Langlauf Weltcup: Ski Tour 2020 in Schweden und Norwegen steht bevor

Ski Tour 2020 in Schweden und Norwegen © Ski Tour 2020

Dem Langlauf Weltcup steht das zweite Highlight der Saison 19/20 ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele bevor: Die Ski Tour 2020 mit sechs Etappen in neun Tagen zwischen Östersund und Trondheim.

Nachhaltiges und stressfreies Konzept

Das Konzept der Ski Tour 2020 ist nachhaltig und stressfrei: Sechs Etappen in neun Tagen, von Östersund aus geht es über insgesamt 260 Kilometer immer nach Westen, die Transferdistanzen sind auf einer gut ausgebauten Straße auch für die Technik schnell zu bewältigen. Die Teams selber reisen nachhaltig per Bahn von Ort zu Ort – VY, die schwedisch-norwegischen Verkehrsbetriebe, sind Hauptsponsor der Tour. Wie bei der Tour de Ski sind die Wettkämpfe wieder für den Nachmittag angesetzt und zum ersten Mal seit Jahren gibt es bei einem Etappenrennen wieder eine Transfer-Etappe, wie damals von Cortina nach Toblach. „Nach einem Jahr Vorbereitung auf die Ski Tour 2020, in dem wir uns immer wieder gefragt haben, wie wir noch nachhaltiger werden können bei der Durchführung des Rennens, bin ich nun gespannt, wie es funktionieren wird und wie das Feedback der Athleten und Betreuer ausfallen wird“, sagte OK-Chefin Guri Hetland.

 

 

Von Östersund immer nach Westen

Startpunkt für die Ski Tour 2020 ist die Biathlon-Hochburg Östersund. In der 50.000 Einwohner-Stadt am Storsjön, dem fünftgrößten See Schwedens, stehen am Samstag und Sonntag Einzelstartrennen auf dem Programm – zunächst Freistil, dann klassisch mit Handicapstart. Nach einem Trainings- und Reisetag geht es im Alpin-Mekka Åre weiter, das keine 3000 Einwohner zählt und knapp 100 Kilometer westlich von Östersund liegt. Dort wird am Dienstag am Fuße der Abfahrtsstrecke ein Freistilsprint ausgetragen. Die Transfer-Etappe der Ski Tour geht am Donnerstag über 38 Kilometer im freien Stil von Storlien nach Meråker, der Heimat von Emil Iversen. Das Tourismus-Dorf Storlien gehört zur Gemeinde Åre, hat nur knapp 80 Einwohner und liegt direkt an der Grenze zu Norwegen. Von dort bis in Emil Iversens Heimat Meråker wären es auf der Straße nur 24 Kilometer, für die Langläufer gilt es allerdings, weit abseits der Straßen, 38 Kilometer mit Massenstart zu bewältigen. Zum Abschluss im 80 Kilometer entfernten Granåsen Skizentrum in Trondheim kommen im Rahmen eines Nordic Weekends mit den Kombinierern für die Langläufer an beiden Wettkampftagen nur noch die Klassikski zum Einsatz: Samstag wird klassisch gesprintet, Sonntag steht zum Abschluss der Tour ein langes Distanzrennen mit Handicapstart auf dem Programm. Insgesamt hat die Ski Tour eine Länge von 73 Kilometern bei den Damen und 98 Kilometern bei den Herren, wobei idealerweise bei Erreichen der Sprintfinals noch etwa vier Kilometer (Åre) beziehungsweise sechs Kilometer (Trondheim) dazukommen.

 

Besonderheiten der Etappen

Für die Einzelstarts in Östersund ist eine 5 Kilometer lange Runde vorbereitet, die Verfolgungsrennen werden auf einer 3,3 beziehungsweise 3,75 Kilometer-Runde ausgetragen. Speziell ist die Sprintstrecke in Åre, die nur 900 Meter lang ist und sich am Fuße der Abfahrtsstrecke befindet. Das Ziel liegt dabei höher am Hang als der Start, so dass die Athleten zwischen den Heats einen Weg zu Fuß bewältigen müssen. Die Überführungsetappe von Storlien nach Meråker ist 38 Kilometer lang und führt größtenteils weitab der Straße durchs Gelände. Das bedeutet, dass Coaching und Verpflegung nur an zwei Stellen möglich ist: Bei Kilometer 22, wo die Straße nah an der Strecke vorbeiführt, und vier Kilometer vor dem Ziel. Dort können die Betreuer die Athleten aber auch nur über eine etwa drei Kilometer lange Strecke per Ski erreichen. Das bedeutet, dass die Sportler ihre eigene Verpflegung im Trinkgurt mitführen müssen. Feste Nahrung ist bei 38 Kilometern vermutlich nicht notwendig. Skidoos zur Betreuung der Athleten sind nicht erlaubt, um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Ersatzstöcke gibt es von Skidoos des OK beziehungsweise an festen Posten entlang der Strecke, auch für Erste Hilfe ist gesorgt. Der Kurs geht durch bergiges Gelände, wenn die Wetterbedingungen zu widrig sind, wird ersatzweise eine 3,75 Kilometer-Runde in Meråker genutzt. Der Sprintkurs in Trondheim ist 1500 Meter lang, für das Handicaprennen wird eine 5 Kilometer-Runde genutzt.

 

 

Klæbo ist dabei!

Großen Wirbel verursachte wieder einmal die Nominierung in Norwegen, wo nicht alle mit den Entscheidungen zufrieden sind. Emil Iversen, Johannes Høsflot Klæbo, Hans Christer Holund, Simen Hegstad Krüger, Sjur Røthe und Pål Golberg waren bereits vorab gesetzt, am Montag wurden die restlichen Plätze mit Martin Johnsrud Sundby, Martin Løwstrøm Nyenget, Erik Valnes und Finn Hågen Krogh aufgefüllt. Das hieße, dass Didrik Tønseth und Sindre Bjørnestad Skar, die mit einem Start gerechnet hatten, die Rennen nur im Fernsehen verfolgen können, sofern niemand mehr ausfällt (auch Jan Thomas Jenssen fehlt im Aufgebot). Das hätte aber schnell passieren können, schließlich ist heute der 13. Februar und damit Klæbos Stichtag: Erhält er vom Arzt die Starterlaubnis? Überraschenderweise erhielt er schon zehn Tage nach dem Bruch des Ringfingers die Startfreigabe des Arztes. „Laut Arzt ist die Fraktur auf dem Röntgenbild gut zu erkennen, hat sich aber seit der letzten Woche nicht verändert. Darum sagte der Arzt: „Feuer frei! Das Risiko, dass es sich verschlechtert, ist nur gering“, verkündete Klæbo im NRK. Bei den norwegischen Damen gab es keine großen Diskussionen nach den Nominierungen des Trainerteams: Alle sind fit, Maiken Caspersen Falla, Ragnhild Haga, Astrid Uhrenholdt Jacobsen, Therese Johaug, Julie Myhre, Anna Svendsen, Heidi Weng, Lotta Udnes Weng, Tiril Udnes Weng und Ingvild Flugstad Østberg bilden das zehnköpfige norwegische Team.

 

 

Diverse Ausfälle

Auch im schwedischen Team gibt es gesundheitliche Sorgen, Oskar Svensson fällt erkrankt aus und wird durch Daniel Rickardsson ersetzt. Nach zwei schweren Rennen in Falun, nach denen sie untröstlich war und von den Fans via Social Media wieder aufgebaut werden musste, entschied sich die 21-jährige Moa Lundgren, sich selbst aus dem Ski Tour-Aufgebot zu streichen. Frida Karlsson taucht zwar im Kader auf, wird aber nur in Östersund am Start stehen – mehr lässt die Form nach ihrer langen Zwangspause noch nicht zu. Mit Spannung erwartet wird das Tour-Debüt von Linn Svahn, die sich bisher nur in Davos erfolglos in einem Distanzrennen versuchte, in dem sie so viel mehr von sich erwartet hätte. Im finnischen Lager muss Ristomatti Hakola, der über weite Strecken der Saison mit einem entzündeten Zeh kämpfte, einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Wegen eines fieberhaften Infekts muss der Sprinter auf die Ski Tour verzichten und wird durch Lauri Vuorinen ersetzt. Schon vorher fehlte Perttu Hyvärinen auf der Nominierungsliste, auch er ist krank. Aus finanziellen und Form-Gründen schickt das finnische Team nur vier Damen und vier Herren. Das russische Team besteht aus sieben Damen und neun Herren, es gibt keine nennenswerten Ausfälle. Mit dabei ist somit auch Sergey Ustiugov, obwohl seine gute Form seit der Tour de Ski völlig verschwunden ist – die genaue Ursache kennt niemand, vermutlich sind die Antibiotika bei seinem Infekt im Januar Schuld, aber auch die Trainingspläne sollen nach der Saison überprüft werden.

 

 

Drei Österreicher und sieben Schweizer bei der Ski Tour

Während der Deutsche Skiverband die Wettkämpfe wie bekannt auslässt und stattdessen die Weltmeisterschaften der kommenden Saison im Oberstdorf simuliert, schickt Ski Austria drei Sportler in die neue Ski Tour in Skandinavien, nämlich Teresa Stadlober und Lisa Unterweger sowie Bernhard Tritscher. Das Trio geht mit unterschiedlichen Erwartungen und Zielen in diese Tour. Für Teresa Stadlober steht die Gesamtwertung im Vordergrund, in der sie sich unter den ersten zehn, mit starken Resultaten bei den Etappen positionieren möchte. Lisa Unterweger und Bernhard Tritscher wollen vor allem im mit guten Leistungen bei den Einzelrennen aufzuzeigen, da beide die Tour nicht zu Ende laufen werden. „Die letzten Wochen waren wirklich sehr schwer für mich, da ich körperlich und mental angeschlagen war. Die Pause vom Weltcup hat mir gutgetan. Auch wenn die Ergebnisse im COC nicht top waren, merke ich, dass ich wieder zu Kräften komme und es wieder aufwärtsgeht“, so Lisa Unterweger. Teresa Stadlober hatte unerwartet viel Trainingszeit in Östersund: „Ich bin am Montag direkt aus Falun weiter nach Östersund gereist, da unser geplanter Heimflug aufgrund des Sturmtiefs Sabine in Deutschland gecancelt wurde. Die gewonnene Zeit in Östersund habe ich genutzt um die für mich neuen Strecken kennenzulernen und so noch mehr dem Start entgegen zu fiebern. Die Ski Tour bietet viele neue Inhalte für uns Athleten mit einem Bergsprint in Are oder dem 38 km Rennen mit Selbstverpflegung. Zudem bin ich gespannt auf das Zugfahren von Station zu Station. Mein Ziel ist es in der Gesamtwertung ein Top Ten Ergebnis zu erreichen und bei einzelnen Etappen vorne mitzumischen.“ Swiss-Ski geht mit zwei Damen und fünf Herren in die Auftaktetappen der Ski Tour. Nadine Fähndrich hatte den Weltcup in Falun ebenfalls noch ausgelassen wie auch Dario Cologna, Jonas Baumann und Beda Klee, die gemeinsam mit Laurien van der Graaff, Roman Furger und Jason Rüesch das Schweizer Team bilden.

 

 

Winter in Schweden, Plusgrade in Norwegen

Wie Bilder und Videos aus allen Etappenorten zeigen, sind die Schneebedingungen überall optimal: Endlich sieht die Landschaft winterlich aus! In Östersund liegen die Temperaturen aktuell im Minusbereich und das soll auch am Wochenende so bleiben. Mit Niederschlag ist nicht zu rechnen. In den Bergen etwas weiter westlich gibt es heute und in den nächsten Tagen noch etwas Neuschnee, am Wochenende steigen die Temperaturen dann aber in den Plusbereich – ebenso in Trondheim. Wenn man sich die Rennen der Ski Tour im TV ansehen will, empfiehlt sich vorher ein Blick in die TV-Zeitschrift oder ins Internet. Vor allem am Wochenende werden aus Zeitmangel nur wenige Rennen komplett live übertragen. Das ZDF straft eine Ski Tour ohne deutsche Starter sogar komplett mit Nichtbeachtung, auch die ARD zeigt nur kurze Zusammenfassungen. Am besten sieht es mit Live-Übertragungen noch unter der Woche aus, sowohl bei Eurosport 1 als auch ORF Sport+ und SRF2. Alles live gibt es im Eurosport Player.

 

 

Ski Tour 2020

Eine Übersicht aller Etappen findet ihr HIER. (inkl. Live-Übertragungen)