Biathlon: Philipp Horn gewinnt WM-Gold in Ruhpolding

Philipp Horn (GER) © Manzoni/NordicFocus

Der Frankenhainer Philipp Horn setzt sich im Super-Sprint bei der Biathlon Sommer-Weltmeisterschaft durch und gewinnt Gold. Beim Doppelerfolg der Italienerinnen Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi wird Juliane Frühwirt auf Rang acht beste Deutsche bei den Damen. 

Hochkarätiges Teilnehmerfeld

Start of mens race © Manzoni/NordicFocus

Mit Biathletinnen und Biathleten aus 30 Nationen sind bei der 26. Ausgabe einer Sommer Biathlon Weltmeisterschaft in Ruhpolding so viele Teilnehmer wie noch nie zuvor gemeldet. Mit Ausnahme der Biathlon-Elite aus Norwegen und Frankreich kämpft in Ruhpolding alles was Rang und Namen im Biathlon hat in zwölf Bewerben um Titel und Medaillen. 77 Herren und 63 Damen starteten in die Qualifikation zum Super-Sprint um einen der 30 begehrten Startplätze für die Finalläufe zu erreichen. Das deutsche Team qualifizierte sich vielversprechend mit fünf Herren und vier Damen in das Finale. David Zobel, Marion Wiesensarter und Franziska Hildebrand haben es nicht in den Endlauf geschafft und auch die vier Damen aus Österreich Dunja Zdouc, Katharina Komatz, Julia Schwaiger und Tamara Steiner sowie Lea Meier und Flurina Volken aus der Schweiz schafften es nicht. Bemerkenswert, dass unter den schwierigen Umständen der Vorbereitung alle vier gestarteten Damen aus der Ukraine zu den dreißig Besten im Vorlauf gehörten. Laurin Fravi und Serafin Wiestner aus dem Schweizer Herrenteam schieden im Qualifikationslauf aus, aber vier Starter hatten sich die Chance auf den Weltmeistertitel bewahrt. Aus dem österreichischen Herrenteam war keiner am Start. 

 

Philipp Horn holt WM-Gold im Super-Sprint

Philipp Horn (GER) © Manzoni/NordicFocus

Sieben Athleten machten sich innerhalb nur 10 Sekunden auf eine spannende Schlussrunde, darunter die Deutschen Philipp Horn, Philipp Nawrath und Justus Strelow, die beiden Schweden Peppe Femling und Sebastian Samuelsson sowie die beiden Finnen Heikki Laitinen und Olli Hiidensalo. Auf der kurzen 1,5 km-Runde war alles möglich und schließlich entschied sich das Rennen auf den letzten Metern. Philipp Horn überquerte die Ziellinie mit 0,2 Sek. Vorsprung vor den beiden aus dem Windschatten kommenden Schweden Peppe Femling und Sebastian Samuelsson (+ 0,5 Sek,). Justus Strelow schrammte nach weiteren 0,2 Sek. als Vierter am Podest vorbei und Philipp Nawrath rundete als Sechster hinter dem Finnen Laitinen das hervorragende Gesamtergebnis der DSV-Herren ab. Lucas Fratzscher kam als Achter ins Ziel und Roman Rees reihte sich nach für ihn ungewöhnlichen sechs Schießfehlern als 15. in die Ergebnisliste ein. Auch bei den Laufzeiten lagen die deutschen Starter zusammen mit den Schweden an der Spitze. Bis zum entscheidenden Schießen lag der Schweizer Sebastian Stalder in Führung dicht gefolgt vom Ukrainer Dmytro Pidruchnyi. Beide verfehlten im letzten Anschlag zwei Scheiben und mussten sich letztlich mit den Rängen 11 und 10 zufrieden geben. Der Italiener Tommaso Giacomel musste das Rennen nach einem Sturz im Schießstandbereich aufgeben. 

Philipp Horn zu seinem Sieg

Philipp Horn (GER) © Manzoni/NordicFocus

„Ich musste in der vierten Runde schon investieren, weil ich die Lücke nach vorne zulaufen musste, aber mir war auch bewusst, dass ich zum Schießen dran sein muss um noch eine Chance auf ganz vorne zu haben. Das habe ich geschafft. Letztes Schießen war einfach unglaublich mit der Menge im Hintergrund. Die haben mich durch die fünf Schuss getragen. Ich habe es geschafft bei mir zu bleiben, das war großes Ziel und das war gut. In der letzten Runde war einfach nur Mann gegen Mann. Kampf. Ich wusste, dass ich bergab ganz gut sprinten kann und habe mich darauf verlassen, aber ich hab mich gefühlt wie im Radsport. Es gab vor dem Sprint noch Positionskämpfe, bißchen Ellbogen hier und da. Die schnellen Leute, gerade Samuelsson, die haben schon bißchen versucht, die besten Positionen zu erdrängen. Ich konnte mich ganz gut halten und habe dann den Windschatten vom Philipp mitnehmen können, ja und habe dann einfach Vollgas gegeben bis ins Ziel und es hat gereicht. Es ist eben nur Sommer-WM, alle bereiten sich auf den Winter vor, man weiß nicht wie spezifisch sich hier darauf vorbereitet wird. Ich denke die guten Leute nehmen das als Trainingswettkampf, genau wie wir auch, deshalb will ich das nicht überbewerten. Aber es gibt natürlich Selbstbewusstsein und zeigt, dass das was bisher im Training gelaufen ist, das Richtige war.“

Italienischer Doppelerfolg bei den Damen

Lisa Vittozzi (ITA), Dorothea Wierer (ITA), Nastassia Kinnunen (FIN), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Von Beginn des Rennens an lagen Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi im Spitzenbereich. Wierer räumte in den beiden Liegendeinlagen sicher ab, während Vittozzi hier bereits eine Strafrunde kassierte. In der Folge konnte Vittozzi die Fehler von Wierer nicht nutzen und beide mussten in den Stehendanschlägen jeweils einmal kreiseln. Am Ende setzte sich Dorothea Wierer mit 5,5 Sek. Vorsprung durch und holte sich WM-Gold vor Lisa Vittozzi.  Die Finnin Nastassia Kinnunen traf alle Scheiben, kam läuferisch aber nicht an die Spitze heran und freute sich dennoch über die unerwartete Bronzemedaille. Rang vier belegte die Titelverteidigerin aus Tschechien Marketa Davidova vor der Ukrainerin Anastasiya Merkushyna und der Schwedin Linn Persson. Die schwedische Mit-Favoritin Elvira Oeberg scheiterte bereits in der Qualifikation. Sie stürzte zum ersten Anschlag auf die Schießbahn und kam dabei möglicherweise aus ihrem Rhythmus. Nach insgesamt fünf Schießfehlern erreichte sie das Finale nicht. 

Juliane Frühwirt beste der deutschen Damen

Juliane Fruehwirt (GER) © Manzoni/NordicFocus

Im Qualifikationsrennen gelangen Anna Weidel zwei fehlerfreie Schießen und sie wurde Zweite hinter Marketa Davidova. Im Hauptrennen gelang ihr kein fehlerfreies Schießen mehr und mit insgesamt vier Strafrunden platzierte sie sich hinter Juliane Frühwirt auf dem neunten Rang, knapp vor Janina Hettich-Walz. Juliane Frühwirt zeigte sich „megahappy, ich bin ja nur der Ersatz vom Ersatz und bis gestern Abend wusste ich ja überhaupt nicht, dass ich laufe. Unverhofft kommt oft, würde ich sagen und es war ein richtig cooler Wettkampf.“ Frühwirt richtete auch noch einen speziellen Dank an das Publikum. „Es war so, so cool, danke Ruhpolding. Es hat so Spaß gemacht nach den Corona-Jahren und da ordentlich performen zu können macht natürlich doppelt Spaß, wenn man merkt, das Publikum schreit für einen.“ Vanessa Voigt kam liegend jeweils fehlerfrei durch aber stehend konnte sie ihr sicheres Schießen nicht abrufen. Nach vier Strafrunden kam sie als 22. ins Ziel. 

 

Hier geht es zu den Ergebnislisten und zum Zeitplan der weiteren Wettkämpfe

Bildergalerie