde doch wieder der ursprünglich geplante Handicapstart durchgeführt.

Karlsson bestimmt das Tempo

Lotta Udnes Weng (NOR), Tiril Udnes Weng (NOR), Anne Kjersti Kalvaa (NOR), Frida Karlsson (SWE), (l-r) © Modica/NordicFocus

Nach dem Sieg im gestrigen Sprint und den dafür erhaltenen Bonussekunden ging Nadine Fähndrich heute mit elf Sekunden Vorsprung auf Maja Dahlqvist ins Rennen. Wenige Sekunden dahinter folgten die Weng-Zwillinge. Frida Karlsson und Anne Kjersti Kalvå. Mit großem Anfangstempo liefen die Verfolger schnell an Dahlqvist heran. Karlsson und Kalvå lösten sich von den anderen, aber die Weng-Schwestern waren schnell wieder heran durch die nächste Abfahrt. Nach einer Runde konnte sich Fähndrich immer noch vorne behaupten, wurde aber im ersten langen Anstieg eingeholt. Im Laufe des Rennens veränderte sich die Komposition der Spitzengruppe: Dahlqvist fiel heraus, zur Rennmitte auch Fähndrich und Lotta Udnes Weng, während es Kerttu Niskanen in Runde drei gelang, nach vorne aufzuschließen und dabei auch Lotta Weng kurzzeitig wieder heranführte. Das Tempo an der Spitze wurde auf den ersten drei Runden fast ausschließlich von Frida Karlsson gemacht.

Weng gewinnt im Endspurt

Tiril Udnes Weng (NOR) © Modica/NordicFocus

Das änderte sich auf der letzten Runde, als Kerttu Niskanen attackierte und sich mit Karlsson leicht absetzte. Durch ihre perfekten Ski konnten die Norwegerinnen jedoch in der Abfahrt wieder aufschließen. Bei Erreichen des Stadions gab Tiril Udnes Weng aus dem Windschatten heraus Gas und war auf der Zielgeraden nicht mehr einzuholen. Überglücklich feierte sie ihren ersten Weltcupsieg vor Niskanen und Karlsson nach vielen Podestplätzen und dem gelben Trikot, das sie heute wegen der Verwechslungsgefahr mit dem ebenfalls gelben Führungstrikot der Tour nicht tragen durfte. „Es war perfekt. Frida ist sehr schnell gelaufen, aber ich hatte auch sehr schnelle Ski. Mehrmals bin ich etwa fünf Sekunden zurückgefallen und ich habe immer wieder gehofft, dass ich in den Abfahrten wieder rankomme. Ich habe immer mein Bestes gegeben“, sagte Tiril Udnes Weng, die die Führung in der Tour de Ski übernimmt. „Oh, dann bekomme ich ja das gelbe Trikot zurück“, freute sie sich. Anne Kjersti Kalvå verpasste das Podium als Vierte knapp, Lotta Udnes Weng kam als Fünfte ins Ziel.

Tolles Rennen von Hennig

Katharina Hennig (GER) © Modica/NordicFocus

Hinter der Spitze bildeten sich viele Grüppchen, die sich immer wieder veränderten, weil manche Athletinnen Vollgas gaben und sich durch das Feld pflügten. Dazu gehörte auch Katharina Hennig, die nach dem Sprint an 28. Stelle lag. An der ersten Runde suchte sich die Oberwiesenthalerin, die über Weihnachten mit einer Erkältung im Bett lag und deswegen nicht wusste, wie gut ihre Form ist, Krista Pärmäkoski als Zugpferd, die sich aber nach den ersten Kilometern als zu langsam entpuppte. Bald darauf lief sie an Rosie Brennan heran, die bis zum Ziel mit der starken Deutschen mithielt. Im Ziel fehlten sogar die Kräfte zum Jubeln über einen tollen sechsten Platz und der zweitschnellsten Laufzeit. „Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit den ersten beiden Wettkampftagen der Tour de Ski. Es ging deutlich besser los als ich erwartet hätte nach meiner Erkältung. Normal laufe ich aus der Ruhe nicht so los. Aber ich freue mich natürlich, dass es heute anders war und ich mit der zweitbesten Laufzeit ein richtig gutes Rennen machen konnte. Ich freue mich auch über das gute Teamergebnis, denke das kann sich sehen lassen und wir freuen und jetzt auf Oberstdorf“, sagte sie. Hinter Brennan belegte Heidi Weng, die als 51. gestartet war, im Zielsprint den achten Platz vor Nadine Fähndrich und Silje Øyre Slind mit Startnummer 35.

Gimmler starke Elfte und Krehl 15.

Sofie Kreh (GER), Laura Gimmler (GER), (l-r) © Modica/NordicFocus

Neben Katharina Hennig wusste auch Laura Gimmler aus deutscher Sicht zu überzeugen. Zwar konnte sie nicht mitgehen, als die Teamkollegen kurz nach der Halbzeit des Rennens an ihr vorbei stürmte, wurde aber dennoch sehr gute Elfte. Darüber war si sehr glücklich: „Ich bin sehr zufrieden heute mit meinem Distanzlauf. Platz elf, auch jetzt in der Tour Gesamtwertung, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Gerade nach dem Halbfinale gestern war ich mir nicht sicher, worauf ich mich jetzt einstellen darf, weil es sonst oft so war, wenn ich im Sprint weiter gekommen bin, dass es dann am nächsten Tag im Distanz muskulär schwierig war. Aber das ging heute und Höhenlage liegt mir eh und auch die eher flache Strecke mit viel Doppelstockpassagen. Da bin ich richtig froh, dass ich das heute nutzen konnte, nochmal ein gutes Rennen machen konnte und freue mich dann auch in Oberstdorf noch mal anzugreifen und mal sehen, wie es weitergeht.“ Sofie Krehl lief von Beginn an ihr eigenes Tempo und versuchte nicht, mit der drei Sekunden früher gestarteten Kollegin mitzugehen. Lange war sie in der Gruppe ab Platz 16 unterwegs, aber nachdem noch zwei Athletinnen zurückgefallen waren, erkämpfte sie sich Platz 15 und vervollständigte somit die WM-Qualifikation. Auch Pia Fink, die wegen einer Sehnenentzündung am Fuß im Dezember eine Wettkampfpause einlegen musste, kann mit Rang 19 ebenfalls sehr zufrieden sein und dank der 13. Laufzeit hat auch sie nun ihr WM-Ticket mit zwei Top15-Pltzen scher. Victoria Carl arbeitete sich weit nach vorne und wurde 31. vor Coletta Rydzek. Katherine Sauerbrey, deren Saison wegen einer Knochenhautreizung erst mit der Tour de Ski begann, arbeitete sich von 63 auf 46 vor und holte damit noch Lisa Lohmann ein, die einen Sturz zu verkraften hatte und die sie im Zielsprint bezwang. Die junge Alexandra Danner kam mit fast fünfeinhalb Minuten Rückstand als 64. von 67 Damen ins Ziel.

Österreicherinnen mit sehr gutem Rennen

Teresa Stadlober (AUT) © Modica/NordicFocus

Teresa Stadlober gelang ebenfalls ein gutes Rennen, in dem sie sich um 27 Positionen verbessern konnte. Knapp 90 Sekunden liegt sie nach zwei Etappen hinter der Spitze als 17. Lisa Unterweger kassierte eine gelbe Karte wegen eines schwereren Technikverstoßes, verbesserte sich aber ebenfalls um ein paar Ränge auf Position 23. „Das war heute ein cooles Rennen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, konnte einige Plätze gutmachen und das ist jetzt eine gute Ausgangsposition für die beiden kommenden Distanzrennen. Der Start beim heutigen Rennen war aufgrund der geringen Abstände ein kleines Durcheinander und ich habe leider gleich zu Beginn ein paar Plätze und Sekunden eingebüßt. Dadurch habe ich am Anfang auch ein wenig Zeit gebraucht, um richtig in das Rennen reinzukommen“, sagte Stadlober. „In den letzten beiden Runden konnte ich dann aber richtig Gas geben, einige Plätze gutmachen und auch der schlussendliche Rückstand hält sich absolut in Grenzen. Jetzt fahren wir nach Oberstdorf, werden morgen einen lockeren Tag einlegen und dann stehen zwei harte und für mich wichtige Distanzrennen auf dem Programm.“ Zweitbeste Schweizerin neben Nadine Fähndrich wurde Anja Weber als 40. Nadja Kälin wurde 48. und Lea Fischer wurde von 19 auf 56 durchgereicht. Rang 59 ging an Desirée Steiner. Alina Meier wurde schon früh im Rennen ans Ende durchgereicht und gab nach der Hälfte auf.

=> Ergebnis 10 Kilometer KT Handicap

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