Langlauf Weltcup: Alexander Bolshunov siegt im Eisschrank Ruka – Bögl Siebter

Alexander Bolshunov (RUS) © Modica/NordicFocus

In einem ungewöhnlichen Rennen bei Temperaturen unter -20°C mit vielen Nicht-Startern setzte sich Alexander Bolshunov gegen seine Teamkollegen durch und feierte seinen ersten Saisonsieg. Lucas Bögl und Jonas Dobler nutzten das kleinere Starterfeld zur Erfüllung der vollen Olympianorm.

Temperaturen unter -20°C

Pierre Mignerey (FIS) misst die aktuelle Temperatur © Modica/NordicFocus

Die Wettkämpfe am Sonntag waren wegen der eisigen Kälte lange fraglich. Am See, dem kältesten Punkt der Strecke, wurden am Morgen -23,7°C gemessen. Später stiegen die Temperaturen leicht an, dennoch wurde das Rennen der Damen von ursprünglich 11:20 Uhr Ortszeit auf 14:45 Uhr finnischer Zeit verschoben, nachdem Pierre Mignerey am Stadion -20,5°C gemessen hatte. Schließlich wurde der Rennstart für 14:45 Uhr bestätigt, allerdings wurden bereits frühzeitig Absagen bekannt. Das Rennen der Herren wurde wie geplant um 13:30 Uhr finnischer Zeit gestartet. Schon kurz vor der offiziellen Bestätigung der Startzeit hatten sich aber mit Holund, Iversen und Krüger drei Norweger gegen einen Start entschieden. Um 13:05 Uhr Ortszeit sagte Trainer Arild Monsen im NRK den Start aller Norweger ab. Bereits gestern gab es mit Mäki und Lylynperä im finnischen Team zwei kältebedingte Absagen, während Ristomatti Hakala und Anna Dyvik wegen Sturzverletzungen nicht mehr antreten können. Der Finne brach sich eine Rippe und erlitt möglicherweise eine Gehirnerschütterung, die Schwedin Prellungen und Gehirnerschütterung.

Bolshunov sprintet zum Sieg

Sergey Ustiugov (RUS), Alexander Bolshunov (RUS), Artem Maltsev (RUS), (l-r) © Modica/NordicFocus

„Das wird ein enger Kampf werden, es sind sehr enge Abstände. Ich habe noch nicht viel Freistil trainiert auf Schnee, aber auf Skirollern lief es ganz gut. Ich hoffe, ich kann um die Podestplätze kämpfen“, sagte Iivo Niskanen noch im FIS-Interview, war dann aber wie die Norweger und zehn weitere Athleten nicht am Start. „Das ist einfach viel zu kalt“, sagte er kurz darauf beim Verlassen des Stadions. Ohnehin gab es vor dem Start ein großes Chaos, weil es Probleme mit der Zeitnahme gab. Nach Erreichen der Startzeit wurden drei Minuten Verzögerung angezeigt, dann ging es aber doch schon etwas früher los, so dass manche Athleten in den ersten Startreihen die Hände noch nicht in den Stockschlaufen hatten und etwas verzögert losliefen: Bolshunov startete als Erster ins Rennen, weil Chervotkin zu denen gehörte, die noch nicht startklar waren. Maltsev sagte später dazu: „Das einzige war ein kleines Problem mit der Zeitmessung am Start. Alles war so unverhersehbar. Drei Minuten vor dem Start arbeiteten sie noch an der Anzeige. Aber in der Kälte konnten wir nicht rumstehen, so mussten wir uns bewegen und etwas anziehen. Und dann hörte ich Chervotkin: ‚Es geht los!‘ Und ich musste fünf Sekunden nach ihm los. Innerhalb von drei Sekunden habe ich die Ski angeschnallt, ohne in die Stockschlaufen zu schlüpfen – das habe ich erst in der Abfahrt gemacht.“ Ohne Klassik-Sieger Niskanen und die Norweger bildete sich schnell eine fünfköpfige russische Spitzengruppe, die aber kein hohes Tempo anschlug, so dass die zweite Gruppe von Maltsev angeführt herankam, zu der auch Lucas Bögl gehörte. Nach dem Zusammenschluss zeigte sich der Tscheche Michal Novak immer wieder weit vorne, während sich Alexander Bolshunov nach seinen gesundheitlichen Problemen in der Gruppe völlig versteckte und nie Führungsarbeit verrichtete. Erst mit Beginn der letzten Runde setzte sich Bolshunov an die Spitze und erhöhte das Tempo, dem dann zunächst Alexey Chervotkin zum Opfer fiel, wenig später auch Bögl und Semikov. Bolshunov ging als Erster gefolgt von Maltsev und Ustiugov in den Berg und ließ den Teamkollegen auch auf der Zielgeraden keine Chance. Der 24-Jährige feierte seinen ersten Saisonsieg gefolgt von Sergey Ustiugov und Artem Maltsev. Rang vier ging an Ivan Yakimushkin vor Michael Novak und Ilia Semikov. Trainer Yuriy Borodavko sagte später: „Die Jungs entscheiden selbst, ob sie antreten. Wir haben uns entschieden, dass wir antreten, weil es keine große Konkurrenz gab. So mussten wir kein schnelles Tempo gehen. Das größte Risiko bei solchen Bedingungen ist das Atmen und das geringe Tempo war wegen der geringen Konkurrenz möglich.“

Deutsche nutzen ihre Chance

Lucas Boegl (GER) © Modica/NordicFocus

Das deutsche Team hat das Bestmögliche aus den eisigen Bedingungen herausgeholt. Mit Lucas Bögl und Jonas Dobler lösten gleich zwei Athleten schon am ersten Wochenende das Olympiaticket. Vom ersten Meter hatte sich Lucas Bögl in der Nähe von Artem Maltsev aufgehalten, der sechs Sekunden früher gestartet war. Unter der Führung des Russen wurde die Gruppe an die bummelnde Spitzengruppe herangeführt, so dass schon nach der Hälfte der Distanz ein Platz unter den besten Acht ziemlich sicher schien. In dieser Achtergruppe konnte sich der 31-Jährige auch bis kurz vor Schluss halten und belegte schließlich Platz sieben mit 17 Sekunden Rückstand auf den Sieger, während der achtplatzierte Chervotkin fast noch von der nächsten Gruppe eingeholt wurde. „Fazit absolut positiv, absolut genial. Man hat vielleicht mit dem Hinterkopf auf eine halbe Quali geschielt, wenn alles top läuft. Aber dass man sich dann hier gleich die ganze holt und auch fürs team – wir haben jetzt fünf komplette Olympia-Qualis. Das ist natürlich richtig geil. Das macht eine richtig gute Stimmung bei uns und bei mir. Dann ist dieser Druck weg, man ist erleichtert und man freut sich jetzt schon auf eine geile Vorbereitung und das kann man jetzt ganz anders gestalten. Das ist das Hauptfazit. Da sind wir alle froh drum, wir haben alle super Latten gehabt, unser Material hat super gearbeitet und jetzt tauen wir langsam auf und der eingefrorene Kopf realisiert das und dann ist es eine coole Geschichte“, freute sich Lucas Bögl. Zu der zweiten Gruppe gehörte auch Jonas Dobler, der schon auf der ersten 2,5 Kilometer-Schleife von Lucas Bögl überholt wurde. Im Endspurt der zweiten Gruppe erwiesen sich die Italiener Federico Pellegrino und Francesco de Fabiani als am Stärksten und holten sich Platz neun und zehn. Rang 14 ging an Jonas Dobler, der damit die Olympianorm komplettierte. Auch für Friedrich Moch war es sehr eng im Kampf um Platz 15. Von einem bärenstarken Andrew Musgrave wurde seine Gruppe kurz nach Beginn der zweiten Rennhälfte an die von Jonas Dobler herangeführt. Am Ende fehlten allerdings die Kräfte, sich in der großen Gruppe noch weiter nach vorne zu schieben. Allerdings lief er dennoch die siebtschnellste Zeit, so dass er ebenfalls bereits für die Olympischen Spiele qualifiziert ist. Er belegte einen sehr guten 18. Platz. Janosch Brugger wurde 27. und auch Florian Notz sammelte als 30. noch einen Punkt ein. Rang 33 ging an Thomas Bing.

Golden ticket! ✅ Durch die tolle Leistung in der Verfolgung von Ruka lösen Lucas Boegl, Jonas Dobler und Friedrich Moch ihre Fahrkarte nach Peking. Freude pur bei den Langläufern! 🎉 #SkiDeutschland

Posted by DSV Nordisch on Sunday, November 28, 2021

Vermeulen wieder vor allen Schweizern

Friedrich Moch (GER), Andrew Musgrave (GBR), Mika Vermeulen (AUT) © Modica/NordicFocus

Wie gestern rangierte sich auch diesmal wieder der Österreicher Mika Vermeulen vor allen Schweizern ein. Als 23. lieferte er wieder ein gutes Rennen ab, auch wenn er wegen der Nicht-Starter faktisch einige Athleten passieren lassen musste. „Das war definitiv das kälteste Rennen, das ich jemals gelaufen bin. Das war heute richtig zach. Alles tat weh und alles war kalt, aber mit der Platzierung bin ich absolut zufrieden. Es war auch beim Start extrem hektisch, weil zahlreiche Athleten nicht angetreten sind. Das hat die ganze Situation auch nicht wirklich entspannt.“ Der gestern direkt hinter ihm platzierte Dario Cologna, der gestern durch einen Stockbruch Zeit verlor, trat heute nicht an. So arbeiteten sich Roman Furger und Jason Rüesch weit nach vorne und holten als 25. und 26. noch Punkte. Jonas Baumann wurde 29. und Candide Pralong 38.

=> Ergebnis 15 Kilometer FT Verfolgung

 

 

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