Verletzungs-Update: Wie geht es eigentlich….?

Victoria Carl in der Reha © Victoria Carl Facebook

Maiken Caspersen Falla und allen voran Stina Nilsson haben ihre Verletzungen während der Saison überstanden, aber wie geht es Thomas Bing, Victoria Carl, Steffi Böhler, Nicole Fessel, Lucas Chanavat, Niklas Dyrhaug, Sergej Ustiugov und Kikkan Randall?

Thomas Bing (GER)

Seit Thomas Bing sich am 3. Februar bei einem Trainingssturz im Tiefschnee Schien- und Wadenbein brach und er sich gedanklich von der WM in Seefeld verabschieden musste, arbeitet er fleißig an seinem Comeback. Seine komplizierte Verletzung war in Südtirol zunächst provisorisch mit Fixateur externe stabilisiert worden, bevor er nach Berlin geflogen wurde, wo an der Charité die eigentliche Operationen stattfand, in der die Brüche mittels Marknagel und Schrauben gerichtet wurden. In der Reha arbeitete er seitdem daran, wieder genügend Muskulatur im verletzten linken Bein aufzubauen, um sich auf die nächste Langlauf-Saison vorzubereiten, in der allerdings weder Weltmeisterschaften noch Olympische Spiele auf dem Programm stehen.

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Frieren für den Stoffwechsel und gegen Schmerzen.

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Vici Carl (GER)

Nach einer starken Saison mit vielen Top-Resultaten, erklärte Victoria Carl ihre Saison nach dem Massenstart bei der WM in Seefeld für beendet. Schon wenige Tage später wurde bei einer seit längerem geplanten OP eine Verknöcherung am Patellasehnenansatz entfernt. „Durch die Verknöcherung stand meine Patellasehne dauernd unter Spannung, das hat mich zuletzt auch beim Trainieren behindert. Von daher habe ich mich nach Absprache mit den Mannschaftsärzten und Trainern für diesen Eingriff entschieden“, sagte Carl. Um ein erneutes Knochenwachstum an gleicher Stelle zu verhindern, muss die 23-Jährige in den kommenden vier bis fünf Monaten beim Training kürzer treten. „Ich werde viel Schwimmen und mit geringem Widerstand Radfahren, um meine Ausdauer auf einem hohen Niveau zu halten. Sportspezifisches Training wie Skirollern muss aber erst mal hinten anstehen“, sagt Carl, die Anfang April ein auf sie abgestimmtes Reha-Programm im Medical Park Chiemsee starten wird, wie der DSV nach der OP bekanntgab. Schon als 18-Jährige hatte Vici Carl Probleme mit dem linken Knie, als im Januar 2014 die Kniescheibe heraussprang und ein Band riss. Schon damals war eine mehrmonatige Zwangspause die Folge, die damit endete dass sie ihr Glück im Sommer im Biathlon suchte und in der neuen Trainingsgruppe neue Motivation fand. Wie wir alle wissen, blieb die Thüringerin dem Langlauf aber trotz überraschend guter Schießleistungen treu.

Steffi Böhler (GER)

Für Steffi Böhler sollte die Saison 2018/19 der Abschluss ihrer Weltcupkarriere sein – mit einer Fast-Heim-WM in Seefeld. Schon vor der Saison war klar, dass sie im Alter von 38 Jahren nach dem Winter ihre Wettkampfski in die Ecke stellen wird. Aber in dieser letzten Saison sollte es zu keinem einzigen Wettkampf-Kilometer kommen, Bilder im Schnee sah man von der Schwarzwälderin in den sozialen Netzwerken in diesem Winter kaum. Den Saisonauftakt verpasste sie wegen eines in Muonio zugezogenen Infekt, größtes Problem war aber ein Wildunfall, der sie ihre letzte Saison kostete. In Folge des Schleudertraumas kam es auch längere Zeit nach dem Unfall immer wieder zu Schwindelanfällen, so dass ein Formaufbau nicht möglich war. Im Laufe der Zeit musste sie sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es ein Karriereende ohne weiteren Wettkampf wird.

Nicole Fessel (GER)

Nicole Fessel konnte in der abgelaufenen Saison wie auch Steffi Böhler kein einziges Rennen absolvieren. Seit einem Jahr laboriert die Allgäuerin an Problemen am Fuß, bei denen lange Zeit nicht klar war, um was genau es sich handelt. Inzwischen steht eine Plantarfasziitis als Diagnose fest, die sich aber als sehr therapieresistent erweist, wie Nicole Fessel selbst sagte: „Mit meinem Fuß ist das eine sehr lange Leidenszeit mit viel Auf und Ab und es hat sich leider als therapieresistent erwiesen.“ Eine Plantarfasziitis ist eine Entzündung einer Bindegewebsplatte in der Fußsohle. Sie entsteht häufig durch eine Überlastung und macht sich durch schmerzhafte Entzündungserscheinungen bemerkbar. Im Januar hat ein MRT ergeben, dass die kleinen Sehnenrisse sich vergrößert haben, so dass für März ein letzter Versuch geplant wurde. „Die OP im März ist ein Schritt, den ich jetzt nochmal angehen will, um zu sagen, dass ich alles gemacht habe. Ich muss abwarten, wie es läuft, dann muss ich wieder aufbauen. Wenn alles gut läuft, ist mein Fernziel Oberstdorf 2021. Näheres kann man aber erst im Juli/August sagen.“ Für die Oberstdorferin wäre es die zweite Heim-WM ihrer Karriere — die erste erlebte sie mit 21 Jahren.

Lucas Chanavat (FRA)

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Kanada legte sich Lucas Chanavat in Lyon unters Messer. In einer lange geplanten OP wurde der Sprintspezialist am Freitag an der Hüfte operiert, die zweite folgt in den nächsten Tagen. Schon vor einigen Jahren, im Jahre 2014, musste er sich einer Operation am Rücken unterziehen, damals verpasste er die Hälfte der Saison. „Diesmal mache ich es direkt nach Saisonende!“, meinte er. 

Niklas Dyrhaug (NOR)

Habt ihr Niklas Dyrhaug vermisst im letzten Winter? Für den Norweger war es ein Jahr zum Abhaken, eine Saison, in der er kein einziges Rennen bestritt. Ende April begann alles mit einer ausgekugelten Schulter, was ihn den ganzen Mai beschäftigte. Im Juni folgten Probleme mit einem Weisheitszahn. Ende Juli, nach dem Auf und Ab Laufen beim Kristiansand Skifestival hatte er Schmerzen in der Wade und es wurde festgestellt, dass ein Wadenmuskel fast abgerissen war. „Nun muss aber mal Schluss sein bei Niklas“, meinte Johannes Høsflot Klæbo, einer seiner besten Freunde im Weltcup. Dyrhaug hoffte auf einen verspäteten Saisoneinstieg. Damit aber nicht genug: Schon seit vielen Jahren beschäftigen den 31-Jährigen immer wieder Rücken- und Leistenprobleme, seit er als 15-Jähriger Fußball gespielt hatte. Nach 16 Jahren wurde endlich eine Ursache gefunden, wie an Weihnachten in einer Pressemeldung bekanntgegeben wurde: Eine Sportlerhernie. Sie entsteht durch eine chronische Überbeanspruchung im Becken-Bein-Bereich, wie sie insbesondere bei Leichtathletik, Tennis, Golf, Fußball und Eishockey oder auch beim Langlauf beim Skaten auftreten kann. Durch eine Zunahme der Scherkräfte im Becken und der Beinmuskulatur kommt es zu einer Koordinationsdysbalance und einem Verlust der Rotationsstabilität der schrägen Bauchwandmuskulatur. Muskuläre Verletzungen können ursächlich für die Sportlerhernie sein. Diagnostiziert wird diese Erkrankung mittels Ultraschall, therapiert durch eine Operation. Der Beginn der Beschwerden ist oft unklar, in Dyrhaugs Fall aber erstmals mit 15 Jahren beim Fußballspielen aufgetraten. Auch die Ausbreitung des Schmerzareals kann wechseln, verteilt sich oft über Unterbauch, Hüfte, Leiste und Oberschenkel. Typischerweise wird über ein Ausstrahlen des Schmerzes in den Oberschenkel und/oder Genitalbereich berichtet. Die Ursache der Schmerzen ist meist eine isolierte Nerveneinklemmung von oberflächigen Nerven in der Bauchwand. Diese Nerven haben ihren Ursprung im unteren Teil der Wirbelsäule. Darum denken die Betroffenen und oft auch Ärzte zunächst an Bandscheibenbeschwerden. „Ich habe mich gestern endgültig für einen Operation entschieden nach einer langen Zeit der Schmerzen während des Trainings“, sagte der Norweger kurz vor Weihnachten. „Nun hoffe ich, dass die Operation schnell durchgeführt werden kann und ich Ende Januar wieder in vollem Training stehen kann. Ende Februar/Anfang März bin ich dann hoffentlich wieder ganz fit und kann mich auf die nächste Saison vorbereiten.“ Der Eingriff fand schließlich Mitte Januar in München statt.

Sergey Ustiugov (RUS)

Nachdem ihm schon in der letzten Saison wegen des Olympia-Ausschlusses in der zweiten Saisonhälfte die Motivation fehlte, hatte Sergey Ustiugov sich für 2019 wieder einiges vorgenommen. Aber nach einem Bruch des Daumens im Trainingslager vor Saisonbeginn konnte er erst in Davos in die Saison einsteigen. Zur Tour de Ski hatte er seine Form gefunden und beendete sie als guter Zweiter. Die Weltmeisterschaften in Seefeld verliefen aber alles andere als nach Wunsch. Zu Beginn wurde er im Sprint nach zwei gelben Karten an einem Tag disqualifiziert, in der Staffel sorgten starke Magenprobleme dafür, dass er als Schlussläufer nicht mit Johannes Høsflot Klæbo mithalten konnte, sein Team aber immerhin Silber gewann. Mitte März gab Markus Cramer gegenüber den Medien bekannt, dass Gallensteine die Ursache für Ustiugovs Probleme seien: „Es fing bei den Weltmeisterschaften in Seefeld an. Er bekam große Probleme mit der Gallenblase. Als er nach Moskau zurückkam, wurde er von mehreren Ärzten untersucht, die Steine in der Gallenblase fanden. Immer wenn er ein höheres Tempo laufen wollte, hatte er schlimme Schmerzen in der Gallenblase.“ Der Russe wurde in Moskau operiert, die Saison war für ihn vorzeitig beendet.

Kikkan Randall (USA)

Auch wenn sie ihre Karriere schon vor einem Jahr beendete, bewegte jeden ihr Schicksal: Ausgerechnet am Muttertag, nach einem schönen Tag mit Ehemann Jeff und Söhnchen Breck, entdeckte sie abends beim Umziehen einen Knoten in der rechten Brust. Die endgültige Diagnose erhielt sie 2,5 Wochen später per Telefon, als sie gerade auf dem Weg zur Hochzeit von Anna Haag und Emil Jönsson in Schweden war: Brustkrebs, im zweiten Stadium. Die kleine Familie war soeben nach Penticton, einer kanadischen Kleinstadt zwischen zwei Seen in Okanagan Valley umgezogen, etwa 100 Kilometer östlich von Vancouver. Penticton heißt übersetzt „Platz zum immer Bleiben“, aber durch die Diagnose wurde daraus nichts. Als Neu-Kanadierin hatte sie noch keine Krankenversicherung, aber das United States Olympic Committee erklärte sich bereit, für die Kosten aufzukommen – unter der Voraussetzung, dass die Behandlung in den USA stattfindet. So zog die Familie zurück nach Alaska, nach Anchorage, wo Kikkans Familie und viele enge Freunde leben. Zu Saisonbeginn in Ruka traten alle Athleten als Zeichen der Solidarität mit rotem Schleifchen an der Startnummer an und inzwischen gab es positive Nachrichten: Nach Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie geht es der 36-Jährigen inzwischen wieder gut und auch die Haare wachsen wieder. Schon während ihrer Therapie war sie sportlich aktiv, absolvierte zum Beispiel im Herbst ein paar Rennen ohne Ski. Nach Abschluss der letzten Strahlen-Behandlung Ende Januar 2019 trat sie im Februar beim American Birkebeiner an, wo sie nach 50 Kilometer Skating in 2:48 Stunden zwölftbeste Frau und Siegerin ihrer Altersklasse wurde. Kikkan ging immer sehr offensiv mit ihrer Erkrankung um und ist nun sehr aktiv in der Charity Arbeit, um zu informieren und anderen Betroffenen zu helfen. Die Tage nach dem Weltcup-Finale in Québec verbrachte sie zusammen mit Jessie Diggins gut gelaunt in New York City.