Von Maloja nach S-chanf: Loipencheck auf den Spuren des Engadin Skimarathon

Von Maloja nach S-Chanf durchs Engadin: Bei Silvaplana © Michael Rackl/xc-ski.de

Mitte März warten hier in Maloja 12.000 Teilnehmer auf den Startschuss zum Engadin Skimarathon. Heute stehe hier nur ich, bereit für einen Blitzbesuch im wundervollen Hochtal im Schweizer Kanton Graubünden.

Loipenkilometer ohne Ende, Schneesicherheit und lange Phasen mit perfektem Winterwetter, das ist es, was das Engadin auszeichnet. Ich habe mich mal wieder dorthin begeben, um für euch die schönsten Abschnitte entlang der Marathonstrecke zu erkunden und mich selbst auf den 42 Kilometern von Maloja nach S-Chanf zu fordern. Deshalb bin ich auch schon am Tag zuvor angereist, um ausgeruht und gestärkt in diese Challenge zu gehen, die ihr Anfang März beim „Engadin Skimarathon individual“ oder beim Hauptlauf selbst absolvieren könnt. Einquartiert habe ich mich im Hotel Steinbock, einem der 21 Nordic Hotels im Engadin, die sich auf Skilangläufer spezialisiert haben und den passenden Service bieten. Dazu zählen zum Beispiel ein Wachsraum mit Skiaufbewahrung und Trocknungsmöglichkeiten für die Langlaufschuhe.

Von Maloja nach S-Chanf durchs Engadin: Start in Maloja © Michael Rackl/xc-ski.de

Am nächsten Morgen stehe ich dann bei Sonnenschein und leichten Minusgraden vor dem Maloja Palace am Rande des Silsersees und zähle in meinem Kopf den Countdown bis zum Start. 3, 2, 1 und los! Mit beinahe Renngeschwindigkeit geht es auf den Silsersee und ich folge ihm für die ersten Kilometer bis zum Ort Sils. Kurz davor taucht plötzlich Curdin Perl auf. Der Ex-Weltcupläufer und Engadiner Lokalmatador gibt gerade einen Skilanglaufkurs im flachen Gelände vor den Häusern des kleinen Dorfes. Ich grüße kurz im Vorbeilaufen und folge der Strecke um die Siedlung herum. An dieser Stelle muss ich zur Straßenquerung die Ski abschnallen. Aber das wird mir heute nicht allzu oft passieren. Meist führt die Strecke durch Unterführungen oder über Brücken. Wenig später komme ich am steilen Einstieg der Loipe ins Val Fex vorbei. Hier war ich im vergangenen Winter unterwegs. Wer eine anspruchsvolle Runde sucht, der muss dort unbedingt mal hinauf.

Ich bleibe allerdings im flachen Gelände und erreiche den Silvaplanasee. In der Ferne sehe ich schon die Brücke, unter der ich durchlaufen werde und das Schloss Crap da Sass. Inzwischen habe ich meinen Rhythmus gefunden und gleite in angenehmem Tempo dahin. Direkt nachdem ich die Brücke hinter mir gelassen habe, sehe ich rechts einen kleinen Imbiss, der hier zu einer Pause einlädt. Ich laufe aber weiter und nehme nur einen Schluck aus meinem Trinkgurt. Wenig später erreiche ich das Ende des Sees und vor mir liegt die steile Rampe hinauf zur Olympiaschanze. Während dem Engadin Skimarathon staut es sich hier meist im hinteren Teil des Starterfeldes. Heute laufe ich ganz entspannt und alleine bis nach oben. Ein kurzer Blick zur Schanze und weiter geht’s hinunter nach St. Moritz. Dabei passiere ich die Nordic Arena, in der es neben einer anspruchsvollen Trainingsrunde auch eine Nordic Cross Strecke mit großen Buckeln gibt.

Von Maloja nach S-Chanf durchs Engadin: Stazerwald © Michael Rackl/xc-ski.de

Mit nur einer Straßenquerung, an der ich die Ski abschnallen muss, gelange ich auf perfekter Loipe durch den bekanntesten Ort des Engadins. Wenig später beginnt der Anstieg hinauf zum Stazersee und in den Stazerwald. Traumhaft ist es hier oben und die Kilometer verfliegen wie von selbst. Langsam geht es Richtung Halbmarathon doch vor mir liegt noch die berüchtigte Abfahrt aus dem Stazerwald in Richtung Pontresina. Doch erneut bin ich alleine auf diesem Streckenabschnitt und habe viel Platz zum Manövrieren. Kein Problem also und wenig später erreiche ich das Langlaufstadion von Pontresina. Als Erstes fällt mir hier die neue Brücke ins Auge, über die es auf die andere Seite des Ova da Roseg geht. Von dort aus könnte man ins Val Roseg oder nach Morteratsch starten. Zwei wunderschöne Loipen, die ich mir aber für einen anderen Tag aufheben muss. Mein Weg führt mich auf der Skimarathonstrecke hinunter nach Celerina.

Auch hier wurde die Strecke modifiziert, enthält jetzt einen deutlich breiteren Abschnitt und eine kleine Zusatzschleife vor der Kirche San Gian, die als begehrtes Fotomotiv dient. Ich passiere zum wiederholten Mal ein kleines Cafe am Streckenrand, aber irgendwie denke ich gar nicht so wirklich daran, mich zu verpflegen. Zu groß ist der Drang in Richtung Ziel. Auf dem Weg dorthin beginnt nun ein längerer flacher Abschnitt vorbei am Flugplatz von Samedan. An dessen Ende überholen mich zwei Norweger, die sich hier gerade auf den La Diagonela vorbereiten, den bekannten Skimarathon in klassischer Technik. Aber erst in La Punt, als wir zu Fuß durch den Ort laufen, hole ich sie ein. Leider biegen sie wenig später ab und laufen eine der zahlreichen anderen Runden entlang der Strecke.

Von Maloja nach S-Chanf durchs Engadin: Der letzte Kilometer © Michael Rackl/xc-ski.de

Es wird wieder hügeliger und gegenüber von Zuoz wartet eine erste steilere Rampe auf mich. Langsam macht sich etwas Müdigkeit bemerkbar. Ich hätte wohl doch eine der zahlreichen Imbiss-Möglichkeiten wahrnehmen sollen. Die letzten Kilometer sind nun aber angebrochen und ich will nicht mehr pausieren. Die Golanhöhen fordern schließlich alle meine Reserven und ich bin froh, als ich das Hinweisschild auf den finalen Kilometer entdecke. Über eine schmale Abfahrt und die Innbrücke gelange ich schließlich bis kurz vor die Ziellinie, die aber nur in der Rennwoche tatsächlich zu erreichen ist. 44 Kilometer zeigt meine GPS-Uhr und ich gebe mich zufrieden mit dem Blick auf das Gelände, wo im März wieder 12.000 Teilnehmer ihren Engadin Skimarathon beenden werden.

Für mich war es ein Lauf mit vielen Erinnerungen an meine Teilnahme im Jahr 2004. Allerdings habe ich auch viele neue Abzweigungen und Loipen entdeckt, die ich demnächst unbedingt einmal erkunden muss! Vielleicht sehen wir uns dann ja im Engadin?

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