Peking 2022 Langlauf: Bolshunov holt in verkürztem Massenstart sein drittes Gold

Alexander Bolshunov (ROC) © Modica/NordicFocus

Statt 50 Kilometer im freien Stil standen heute nur 28 Kilometer auf dem Programm. Alexander Bolshunov gewann Gold in dem wegen Kälte und Wind gekürztem Massenstart vor Ivan Yakimushkin und Simen Hegstad Krüger.

Russische Sorge um Klæbo unbegründet

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) © Thibaut/NordicFocus

„28 Kilometer statt 50, natürlich spielt das Klæbo in die Karten. Vor allem wird bei diesem Wind auch keiner alleine vorne weglaufen – das ist sehr schwer, man bräuchte mindestens 2-3 Personen. In einer Gruppe ist es leichter, besonders in den Abfahrten. Klæbos Aufgabe ist es, in der Gruppe mitzuschwimmen. Aber ich hoffe, dass unsere Jungs ein Mittel gegen ihn finden“, meinte Egor Sorin vor dem Start. Zunächst versuchten es aber Holund und Burman mit Attacken auf den ersten Kilometern, die aber schnell wieder vereitelt wurden. In der zweiten Runde bekamen viele Athleten in der Hauptgruppe Probleme: Neben sämtlichen DSV-Athleten auch Johannes Høsflot Klæbo, so dass sich die russische Sorge um Klæbo als unbegründet erwies. Als Bolshunov an einer Verpflegungsstelle davon hörte, dass sein norwegischer Konkurrent Probleme hat, spannte er sich vor das Feld und erhöhte das Tempo. Nach zwei von vier Runden entschieden sich Holund und Krüger als einzige Athleten für einen Skiwechsel, was vor allem bei Holund mit klammen Fingern sehr lange dauerte. Krüger brauchte einige Kilometer, um den Anschluss im Alleingang wieder herzustellen. Anschließend übernahm er direkt die Führung und sorgte dafür, dass seinem Teamkollegen der Anschluss nicht mehr gelang. Johannes Høsflot Klæbo gab das Rennen nach 20 Kilometern auf, nachdem er zu diesem Zeitpunkt schon deutlich mehr als eine Minute verloren hatte. Als Grund gab er Magenprobleme an: „Ich hatte Probleme, Essen bei mir zu behalten. Letzte Nacht habe ich mehr im Bad als im Bett verbracht. Wenn das Rennen nicht verkürzt worden wäre, wäre ich gar nicht angetreten“, sagte er bei NRK. Schon gestern hatte er nicht trainieren können, sondern den Tag mit Cola im Bett verbracht. 

Mehrere Attacken Bolshunovs entscheiden das Rennen

Ivan Yakimushkin (ROC), Alexander Bolshunov (ROC), Simen Hegstad Krueger (NOR), (l-r) © Modica/NordicFocus

Ungewöhnlich für Bolshunov hielt sich der Russe über weite Strecken des Rennens zurück, um bei diesen schwierigen Bedingungen keine unnötigen Kräfte zu verschwenden. Eine Runde vor Schluss gehörten noch zehn Läufer zur Spitzengruppe mit dem Amerikaner Scott Patterson als einziger Überraschung. Kurz darauf ging aber die Post ab in der Gruppe, in der Alexander Bolshunov aufs Tempo drückte. Nur Krüger, Røthe, Yakimushkin und Maltsev konnten noch mitgehen. Als der Russe sich nicht absetzen konnte, nahm er das Tempo wieder heraus, so dass Parisse, Patterson und Spitsov wieder aufschlossen. Bei einem erneuten Angriff kämpften sich zumindest Simen Hegstad Krüger, der im Gegensatz zu anderen großen Namen wie Jarl Magnus Riiber und Eric Frenzel nach seiner Corona-Infektion einen erstaunlich guten Eindruck machte, und Ivan Yakimushkin wieder heran, so dass dieses Trio die Medaillen unter sich ausmachte. Am Anstieg ins Stadion hinein sorgte dann Bolshunov für den entscheidenden Abstand, so dass der Russe im Stadion bereits jubeln konnte. „Ich würde mich nicht als König der Langläufer bezeichnen. Heute dachten wir, wir würden 50 Kilometer laufen, aber durch das Wetter wurde es gekürzt, weil es am Morgen sehrkalt war und sehr stürmisch. Aber als wir nun gestartet sind, wären auch 50 Kilometer möglich gewesen, weil es etwas wärmer war und auch der Wind leicht nachgelassen hatte“, sagte der dreifache Goldmedaillen-Gewinner und Fahnenträger bei der Abschlussfeier, der in jedem seiner fünf Rennen eine Medaille gewann, bei Rossiya 1. Nach dem Umziehen erschien er in goldenen Champion-Boots und wartete wie schon Niskanen im Intervallstart auf den letzten Läufer im Ziel. „Mir ist es gelungen, die 30 Kilometer zu gewinnen und darüber bin ich sehr glücklich, weil das ein phänomenales Ergebnis ist. Die Norweger wollten das Rennen sogar auf 15 Kilometer kürzen, aber das wäre doch wirklich zu kurz gewesen, die 30 Kilometer waren schon in Ordnung.“ Silber ging an Yakimushkin, Bronze an Krüger, der nach seiner Infektion zum unpassendsten Zeitpunkt zumindest noch über Edelmetall jubeln konnte. „Es ist sehr emotional, ihn eine Medaille gewinnen zu sehen“, sagte Trainer Eirik Myhr Nossum mit Tränen in den Augen. „Die letzten Wochen waren eine Achterbahn: Von der Angst, dass die Olympischen Spiele komplett ohne mich ablaufen bis zu der Hoffnung, dass ich für ein Rennen herkommen könnte. Mit der Bronzemedaillle nach Hause zu fahren fühlt sich heute wie ein Sieg an“, sagte Krüger bei NRK. Artem Maltsev kam als Vierter vor Sjur Røthe ins Ziel, Denis Spitsov wurde als vierter Russe Sechster. Rang sieben ging an Clement Parisse, der wieder Achtplatzierte Scott Patterson bei der zweiten Attacke endgültig abfiel. William Poromaa konnte schon vorher das Tempo nicht mehr mitgehen, wurde aber Neunter vor Maurice Manificat und kam damit bei allen seinen Starts (außer Einzelsprint) unter die besten Zehn, auch wenn er mit zwei vierten Plätzen in Staffel und Teamsprint die Medaillen verpasste.

Furger und Cologna in zweiter Gruppe

Dario Cologna (SUI) © Modica/NordicFocus

Lange Zeit vorne dabei waren Dario Cologna und Roman Furger, die in der dritten Runde allerdings beide abreißen lassen mussten. Während Cologna weiter zurückfiel, konnte Roman Furger mit dem zurückgefallenen Hans Christer Holund mitlaufen und sich im Zielsprint aus der vierköpfigen Gruppe vor Andrew Musgrave, Holund und Dario Cologna einen sehr guten elften Platz sichern. „Es war ein hartes, aber sehr geiles Rennen“, sagte er anschließend im Schweizer Fernsehen. Auch Cologna konnte sich kurz vor seinem Karriereende in seinem letzten olympischen Rennen noch einmal fangen und knapp hinter dem Teamkollegen als 14. ins Ziel kommen. Jason Rüesch und Candide Pralong hatte nach drei Laufrunden schon fast zwei Minuten Rückstand gehabt. Dennoch schlugen sie sich in der finalen Runde wacker und Rüesch ersprintete sich aus einer großen Gruppe heraus Platz 17. Pralong überquerte zwei Sekunden später als 22. die Linie. Nach der frühen Abreise von Mika Vermeulen wegen der bevorstehenden U23-Weltmeisterschaften war kein ÖSV-Läufer am Start.

Dobler als 20. bester Deutscher

Florian Notz (GER), Lucas Boegl (GER), Jonas Dobler (GER), (l-r) © Modica/NordicFocus

Mit einem großen Aufgebot von 20 Betreuern aus dem Langlauf- und unterstützend aus dem Biathlonbereich wurden Lucas Bögl, Friedrich Moch, Jonas Dobler und Florian Notz in diesem schwierigen Rennen an der Strecke verpflegt und angefeuert. Für die deutschen Athleten lautete die Parole, „risikovoll angehen“, auch wenn dann irgendwann der Akku leer ist, vor allem aber „Gaudi haben“, so Peter Schlickenrieder am Freitag. Das war bei den eisigen Windböen aber natürlich gar nicht so leicht. Schon in der zweiten Runde konnte das Quartett das Tempo nicht mehr mitgehen. Jonas Dobler reihte sich in der Rüesch/Pralong-Gruppe ein und sicherte sich nach nicht nach Wunsch verlaufenen Olympischen Spielen mit nur einem Start im Einzelstart (Platz 19) diesmal den 20. Platz im Zielsprint. „Das war ganz in Ordnung zum Laufen. Ich habe mich gefreut auf den 30er. Leider ist in der zweiten Runde ein paar Plätze vor mir diese Lücke aufgegangen und das ärgert mich, weil es mir bis dahin gut gegangen ist. Da war ich nicht gut genug positioniert, um mitzugehen. Die Platzierung ist okay, aber mein Ziel wäre es gewesen, mit der Spitzengruppe davor mitzulaufen. Da bin ich jetzt schon etwas enttäuscht“, sagte Jonas Dobler im DSV-Statement. „Trotz allem war es eine coole Zeit. Für mich war es natürlich schwierig mit meinen gesundheitlichen Problemen am Anfang, aber insgesamt ist es immer noch Olympia, das größte Sportereignis, was es für mich als Sportler gibt. Das erlebe ich nun zum zweiten Mal in meiner Karriere und das ist immer noch was ganz Besonderes und war eine coole Zeit, vor allem auch, es mitzuerleben, wie unsere Mädels Gold und Silber geholt haben.“ Florian Notz kam als Solist als 26. ins Ziel, Moch und Bögl mit einer Gruppe als 31. und 33. „Sie waren alle motiviert und wollten angreifen, aber da sagt der Körper dann schnell: ‚Warte mal, es geht nicht mehr!'“, sagte Schlickenrieder nach dem Rennen im ZDF. „In der letzten Runde habe ich gedacht: ‚Zum Glück geht es gleich ins Ziel!‘ Da ist mir kalt geworden und in der Umkleide habe ich zitternde Athleten gesehen. Da war es schon richtig, dass sie es verkürzt haben“, so Florian Notz. 

Wetter macht Läufern und FIS zu schaffen

Das Wetter macht es den Langläufern an den letzten zwei Wettkampftagen nicht leicht. Wegen zweistelliger Minusgrade und wie befürchtet starkem Wind wurde der Massenstart der Herren im freien Stil von 50 auf 30 Kilometer gekürzt. Außerdem startete das Rennen erst um 15 Uhr Ortszeit, also eine Stunde später als geplant. Genutzt wurde nur eine 7,1 Kilometer-Runde statt der geplanten 8,3 Kilometer, so dass das Rennen faktisch nur etwa 28 Kilometer lang war. Andrew Musgrave war nicht begeistert von der Entscheidung, dass der Mythos des 50ers ausfällt. Fast zeitgleich mit der offiziellen FIS-Entscheidung schrieb er: „Die FIS hat soeben den olympischen 50er auf 28 Kilometer gekürzt, weil es etwas kalt und windig ist. Ich denke nicht, dass es dadurch wärmer oder weniger windig wird. What a f@*king joke!“ Auch viele andere Athleten äußerten ihr Unverständnis, dass der 50er nun nicht mehr 50 Kilometer lang ist. Dagegen hält der deutsche Teamchef die Entscheidung für richtig. Je länger man sich diesem Wind aussetzt, umso größer ist die Gefahr von Frostbeulen. „Der Wind kommt in extremen Böen daher und macht es extrem kalt. Auch hat es wieder leicht geschneit und wenn es bei dieser Kälte schneit, dann ist es sehr kristalliger Schnee, der in die Ski greift und sie hindert zu rutschen. Das in Kombination mit Kälte, Wind, Höhe, und die Strapazen der letzten Rennen, da ist es besser, dass sie gekürzt haben“, so Peter Schlickenrieder im ZDF, der gleich relativiert: „Leichter ist es nicht geworden, sie haben Flachstücke rausgenommen. Dort greift der Wind besonders an. Das Rennen ist jetzt komprimiert, super anstrengend, super hart. Es ändert sich von der Charakteristik nichts, es wird der beste Bergkraxler gewinnen. Man braucht einen guten Motor und muss leicht sein, um gut die Berge hochzukommen.“ Zum Zeitpunkt der Verschiebung, als die Athleten beim Warmlaufen waren, herrschten 16 Grad unter Null, 7 Meter pro Sekunde Wind, was zu einer gefühlten Temperatur von -27°C führt. Änderungen für das morgige Rennen der Damen über 30 Kilometer, das um 07:30 Uhr deutscher Zeit starten sollte, waren ebenfalls zu befürchten. Inzwischen entschied die FIS, die Rennlänge bei den Damen bei 30 Kilometern zu belassen, aber schon um 4 Uhr deutscher Zeit zu starten. 

👉 CHANGE OF RACE DISTANCE AND STARTING TIME for the 50km mass start in free technique ❕Due to strong winds and the…

Posted by FIS Cross-Country Skiing on Friday, February 18, 2022

 

=> Ergebnis 30 Kilometer FT Massenstart
=> Medaillenspiegel

 

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