Langlauf Kurznews über Unterstützer Putins, eine mögliche Rückkehr von Therese Johaug und einen Plan B von Linn Svahn

Therese Johaug (NOR) © Thibaut/NordicFocus

Ein Bild eines Volkslaufes bei Moskau schockt die Langlauf-Welt und die Ukraine fordert genaue Untersuchung neutraler Russen. Therese Johaug denkt über einen Start bei der Heim-WM nach und Linn Svahn erzählt von ihrem Plan B während ihrer langen Verletzungsphase.

Hobbyläufer unterstützen Putin sichtbar

Am 10. Februar fand vor den Toren Moskaus in Khimki ein Volkslauf statt, der auch international Aufsehen bei Medien und Sportlern erregte. 10.000 größtenteils Hobby-Läufer waren am Start über die Distanz von zehn Kilometern, darunter mit Nikolai Morilov aber auch ein olympischer Medaillengewinner im Langlauf, der seine Altersklasse gewann. Aber auch andere russische Wintersportler liefen mit wie der ehemalige Eiskunstlauf-Star Irina Rodnina (74). Für Ärger sorgten Meldungen und Fotos über die Startaufstellung der Läufer. Die Veranstalter fragten die Athleten, ob sie sich in Z-Formation aufstellen würden, um ihre Unterstützung für die Militäroperation zu zeigen, während eine Rede Putins über Lautsprecher verlesen wurde. Niemand weigerte sich. Die Bilder schockten auch Maja Dahlqvist, die im Expressen sagte: „Oh, stimmt das wirklich? Das klingt komplett krank, aber ich vermutet, sie hatten auch keine Wahl als so zu reagieren.“ Auch Frida Karlsson findet die Bilder „schrecklich“ und sie sagte: „Das macht einem etwas Angst. Ich möchte wirklich Sport und Politik trennen, aber sowas ist beängstigend. Hier sieht man wirklich, wie Politik den Sport für sich nutzt.“ Auch Jens Burman findet den Ausschluss russischer Sportler nach wie vor richtig: „Das Bild zeigt, wie Sport in Russland von der Politik benutz wird. Das ist Scheiße. Und genau deswegen sollten sie auch nicht mit uns Rennen bestreiten dürfen.“ Bilder der Startformation gibt es hier: expressen.se. Die 250.000 Einwohner-Stadt Khimki hatte übrigens drei Partnerstädte im Ausland, nämlich in der Türkei, in Belarus – und in der Ukraine. Die zentralukrainische Stadt Poltawa zwischen Kiew und Charkiw wird von russischer Seite jedoch nicht mehr als Partnerstadt geführt.

Ukraine bittet IOC um Untersuchungen

Neutrale russische Sportler sollen bei den Olympischen Sommerspielen in Paris unter neutraler Flagge starten dürfen – und irgendwann auch in anderen internationalen Wettkämpfen wie dem Langlauf Weltcup. Nun bat die Ukraine das IOC, den Status neutraler Russen und Belarussen noch einmal zu überprüfen. In dem Brief vom Ukrainischen Olympischen Komitee an das Internationale Olympische Komitee heißt es: „Die Zahl neuraler Athleten, bei denen wir Zweifel haben, ob sie die Bedingungen des IOC erfüllen, steigt stark an.“ Zwar hat das UOC die größten Zweifel an Athleten der Sportart Wrestling, aber überprüft werden sollten die Athleten aller Sportarten.

Johaug: „50 Kilometer reizen mich“

Während Ingvild Flugstad Østberg immer noch kein neues Gesundheitszertifikat vorweisen kann, das ihr Starts bei Wettkämpfen erlaubt, und Helene Marie Fossesholm sich für die anstehenden norwegischen Meisterschaften fit meldete, gibt es auch von Therese Johaug Neuigkeiten. Vor zwei Jahren beendete die Ausnahme-Sportlerin ihre aktive Karriere, heiratete und wurde vor neun Monaten Mutter der kleinen Kristin. Nun will die 35-Jährige wieder Wettkämpfe bestreiten. Wie sie über Social Media mitteilte, habe sie sich für den Engadiner Frauenlauf angemeldet. Aber auch über eine Rückkehr in den Weltcup beziehungsweise zur Heim-WM in Trondheim 2025 gibt es schon lange Spekulationen. Nun hat Johaug selbst sich dazu geäußert. „Was mich an den Weltmeisterschaften am meisten reizt, sind die 50 Kilometer. Das ist eines der wichtigsten Rennen überhaupt. Das muss ich ehrlich zugeben“, sagte sie der VG. Aber auf eine Weltcup-Rückkehr hoffen Fans vergeblich: „Ich werde keine Weltcuprennen mehr bestreiten und die Tour de Ski… das interessiert mich alles nicht mehr. Sprint? Keine Chance!“ Aber die 50 Kilometer, die bei der WM in Trondheim 2025 erstmals auch für die Frauen im Kampf um Medaillen zu absolvieren sind, könnten ein Grund für die Rückkehr sein. Vor allem, weil man sich als erste Siegerin natürlich auch in die Geschichtsbücher eintragen könnte. „Um ehrlich zu sein, denke ich darüber nach, weil es das erste Mal ist, dass es die 50 Kilometer bei Weltmeisterschaften auch für Frauen gibt und dass es zu Hause, in Trondheim, stattfindet. Ich habe aber noch nie ein Rennen über 50 Kilometer bestritten, auch nicht im Weltcup.“ Aktuell trainiert sie nach der Geburt deutlich weniger als als professionelle Athletin, aber sie wäre bereit, ihr Training wieder zu intensivieren – auch wenn sie dann an ihrer aktuellen familiären Routine wieder etwas ändern müsste. „Ich habe noch kein Datum vor Augen, aber ja, ich muss eine Entscheidung treffen. Ich muss mehr trainieren, um zu sehen, ob es machbar wäre in Verbindung mit meinem Alltag und meinem Leben mit Mann und Tochter. Ist es das wert?“ Möglicherweise fällt ja eine Entscheidung nach dem Engadiner Frauenlauf am 03. März, wenn sie selbst ihre aktuelle Form besser einschätzen kann.

Linn Svahn hatte Plan B

Durch ihr fast zweijährige Weltcup-Pause wegen ihrer schweren Schulterverletzung musste Linn Svahn ihr Leben überdenken. Was würde sein, wenn die Ärzte ihr den Langlaufsport für die Zukunft verbieten? Wie die Schwedin kürzlich erzählte, hätte sie noch einen Plan B in petto gehabt. In einer schwierigen Phase während ihrer Verletzung dachte sie: ‚Viele Athleten haben die Sportart gewechselt. Vielleicht wäre das auch etwas für mich?‘ Das erzählte sie letzte Woche in einem Interview mit dem Expressen am Rande des Weltcups in Minneapolis. „Ich hatte über Radsport nachgedacht. So richtig, zu 100 Prozent“, sagte sie. „Ich bin einem Verein beigetreten und habe mir eine Rennlizenz besorgt und war kurz davor, an den schwedischen Meisterschaften teilzunehmen. Aber dann sagte mein Umfeld ‚Stopp!‘ Sie sagten, dass ich eine schwerwiegende Verletzung habe in der Schulter und dass ich deswegen lieber nicht antreten sollte.“ Wie sie weiter erklärte, habe sie Radfahren in dem schwierigen Sommer nach der Verletzung geliebt, weil sie es ohne Schmerzen tun konnte. „Und dann wurde ich schnell besser, die Entwicklungskurve ging schnell bergauf. Es war so befriedigend, wenn du in einer Periode bist, in der alle still steht.“ Aktuell steht natürlich wieder der Skilanglauf im Fokus, aber: „Vielleicht betreibe ich mehr Radsport, wenn ich die Ski irgendwann in die Ecke stelle.“