Erlebnis Vasalauf

Start © Felgenhauer/NordicFocus

Ich trete aus der Spur. Trotz super Stieg muss ich den Berg hochwandern. Wo kommen nur all diese Anstiege her und wo sind die dazugehörigen Abfahrten? Es beginnt der für mich härteste Teil des Vasalaufs.

Das Abenteuer Vasalauf startete eigentlich schon drei Wochen vor dem Start mit meiner Anreise zur Nordischen Ski-WM in Schweden. Schließlich war die Gelegenheit noch nie besser, um zwei Highlights miteinander zu verbinden. Kleiner Nachteil: Ich musste meine Vorbereitung auf die Arbeit vor Ort in Falun abstimmen. Am Ende war ich ganz zufrieden, mit den Trainingseinheiten, die ich unter anderem am Ruhetag der Langläufer absolvierte. Direkt nach dem 50 Kilometer Rennen ging es mit Peter Schlickenrieder und Frank Schulz von Schulz Sport Reisen nach Rättvik, einem Ort ungefähr 30 Minuten vor Mora, wo sich das Ziel des Vasalaufs befindet.

Peter Schlickenrieder und Mario Felgenhauer auf der Vasalauf Strecke © Marco Felgenhauer

Viel Zeit zum Erholen blieb dort allerdings nicht, wollten wir doch schon am nächsten Tag beim Oppet Spar (Offene Spur) an den Start gehen. So war die Nacht von Sonntag auf Montag bereits um 3:00 Uhr beendet. Zusammen mit einigen anderen Startern unserer Reisegruppe machten wir uns im Bus auf nach Sälen, dem berühmten Startort des Vasalaufs. Von dort führt die Offene Spur am Sonntag und Montag vor dem Hauptlauf über die Originalstrecke. Vorteil ist allerdings, dass man innerhalb eines Zeitkorridors loslaufen kann und die Zeitnahme erst bei Überqueren der Startlinie gestartet wird. Da es etwas nieselte und eher ungemütlich war am Start, entschieden sich Schlicki und ich gemeinsam mit Michael Richter, einem der besten Deutschen beim Vasalauf, bereits vor der erstmöglichen Startzeit loszulaufen. Dadurch wurde zwar unsere Zeit nicht genommen, aber wir wollten sowieso nur bis Evertsberg (Kilometer 48) laufen. Auch wenn ich den beiden nicht folgen konnte, so war es doch ein guter Test nach zwei Wochen WM und ich ging etwas beruhigter in die letzten Tage vor dem großen Rennen. Diese nutzten wir für weitere kürzere Trainingseinheiten auf der Strecke und ein Fotoshooting mit meinem Bruder.

Am Donnerstag vor dem Rennen fand dann die offizielle Startnummernübergabe von Schulz Sport Reisen bei einer gemütlichen Abendveranstaltung statt. Für mich stand damit fest, dass ich mit Nummer 15720 aus dem dritten Startblock starten würde. Am Freitag legten wir noch einmal einen Ruhetag ein und am Samstag absolvierten wir das abschließende Training. Die Präparierung der Ski überließ ich dem ehemaligen DDR-Meister im Skilanglauf, Steffen Schneider von HWK, der als Wachser in unserer Reisegruppe mit dabei war. Dann hieß es früh ins Bett gehen, da der Wecker am Sonntag bereits um 2:30 Uhr klingeln würde.

Mario Felgenhauer beim Vasalauf © sportfoto.com

Dann ist der große Tag da: Der Wetterbericht hatte schon nichts Gutes verhießen und der Blick aus dem Fenster bestätigt meine Befürchtung. In der Nacht hat es nicht gefroren und die Strecke wird wohl sehr weich sein. Egal, wir können es sowieso nicht ändern. Peter und ich präparieren unser Frühstück und machen uns auf den Weg zum Bus. Nach zwei Stunden erreichen wir Sälen, wo schon viel Betrieb ist. Vor den Eingängen zu den Startblöcken haben sich schon lange Schlangen gebildet und wir stellen uns ebenfalls an, um möglichst weit vorne zu stehen. Beim Sprint zur Startposition muss ich bereits der ersten Wasserlache ausweichen, die sich gebildet hat. „Das kann ja lustig werden“, denke ich mir. Als ich meine Ski ablege, spricht mich der Läufer neben mir an und es stellt sich heraus, dass es sich um Bastian handelt, ein ehemaliger Tester beim Rollskitest. Was für ein Zufall! Dann geht es noch einmal zurück zum Bus in die Wärme. Erst 30 Minuten vor dem Start gehen wir zurück an unsere Position in dem nun dicht gefüllten Starterfeld. Es ist schon ein imposanter Anblick, wenn 14.000 Langläufer dichtgedrängt beieinander stehen und dem Start entgegenfiebern. Bei meinen Skiern angekommen staune ich wieder nicht schlecht, als ich vom Läufer hinter mir meinen Namen höre. Es ist Lars, ein ehemaliger Biathlonkollege von mir, den ich schon 15 Jahre nicht mehr gesehen habe. Irgendwie schon lustig, wie der Vasalauf verbindet. Dann brechen die letzten Minuten an und schließlich setzt sich das Starterfeld relativ unspektakulär in Bewegung. Ich stehe ziemlich weit links und komme gut über die ersten Meter bis zum Startberg. Andere haben nicht so viel Glück und immer wieder ist Stockkleinholz zu sehen. An einem kleinen See aus Schmelzwasser komme ich dann aber auch nicht vorbei und meine Füße sind ab sofort nass. Am Anstieg staut es sich dann etwas und es geht zähfließend voran. Vor allem die Doppelstockschieber haben nun Probleme, da sie grätschen müssen, obwohl eigentlich kein Platz dazu ist. Mein Ski steigt perfekt und ich kann parallel stehenbleiben. Sicherlich verliere ich ein paar Minuten gegenüber dem letzten Test am Montag, aber das lässt sich im Folgenden sicher wieder herausholen, denke ich mir. Nach etwas mehr als zwei Kilometern ist der höchste Punkt der Strecke erreicht und es wird flach in Richtung Smagan. Nun ist Schieben angesagt und ich muss leider die eine oder andere Gruppe ziehen lassen. Außerdem weht ein starker Wind, der von der Seite kommt und die Stöcke zur Seite drückt. Zum ersten Mal greife ich zur Trinkflasche und in Smagan greife ich auch bei der offiziellen Verpflegung zu. Das Rennen ist schließlich noch lang. Nach einigen Hügeln geht es dann tendentiell eher bergab in Richtung Mangsbodarna, das bei Kilometer 24 liegt und wo ich mir mein erstes Gel gönne. Mein Ski fährt gut, was mir Selbstvertrauen gibt. Vielleicht schaffe ich es ja trotz der schwierigen Bedingungen, unter sechs Stunden zu bleiben.

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