50. American Birkebeiner: Gelebte Gastfreundschaft beim Skimarathon-Highlight der USA

American Birkebeiner 2024: Am Anstieg © Felgenhauer/xc-ski.de
American Birkebeiner 2024: Warten auf den Einlass © Felgenhauer/xc-ski.de

Dank der Zeitverschiebung zwischen Europa und den USA fällt es mir nicht schwer, zu dieser frühen Stunde aufzustehen. Es gibt Oatmeal (gekochte Haferflocken) mit Joghurt, Marmelade und Früchten. Hmm, lecker! Dann begebe ich mich in Richtung Start und wundere mich, dass 1:30 Stunden vor dem Schuss noch wenig los ist. Auf der Strecke bin ich der Einzige, die Erklärung folgt aber umgehend. Freundlich bitten mich zwei Helfer, den Rennkurs zu verlassen, da er bis zum Start gesperrt ist. „Sorry“, kann ich da nur sagen und absolviere mein Aufwärmprogramm nun abseits. Erst 30 Minuten vor dem Start wird es langsam etwas voller. Mit den Skiern in der Hand stehe ich schließlich mit den anderen Läufern der ersten Welle vor dem Einlass zum Startgelände. Hier muss nämlich keiner eine Stunde vor dem Start seinen Platz reservieren, um dann möglichst weit vorne zu stehen, wo er eigentlich gar nicht hingehört. Um 6:50 Uhr werden wir schließlich hineingelassen und sprinten zu Fuß nach vorne zur Startlinie. Das könnte man sich bei so manchem Lauf in Mitteleuropa gerne zum Beispiel nehmen.

American Birkebeiner 2024: Am Anstieg © Felgenhauer/xc-ski.de

Schließlich werden wir nach einer Live-Performance der US-Nationalhymne um 7:00 Uhr auf die Strecke geschickt. Ohne großes Gedränge sortiert sich das Feld und ich versuche meinen Rhythmus zu finden. Das gelingt mir zu Beginn nur bedingt. Es hat -12 Grad und meine Glieder sind etwas schwergängig. Trotzdem sortiere ich mich circa an 100. Stelle ein und versuche, das hohe Tempo mitzugehen. Die Sonne strahlt schon durch die Bäume und über die Wiesen, durch die sich die Runde schlängelt. Bereits zu dieser frühen Stunde sind schon zahlreiche Zuschauer an der Strecke und feuern uns frenetisch an. So ist die erste Runde schnell vorbei und ich bin in einer kleinen Gruppe zurück im Stadion gelandet. In der zweiten Runde gelingt es mir dann endlich, etwas besser auf dem Ski zu stehen. So machen dann auch die Anstiege, Abfahrten und Kurven deutlich mehr Spaß. Insbesondere in den langgezogenen Abschnitten kann ich immer wieder Plätze gut machen, verliere sie dann aber in den kurzen Rampen und kurvenreichen „Downhills“ wieder. So bleibe ich eher konstant um Rang 110 platziert. Zwei Verpflegungsstationen gibt es auf dem Rundkurs, die Getränke, Gels und mehr bieten. Ich verlasse mich allerdings auf meinen Trinkgurt und mein eigenes Gel.

American Birkebeiner 2024: Die Medaille © Felgenhauer/xc-ski.de

In der dritten Runde hat sich das Feld dann sortiert. Ich laufe meist mit denselben Läufern um mich herum, bis bei Kilometer 26 ein schnellerer Läufer von hinten kommt. Diesem folge ich im 1-1er und weiter in Richtung des letzten Anstiegs. Dort werde ich allerdings von meinen Verfolgern wieder eingeholt und muss zwei von ihnen vorbeilassen. Es folgt die letzte Abfahrt mit einer 90 Grad Kurve die ich etwas zu vorsichtig anfahre und schon ist eine Lücke da. Durch einen kurzen Tunnel geht es auf die Zielgerade. Ich beschleunige noch einmal und kann den ersten meiner Konkurrenten überholen. Auch der Zweite kommt immer näher, was aber auch für die Ziellinie gilt. Im letzten Moment schaffe ich es, meinen Fuß zuerst über die Linie zu schieben. Wir grinsen beide und klatschen uns ab. Platz 110 im Teilnehmerfeld der Hobbyläufer steht schließlich für mich zu Buche und ich nehme überglücklich meine Finisher-Medaille entgegen.

Nach einer schnellen Dusche bei Freunden meiner Gastgeber in der Nähe des Stadions und der obligatorischen Zielverpflegung im großen Essenszelt stehe ich dann wenig später an der Strecke, um die Siege der Lokalmatadoren Jessie Diggins und Gus Schumacher mit der Kamera zu verfolgen. Die Siegerehrung wird verbunden mit der Jubiläumsfeier zum 50. Birkie, bei der unter anderem Olympiasiegerin Kikkan Randall, der 50-malige Teilnehmer Ernie St. Germaine und weitere wichtige Personen auf dem Podium stehen. Tausende Zuschauer bejubeln sie alle, nicht nur die Sieger, die wenig später ihre Preise in Empfang nehmen. Für Christian und mich endet der Tag schließlich mit Rouladen und Knödel, die unsere Gastgeberin extra für uns nach deutschem Rezept zubereitet.

Theodore Wirth Park in Minneapolis © Felgenhauer/xc-ski.de

Am Sonntag mache ich mich bereits frühmorgens auf den Heimweg und während Christian sich Rang zwei im Klassik-Rennen erkämpft, habe ich noch eine ganz besondere Station eingeplant. Nur 20 Minuten vom Flughafen in Minneapolis entfernt befindet sich mitten in der Stadt der Theodore Wirth Park. Dort wurde vor einer Woche der Langlauf Weltcup ausgetragen. Die fünf Kilometer Kunstschneerunde ist ein einmaliges Erlebnis. Sie wurde nicht speziell für den Weltcup angelegt, sondern steht jeden Winter den Langläufern der Stadt und aus der Umgebung zur Verfügung. So fördert man eine Sportart!

Am Flughafen treffe ich schließlich überraschenderweise Jessie Diggins. Sie fliegt wie ich zurück nach Europa, wo der nächste Weltcup ansteht. Für mich endet damit eine unvergessliche Reise in die USA, die mir eindrucksvoll gezeigt hat, wie groß die Begeisterung zwischen Minneapolis und Hayward für den Skilanglauf ist. Ich kann nur jedem empfehlen, mindestens einmal beim American Birkebeiner am Start zu stehen. Es lohnt sich nicht nur aus sportlicher Sicht!

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