Wiedergeburt der „Power“ Griffe an Langlaufstöcken?

Sascha Moehrs mit den Power Griffen © Kerstin Leicht

In den 90er Jahren wurden die sogenannten „Power“ Griffe vor allem durch Sven Fischer bekannt, der diese Griffform während seiner gesamten Zeit als aktiver Biathlet benutzte. Dieser alternative Griff, bei dem die Hand eher waagerecht aufliegt, konnte sich zu der Zeit nicht durchsetzen – die Frage ist warum? Mir sind diesbezüglich keine biomechanischen Analysen und Vergleiche zu „Standard“ Griffen bekannt die dazu eine Antwort geben.

Power Griffe © Sascha Moehrs

Ich selber habe diese Griffe auch als Jugendlicher vor 20 Jahren bevorzugt benutzt und da ich seit zwei Jahren als ambitionierter Hobbyläufer das ein oder andere Rennen mit dem xc-ski.de A|N Skimarathon Team bestreite, habe ich mich an diese Griffe erinnert. Zwar hatte ich seinerzeit die „Power“ Griffe ausschließlich zum Skaten verwendet, doch ich war mir sicher, dass ich sie auch vorteilhaft bei Skimarathon Rennen einsetzen kann, weil ich diese in der Regel mit reinem Doppelstock-Schieben bestreite. Nach einer längeren Internet-Recherche habe ich dann mit Freude zur Kenntnis genommen, dass das Team Snowstorm unter der Leitung von Prof. Matthias Scherge diese Griffe von Sven Fischer eingescannt hat, um sie anschließend mittels 3D-Drucker reproduzieren zu können. Laut Prof. Scherge ist das Ziel dieser Zusammenarbeit, die besagten Griffe dem Nordic Paraski Team Deutschland zur Verfügung zu stellen. Glücklicherweise war Prof. Scherge so nett, mir ein Paar dieser ausgedruckten Griffe für die Skimarathon-Saison 2017/2018 zum Testen auszuleihen. Im Folgenden möchte ich rein subjektiv meine wichtigsten Erfahrungen dazu schildern.

Da mir die Griffe erst im Dezember das erste Mal zum Training zur Verfügung standen, waren meine größten Bedenken, dass ich mich bis zu den ersten Wettkämpfen im Januar muskulär und vom Bewegungsablauf nicht rechtzeitig an die veränderte Hand-/Armhaltung gewöhnen würde. Diese Bedenken wurden jedoch nicht bestätigt. Im Gegenteil, ich konnte mich sehr schnell an die Griffe gewöhnen, selbst die Unterarmmuskulatur machte mir bei längeren Trainingseinheiten keine Probleme, obwohl diese zur Stabilisierung wohl mehr beansprucht wird, im Vergleich zu „Standard“ Griffen. Ob anderen Athleten dieser Umstieg genauso leicht fallen würde, kann ich nicht sagen, vielleicht kam es mir zugute, dass ich diese Griffe schon als Jugendlicher viel benutzt habe. Nachdem ich einige Trainingseinheiten mit den „Power“ Griffen hinter mir hatte, stellte sich die Frage, sollte ich diese wirklich für die anstehenden Rennen benutzen? Da ich keinen Zugang zu entsprechenden Messgeräten habe, um objektive Leistungsmessungen durchführen zu können, entschied ich mich einfach dazu, auf einer zwei Kilometer Rundloipe mit welligem Profil immer abwechselnd die „Power“ und „Standard“ Griffe zu verwenden. Die resultierenden Zeiten, deuteten eindeutig darauf hin, dass ich mit den „Power“ Griffen schneller Doppelstock-Schieben kann. Klar, es bleibt natürlich eine subjektive Messung – obwohl ich die Runde sehr oft und auch an verschiedenen Tagen mit wechselnden Griffen gelaufen bin, kann es sein, dass der Zeitgewinn mit den „Power“ Griffen auf einer erhöhten Leistungsbereitschaft meinerseits beruht und nicht auf biomechanischen Vorteilen.

Sascha Moehrs bei Toblach-Cortina © Leicht Fotografie Film

Wie dem auch sei, weil ich auf Anhieb ein gutes Gefühl hatte mit den „Power“ Griffen, habe ich sie ab Januar bei allen Rennen der Saison 2017/2018 benutzt. Ich denke dieses gute Gefühl basiert unter anderem darauf, dass durch die waagerechte Haltung der Hand, der Ellenbogen automatisch vom Körper weg zeigt – was wohl zur Folge hat, dass die eher größeren (stärkeren) Muskelgruppen (wie der Latissimus) besser eingesetzt werden als bei den „Standard“ Griffen, bei denen die Hände senkrecht und somit die Ellenbogen weiter nach unten orientiert sind. Hinzu kommt, dass man beim Schieben am Anstieg das Gefühl hat, den Körper besser über die Griffe zu bekommen um somit das Eigengewicht in Vorschub umzuwandeln. Darüber hinaus könnten die „Power“ Griffe einen Vorteil im Hinblick auf die Stocklängenbegrenzung bieten – die seit letzter Saison auch bei den klassischen Skimarathon Rennen einzuhalten ist. Da die Stocklänge am Schleifenausgang gemessen wird, kommen mir bei gleicher Stocklänge die Stöcke mit den „Power“ Griffen länger vor. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich, dass sich die gesamte Hand, aufgrund der waagerechten Haltung, näher am Schleifenausgang befindet. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen, fände ich einen objektiveren Vergleich verschiedener Griff-Modelle sehr spannend – vielleicht würden die Resultate sogar zu weiteren Entwicklungen führen.
Abschließend möchte ich mich nochmals beim Team Snowstorm insbesondere bei Prof. Scherge bedanken – es hat sehr viel Spaß gemacht die „Power“ Griffe zu testen und sie haben dazu beigetragen, dass ich mit meinen Ergebnissen der Saison 2017/2018 sehr zufrieden bin.