Skadi Loppet 2022: Völlig neue Perspektiven

Wiebke und Simone beim Skadi Loppet © Wiebke Greßmann

Von Wiebke Greßmann

An diesem Wochenende fand nach zweijähriger Corona-Pause endlich wieder der Skadi Loppet, bekannt als Abschluss der mitteleuropäischen Langlaufsaison, statt. Der Wetterbericht sagte schon lange vor dem Wochenende sehr gutes Wetter vorher. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf das letzte Wettkampfwochenende. Am Samstag standen die Skatingwettbewerbe über 17km und 32km auf dem Programm. Am Sonntag waren dann die Klassiker dran.

Da es strenge Coronaregelungen gab, war das komplette Wettkampfwochenende auf 1.000 Startende limitiert. Ich meldete mich daher schon lange vorher für das 24km Klassikrennen an. Nach den Streckenbesichtigungen am Freitag und Samstag war ich mir aber nicht mehr sicher, ob ich wirklich noch starten wollte. Die warmen Temperaturen setzten der Strecke stark zu und auch meine Motivation war nach meinem „Saisonhöhepunkt“, dem Vasalauf, nicht mehr wirklich groß. Beim Abendessen am Vorabend äußerte ich meine Bedenken. Simone, eine Teamkollegin aus unserem xc-ski.de A|N Skimarathonteam, fragte mich aber sofort, ob ich sie nicht bei ihrem erst zweiten Langlaufrennen überhaupt, begleiten mag. Kurz darüber nachgedacht sagte ich zu. Simone hatte sich für die Wertung „Fit for Fun“ angemeldet. Das ist eine Extra-Kategorie beim Skadi Loppet, in der die Laufzeit keine Rolle spielt und man aus der letzten Startgruppe gemütlich startet. Das klang für mich erstmal entspannt, gleichzeitig war ich aber auch nervös. Ich bin es ja sonst gewohnt, doch mindestens aus der mittleren Startgruppe und auf Zeit zu laufen und ich fragte mich, wie es mir gelingen wird, einen Wettkampf im Trainingstempo zu laufen. „Naja, wir werden es sehen“ dachte ich mir.

Wiebke und Simone beim Skadi Loppet © xc-ski.de

Leicht aufgeregt ging es für Simone und mich am Sonntag eine Stunde vor Start zum Langlauf Aktivzentrum Bretterschachten. Dort angekommen starteten die Letzten auf die 42km Strecke. Wir hatten also noch ein bisschen Zeit uns vorzubereiten und ich erzählte Simone unsere Taktik. Da ich die Strecke schon öfters beim Skadi Loppet gelaufen bin und auch Simone schon einige Male als Trainerin unterstützten durfte, wusste ich grob auf was wir uns einließen und gab ihr als Zielzeit vor unter 2:30h zu laufen. Außerdem wollten wir ruhig starten und auf Ende zu schneller werden. Der Startschuss fiel um 10 Uhr, wir hatten uns extra nach Hinten gestellt. In einem gemütlichen Tempo bewältigten wir den Startberg. Ich schaute mich um. „Oh, wir sind ja echt fast die Letzten“. Ein bisschen zappelig wurde ich da schon. So weit hinten war ich ja noch nie – eine ganz neue Perspektive. Ich wäre am liebsten schneller gelaufen und hätte die ganze Gruppe vor mir locker überholen wollen. Aber ich bremste mich – heute war ja meine Aufgabe Simone gut über die Strecke zu begleiten. Auch der zweite Anstieg stellte eine kleine Herausforderung für mich dar und ich musste oben kurz auf Simone warten. Ab dann groovten wir uns aber gut ein. Wenn es die Strecke hergab, liefen wir nebeneinander, ansonsten lief ich voraus und gab das Tempo vor, beziehungsweise suchte uns die beste Spur in den Abfahrten. Wir erreichten das erste landschaftliche Highlight der Strecke, den Ausblick von der Panoramaloipe auf Bodenmais. Wir gönnten uns einen kurzen Blick nach links unten und weiter ging es. Danach folgte ein kurzer Schock für Simone. Sie hatte ihre Verpflegung, die sie an ihren Trinkgurt befestigt hatte, verloren. Ich beruhigte sie aber schnell wieder, da ich für den Notfall auch einen Riegel eingepackt hatte. In einem gleichmäßigen Tempo bewältigten wir den langen Aufstieg zur ersten Verpflegung nach 9km. Schon jetzt blickte ich mich immer mal um und entdeckte den Arber schräg hinter uns. Wir kamen immer besser ins Rennen und ich merkte auch, dass unsere Taktik aufgehen kann. Wir überholten immer wieder andere Läufer und Läuferinnen, die wohl etwas zu schnell losgelaufen waren. Meinen Respekt, wie viele sich über diese doch sehr anspruchsvolle Strecke kämpften.

Wiebke und Simone beim Skadi Loppet © xc-ski.de

Landschaftlich wurde es nun immer schöner. Wir kamen auf baumfreie Streckenabschnitte und konnten immer wieder einen Blick in das Tal werfen. Streckenweise hatten wir aber ganz schön zu kämpfen, der Schnee wurde immer sulziger und schmutziger und mit der Sonne wurde es ganz schön warm. Gefühlt wollten die Anstiege auch nicht aufhören und sobald wir uns auf die Abfahrt freuten, kam auch schon wieder ein ordentlicher Anstieg. Ich motivierte Simone immer wieder und beschrieb ihr den weiteren Streckenabschnitt. Ab und an dachte ich mir dann aber doch auch „Gut, dass ich so gemütlich mit Simone unterwegs bin. Im Wettkampftempo wäre das eine ganz schöne Quälerei geworden“. Kurz vor dem Wendepunkt an der Chamer Hütte fragten wir uns, wo auf einmal der Schnee hin ist. Auf einem kurzen Streckenabschnitt lagen mehr Äste und Tannennadeln als Schnee. Danach folgte die letzte Verpflegung. Gestärkt nahmen wir den wohl schönsten Streckenabschnitten in Angriff. Von der Chamer Hütte ging es leicht fallend über eine baumfreie Fläche. Ich musste kurz daran denken, wie ich vor einigen Jahren im Nebel und Regen diesen Streckenabschnitt lief und überhaupt nicht mehr wusste, wo ich bin. Dieses Mal war es genau das Gegenteil, die Sonne strahlte uns entgegen und man hatte fast das Gefühl, wir wären im norwegischen Fjell unterwegs. Die Aussicht war wahnsinnig gut und man fühlte sich total frei. Ich spürte zudem eine tiefe Dankbarkeit, dass ich mit Simone das Rennen in dieser Form laufen durfte und die Landschaft so intensiv wahrnehmen konnte, wie bei wahrscheinlich noch keinem anderen Skimarathon.

Wir schoben kräftig an und merkten, was für geniale Ski wir immer noch unter unseren Füßen hatten. Wir flogen regelrecht an die anderen Wettkämpfer heran. Vielen lieben Dank an dieser Stelle an HWK. Ihr habt uns super Ski gezaubert, die dem ganzen Schmutz und nassen Schnee bis zum Ziel standgehalten haben! Dieser traumhafte Streckenabschnitt pushte uns nochmal und setzte bei Simone zusätzliche Kräfte frei. Ich motivierte sie die letzten Kilometer jetzt auch noch so gut weiterzulaufen – unsere Zielzeit war in greifbarer Nähe. Eigentlich hieß es jetzt nur noch die letzte lange Abfahrt ohne Sturz zu meistern, aber das war gar nicht so leicht. Im Schatten war die Spur noch super schnell, sobald die Sonne aber rein kam, bremste es total. Das war eine ganz schön wackelige Angelegenheit. Aber wir hatten es sturzfrei gemeistert! Jetzt nur noch einen Anstieg und wir sind im Ziel – ich feuerte Simone jetzt kräftig an. Mein Blick wanderte immer wieder auf die Uhr, jetzt nicht mehr langsamer werden sonst wird es knapp mit der Zielzeit. Aber es reichte. Wir kamen nach 2.25h ins Ziel. Was für ein Erlebnis! Sowohl für Simone als auch mich.

Liebe Simone, ich bin unfassbar stolz auf dich. Du hast dich so gut durchgebissen! Es hat mir super viel Spaß gemacht, dich zu begleiten und dabei auch einen ganz neuen Blick auf ein Skimarathonrennen zu bekommen. Ich durfte kennenlernen, wie schön es ist, wenn auch noch die weiter hinten laufenden Wettkämpfer angefeuert werden, wie stolz man über das Erreichen des Zieles sein kann und was für eine fantastische Leistung es für jeden Einzelnen bedeutet. Und nicht zuletzt weiß ich jetzt endlich, wo mich der Skadi Loppet in den vergangenen Jahren hingeführt hat und was für traumhafte Ausblicke der Bayrische Wald bietet. Vielleicht sollen wir das Rennen nächstes Jahr wieder in Angriff nehmen? Dann die 42km, da können wir länger die Aussicht genießen 😉

3 Kommentare

  1. Thomas Oestreich

    Bravo Simone!
    Tolle Aktion von Euch beiden und ein sehr gelungener Artikel! Weiter so 🙂 Thomas

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    1. Wiebke Gressmann

      hei
      dankeschön, da freue ich mich sehr!

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  2. Simone Kundmüller

    Danke, lieber Thomas!
    Total Spaß gemacht mit Wiebke:-)

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