Deutsche Damenstaffel gewinnt beim Biathlon Weltcup in Canmore

Laura Dahlmeier (GER), Denise Herrmann (GER), Franziska Hildebrand (GER), Vanessa Hinz (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Die deutschen Damen gewinnen bei Temperaturen um -18 Grad das letzte Staffelrennen vor den Weltmeisterschaften. Bei den Herren siegen die Favoriten aus Norwegen. Die beiden Sprintwettkämpfe wurden vorerst von Samstag auf Sonntag verlegt. 

Staffelsieg für die deutschen Damen

Franziska Hildebrand (GER), Denise Herrmann (GER), Laura Dahlmeier (GER), Vanessa Hinz (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Die deutsche Damenstaffel mit Vanessa Hinz, Franziska Hildebrand, Denise Herrmann und Laura Dahlmeier gewinnt in einem spannenden Finale mit 30,2 Sek. Vorsprung vor Norwegen (Emilie Aagheim Kalkenberg, Ingrid Landmark Tandrevold, Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roeiseland) und dem Team aus Frankreich mit Anais Chevalier, Justine Braisaz, Anais Bescond und Julia Simon. Vanessa Hinz hat mit einem Nachlader im liegenden und fehlerfreien Stehendanschlag die  Staffel in Schlagdistanz ins Rennen gebracht. An zweiter Position übergab sie hinter Italien und nahezu zeitgleich mit Frankreich auf Franziska Hildebrand. Mit eiskalten Fingern hatte Hildebrand beim Nachladen große Probleme und verlor dadurch wertvolle Zeit. Mit einem Rückstand von 43,5 Sek. übergab sie an vierter Position auf Denise Herrmann. Sie lieferte ein fantastisches Rennen ab. Mit zwei Nachladern im liegenden und einen im stehenden Anschlag hat sie auf der Schlussrunde 26,8 Sek. auf die führende Dorothea Wierer aufgeholt, ging sogar noch an ihr vorbei und übergab als Führende mit 3 Sek. Vorsprung auf Laura Dahlmeier. Frankreich lag mit nahezu einer Minute Rückstand an dritter Position und eine halbe Minute dahinter die Norwegerinnen. Dahlmeier benötigte im liegenden Anschlag auch zwei ihrer Reservepatronen um alle Scheiben weiß werden zu lassen, ging aber dennoch mit einer knappen Minute Vorsprung vor der italienischen Schlussläuferin Federica Sanfilippo zurück in die Spur. Zum finalen Schießen kam die Deutsche mit riesengroßem Vorsprung von über einer Minute und der Sieg schien klar zu sein. Aber gerade da wehte der Wind kräftig und unheimlich böig. Laura Dahlmeier reizte die Situation ungewollt aus als der dritte Nachlader für die letzte Scheibe sein Ziel verfehlte. Strafrunde! Aber auch ihre Verfolgerinnen aus Italien, Frankreich und Norwegen hatten dieselben Probleme und Dahlmeier lief aus der Strafrunde, bevor die Französin Julia Simon mit 27,1 Sek. Rückstand auf die Schlussrunde ging und dahinter die Norwegerin Olsbu Roeiseland. Sanfilippo musste in die Strafrunde und war auf Rang vier zurückgefallen. Mit einer starken Laufzeit konnte Roeiseland noch an die Französin heranlaufen, an ihr vorbeiziehen und ihrem Team damit den zweiten Rang vor Frankreich und Italien sichern. 

Grenzwertige Temperaturen

Franziska Hildebrand (GER), Vanessa Hinz (GER), Laura Dahlmeier (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

In den Interviews nach dem Rennen gab es nur ein Thema: Die grenzwertige Kälte. Vanessa Hinz erzählte, dass sie selbst und einige weitere Damen im Ziel vor Schmerzen im Gesicht oder in den Fingern weinten. Denise Herrmann ließt die Kälte unbeeindruckt. „Ich habe auf der Strecke gemerkt, dass ich richtig gute Ski drauf hatte und als ich hörte, dass ich 20 Sek. auf die Doro habe, versuchte ich an sie ranzukommen, dass ich sie noch krieg hätte ich nicht gedacht, aber so bin ich noch vorbeigegangen und hab Laura noch ein kleinen Vorsprung mitgegeben“. Laura Dahlmeier sagte: „Es war heute äußerst grenzwertig. Die Temperaturen wären gar nicht so schlimm gewesen, aber mit dem Wind, wenn einem da eine Böe durch die Knochen fährt, das ist schon richtig kalt. Ich war konzentriert am Schießstand, aber bei so einem großen Vorsprung gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf – es wäre vielleicht beherrschbar gewesen, ich weiß selbst nicht was los war.“ 

Das Ergebnis der Damen-Staffel findet ihr hier

Souveräner Sieg der Norweger

Lars Helge Birkeland (NOR), Vetle Sjaastad Christiansen (NOR), Erlend Bjoentegaard (NOR), Johannes Thingnes Boe (NOR), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Lars Helge Birkeland, Vetle Sjaastad Christiansen, Erlend Bjoentegaard und der weltbeste Biathlet dieses Winters Johannes Thingnes Boe als Schlussläufer haben die Staffel der Herren über 4 x 7,5 km souverän mit sieben Nachladern gewonnen. Mit einem Rückstand von 1.10,4 Min. wurden die Franzosen Antonin Guigonnat, Emilien Jacquelin, Simon Fourcade und Quentin Fillon Maillet Zweiter. Sie benötigten acht Nachlader. Dritter wurden die Russen mit Evgeniy Garanichev, Eduard Latypov, Alexander Loginov und Alexander Povarnitsyn. Im Ziel hatten sie einen Rückstand von 1.48,4 Min. 

Vierter Platz für das deutsche Herren-Team

Emilien Jacquelin (FRA), Simon Fourcade (FRA), Quentin Fillon Maillet (FRA), Antonin Guigonnat (FRA), Johannes Thingnes Boe (NOR), Erlend Bjoentegaard (NOR), Vetle Sjaastad Christiansen (NOR), Lars Helge Birkeland (NOR), Evgeniy Garanichev (RUS), Eduard Latypov (RUS), Alexander Loginov (RUS), Alexander Povarnitsyn (RUS), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Kein Staffel-Team startete in Canmore in Bestbesetzung und auch beim deutschen Team musste die Position von Arnd Peiffer wegen Erkrankung umbesetzt werden. Peiffer wird bereits am Sonntag die Heimreise antreten und den Weltcup in Salt Lake City auslassen. Für ihn rückte Johannes Kühn als Schlussläufer nach. Roman Rees als Startläufer benötigte liegend zwei, stehend einen Nachlader und übergab an Position 12 mit einem Rückstand von über einer Minute auf Erik Lesser. Obwohl Lesser auf der Strecke Zeit eingebüßt hat, konnte er bis zum liegenden Anschlag bereits Plätze gut machen und ging nach einer schnellen, fehlerfreien Serie als Achter zurück in die Spur. Frankreich und Norwegen lagen zu diesem Zeitpunkt in Führung, hatten den Abstand zu ihren Verfolgern auf knapp eine Minute ausgebaut und gingen nach dem stehenden Anschlag gemeinsam auf ihre Schlussrunde. Der Russe Latypov kam ohne Nachlader aus, setzte sich an die dritte Position und Erik Lesser schaffte die letzte Scheibe auch mit drei Nachladern nicht und kassierte eine Strafrunde. Philipp Nawrath machte als dritter Läufer ein gutes Rennen und übergab an fünfter Position nach Norwegen, Frankreich, Russland und Österreich an Johannes Kühn. Nach guter Vorarbeit seines Teams hat Johannes Thingnes Boe die Staffel mit einem Vorsprung von knappen 8,7 Sek. übernommen, aber den Abstand zu seinem Verfolger schnell verdoppelt. Zum finalen Schießen kam er schließlich mit über einer Minute Vorsprung, ließ sich Zeit beim Schießen und räumte wie zuvor liegend auch stehend ohne Nachlader ab. Der Franzose benötigte zwar alle drei Nachlader, hat aber die zweite Position vor dem Russen verteidigt, der ebenfalls zwei Mal nachladen musste. Und hier hätte der laufstarke Johannes Kühn mit einem fehlerfreien Schießen eventuell noch eine kleine Chance auf das Podest gehabt. Leider blieben auch nach drei Nachladern noch zwei Scheiben schwarz. Nach zwei Strafrunden kam Kühn mit einem Rückstand von 3.10,0 Min. als Vierter ins Ziel. 

Das Ergebnis der Herren-Staffel findet ihr hier

Kurzes Gastspiel des Biathlon-Rentners Michael Rösch

Michael Rösch hat bei seinem Rücktritt als aktiver Biathlet bereits verlauten lassen, dass er das belgische Team weiterhin als Staffelläufer unterstützt. In Canmore war sein Einsatz am Samstag geplant. Da die Jury die Staffelbewerbe vorverlegt hat musste auch kurzfristig sein Flug umgebucht werden und das endete in einem kleinen Desaster. Ohne Gepäck und ohne Ausrüstung angekommen liehen ihm andere Athleten Schuhe, Anzug, wärmende Unterwäsche und als Waffe diente das belgische Ersatzgewehr. So ausgerüstet ging er mit mehr als 5 Min. Rückstand als Schlussläufer für Belgien in die Spur. Das Ersatzgewehr kam nicht mehr zum Einsatz, da er bereits nach 2 km vom Norweger Boe überrundet ausschied und sich am Streckenrand zu einem kleinen Plausch einfand. 

Nach 3 Wochen Biathlonrentner Dasein bin ich gestern mal schell übern Teisch geflogen um Belgium Biathlon heute in der…

Gepostet von Michael Rösch am Freitag, 8. Februar 2019

 

Die Sprintwettkämpfe sind vorerst auf Sonntag, 10.2.2019 um 20.20 Uhr (Herren) und 22.45 Uhr (Damen) verlegt.

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