Biathlon WM 2024: Frankreichs Mixed-Staffel gewinnt Gold und Deutschland wird Fünfter

Julia Simon (FRA), Justine Braisaz-Bouchet (FRA), Quentin Fillon Maillet (FRA), Eric Perrot (FRA), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Frankreichs Mixed-Staffel ist Weltmeister und gewinnt Gold zum Start der Biathlon Weltmeisterschaft in Nove Mesto. Deutschland lag bis zur Hälfte des Rennens in Führung, gerät durch eine Strafrunde von Franziska Preuß in die Defensive und am Ende reichte es hinter Norwegen, Schweden und der Schweiz zum fünften Rang vor Österreich auf Platz sechs. 

Biathlon-Weltmeisterschaft in Nove Mesto mit Mixed-Staffel eröffnet

Tarjei Boe (NOR), Didier Bionaz (ITA), Artem Pryma (UKR), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Der erste Startschuss zur Biathlon Weltmeisterschaft im tschechischen Nove Mesto na Morave fiel zur Mixed-Staffel. 25 Staffeln waren angetreten, 22 davon kamen ins Ziel. Die Herren eröffneten vor 27.000 Zuschauern im Stadion und an der Strecke, die trotz strömendem Regen gekommen waren, und die Damen brachten die Staffel zu Ende. Die Bedingungen waren insbesondere in der Spur sehr kräfteraubend und es war wichtig sich für ein gutes Schießergebnis genügend Körner aufzusparen.

Frankreich gewinnt Gold vor Norwegen und Schweden 

Eric Perrot (FRA), Quentin Fillon Maillet (FRA), Justine Braisaz-Bouchet (FRA), Julia Simon (FRA), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Eric Perrot, Quentin Fillon Maillet, Justine Braisaz-Bouchet und Julia Simon sind Weltmeister mit der Mixed-Staffel. Nach einer Strafrunde und neun Nachladern bringt Julia Simon den Sieg mit 45,2 Sekunden Vorsprung ins Ziel. „Es waren viele Gefühle heute dabei,“ so Quentin Fillon Maillet, der sich nach dem Rennen beim Team für den Sieg bedankte. „Es war sehr stressig, ich habe mein Bestes gegeben. Nach der Strafrunde von Justine, das war so stressvoll und dann immer das Warten auf die Ergebnisse der anderen. Aber nun bin ich glücklich, dass wir gewonnen haben.“ Norwegen mit Tarjei Boe, Johannes Thingnes Boe, Karoline Offigstad Knotten und Ingrid Landmark Tandrevold laufen mit acht Nachladern auf den Silberrang und die Bronzemedaille erkämpft sich Schweden. Sebastian Samuelsson, Martin Ponsiluoma, Hanna Oeberg und Elvira Oeberg benötigten zehn Nachlader und kamen 16,5 Sekunden hinter den Zweitplatzierten ins Ziel. Mit insgesamt nur drei Nachladern landeten die Schweizer Sebastian Stalder, Niklas Hartweg, Lena Haecki-Groß und Amy Baserga als Vierte nur 1,2 Sekunden neben dem Podest. Das deutsche Team mit Justus Strelow, Philipp Nawrath, Franziska Preuß und Vanessa Voigt lag zur Hälfte des Rennens in Führung, fiel nach einer Strafrunde von Franziska Preuß zurück und nach zehn Treffern brachte Vanessa Voigt die Staffel auf dem fünften Rang ins Ziel. Österreich (David Komatz, Simon Eder, Tamara Steiner, Anna Gandler) erreichte nach sieben Nachladern Rang sechs. Die Mitfavoriten aus Italien (Didier Bionaz, Tommaso Giacomel, Dorothea Wierer, Lisa Vittozzi) enttäuschten auf Rang zehn (3 Strafrunden/15 Nachlader). Das Heimteam aus Tschechien mit Michal Krcmar, Tomas Mikyska, Marketa Davidova und Jessica Jislova kam nach einer Strafrunde und 13 Reservepatronen auf Rang 14 ins Ziel.  

Glänzender Einstieg von Justus Strelow

Justus Strelow (GER) © Manzoni/NordicFocus

Justus Strelow, der schnellste und sicherste Schütze im Feld, war im liegenden Anschlag als Erster fertig, während alle anderen noch um Treffer kämpften, der Schweizer Stalder folgt ihm, dann der Norweger Tarjei Boe. Bitter für das Heimteam aus Tschechien als Michal Krcmar gleich im ersten Anschlag eine Strafrunde kassierte. Strelow war gut unterwegs auf der Strecke, baute seinen Vorsprung erst auf die Verfolger aus, wo Tarjei Boe an Stalder vorbeizog, nahm dann aber Tempo raus und Tarjei Boe ging nach vorne. Strelow war offensichtlich mit gutem Material ausgestattet, der DSV hat acht Techniker und auch eine eigene Schleifmaschine vor Ort und das Serviceteam arbeitet unentwegt, um den Athleten das beste Material für den Dauerregen anzubieten. Der Norweger kam als erster zum Stehendanschlag, aber Strelow war mit einer phänomenalen Schießeinlage wieder als Erster weg. Nun war der Franzose sein erster Verfolger und dahinter mit ebenfalls zehn Treffern der Schweizer Stalder.  Der Norweger lag an der fünften Position mit 24,7 Sekunden Rückstand auf Strelow. Richtung Wechsel ging der Franzose Perrot an die Spitze, aber Strelow hielt sich in seinem Windschatten, die beiden lieferten sich einen harten Kampf um die Spitzenposition und Frankreich wechselte 0,9 Sekunden vor Deutschland. Tarjei Boe hatte sich an die dritte Position gearbeitet und übergab mit einem Rückstand von 16,7 Sekunden, hinter ihm wechselte die Schweiz. „Das war genau der Auftakt, den ich mir vorgestellt habe,“ so Justus Strelow nach dem Rennen im ARD-Interview, der zugab, dass er vor dem Rennen extrem aufgeregt war. „Ich habe es schon gemerkt in den Oberschenkeln, dass da Spannung drin ist.“ Zum ersten Schießen lag der Italiener Didier Bionaz noch an der Spitze, am Ende wechselte er nach insgesamt zwei Strafrunden und über zwei Minuten Rückstand auf der 23. Position und damit war diese Staffel bereits aus dem Rennen um die Medaillen. 

Philipp Nawrath behauptet die Führung

Philipp Nawrath (GER) © Thibaut/NordicFocus

Für Deutschland war nun Philipp Nawrath im Rennen und für Norwegen Johannes Thingnes Boe, der zum ersten Anschlag bereits Sichtkontakt zum Spitzenduo hatte. Und auch Nawrath glänzte mit der Null, baute seinen Vorsprung auf den Franzosen auf 13,2 Sekunden auf. J. T. Boe musste wie der Franzose nachladen, sein Rückstand war auf 22,7 Sekunden angewachsen und die Schweiz mit Niklas Hartweg behauptete den vierten Rang mit deutlichem Abstand zu den weiteren Verfolgern. Der Deutsche lief eine schnelle zweite Runde, wirkte sehr konzentriert und setzte doch mit viel Bewegung auf der Waffe zwei Patronen vorbei. Mit drei Nachladern ließ er alle Scheiben weiß werden und hatte Glück, dass auch Johannes Thingnes Boe strauchelte und drei Mal nachladen musste um die Scheiben weiß werden zu lassen. Fillon Maillet war nach nur einem Nachlader auf 6,4 Sekunden an Nawrath bei Schießstandausgang herangekommen, J. T. Boe lag 27,3 Sekunden zurück und Niklas Hartwegs Abstand an vierter Position betrug nur 1,6 Sekunden auf den Norweger. Nawrath verausgabte sich auf der Schlussrunde, Fillon Maillet kam nicht näher und J. T. Boe konnte nichts auf den Deutschen gutmachen. Philipp Nawrath erklärte nach dem Rennen, dass er sich lange zuvor eine Taktik durchdacht hat. „Liegend hat es heute gut funktioniert und stehend war es wichtig die Strafrunde zu vermeiden. Es war sehr schwierig, die tiefe Strecke und ein schwieriger Schießstandanlauf. Es war heute allgemein nicht leicht zu laufen.“  

Franziska Preuß muss in die Strafrunde

Franziska Preuss (GER) © Manzoni/NordicFocus

Nun waren die Damen an der Reihe und für Deutschland übernahm Franziska Preuß mit 8,3 Sekunden Vorsprung vor der Französin Justine Braisaz-Bouchet. Karoline Offigstad Knotten für Norwegen hatte an der dritten Position 28,8 Sekunden Rückstand und mit 48,6 Sekunden Rückstand übernahm Lena Häcki-Groß für die Schweiz, gefolgt von Schweden und Österreich. Braisaz-Bouchet hatte Preuß schnell eingeholt, machte aber lange keine Anstalten, an der Deutschen vorbeilaufen zu wollen und entschied sich dann doch an die Spitze zu gehen. Knotten konnte keine Zeit auf die Führung gut machen und Häcki-Groß und Hanna Oeberg wechselten ihre Position mehrmals im Laufe der Runde. Franziska Preuß begann schnell, zwei Scheiben blieben stehen, aber auch die Französin blieb nicht fehlerfrei. Sie verfehlte drei Scheiben und während Preuß mit ihren drei Nachladern auskam musste Braisaz-Bouchet eine Extrarunde drehen. Knotten räumte ab und schob sich 9,4 Sekunden hinter Preuß und die Schweizerin arbeitete sich nach einer Null nur 8,3 Sekunden später auf Rang drei, gefolgt von Schweden, Frankreich und Österreich. Richtung Stehendanschlag lief Preuß hohes Tempo, Häcki-Groß ebenfalls die auch an an der Norwegerin vorbeizog. Während Preuß und Häcki-Groß nachladen musste, nutzte Knotten ihre Chance und ging mit fünf Treffern in Führung. Häcki-Groß kam mit zwei Nachladern aus und lag 6,5 Sekunden hinter der Norwegerin. Franziska Preuß kassierte eine Strafrunde und fiel mit 28,4 Sekunden Rückstand auf die fünfte Position zurück, vor ihr Schweden und davor Frankreich. Eine enttäuschte Franziska Preuß sagte nach dem Rennen, dass ihr „irgendwie das Laktat so reingeschossen“ ist. „Mir haben schon zum Schießstand rein die Oberschenkel gezittert. Ich habe mich auf der Runde bei dem tiefen Geläuf so schwer getan und mir tut es mega leid. Es ist mega schade.“ 

Letzter Wechsel: Frankreich vor der Schweiz und Norwegen

Julia Simon (FRA) © Manzoni/NordicFocus

Julia Simon nahm mit 6,4 Sekunden Vorsprung vor der Schweizerin Amy Baserga das Rennen auf und nur 1,4 Sekunden später kam für Norwegen Ingrid Landmark Tandrevold. Elvira Oeberg lief für Schweden an vierter Position (+22,8 Sekunden) und Vanessa Voigt kam 37,4 Sekunden später als Fünfte. Liegend überzeugte Julia Simon mit fünf Treffern, Tandrevold musste nachladen und dadurch wuchs der Rückstand auf 24 Sekunden an. Aber Baserga, Elvira Oeberg und Vanessa Voigt hielten sich komplett schadlos und blieben weiterhin an den Positionen drei, vier und fünf nur dass der Rückstand von Voigt bei Schießstandausgang auf 55 Sekunden angewachsen war. Nach einer starken zweiten Runde kam Julia Simon mit deutlichem Vorsprung zum Schießstand, glänzte mit fünf schnellen Treffern, verbeugte sich vor den Zuschauern und war auf und davon Richtung Gold. Norwegen kam nach zwei Nachladern als Zweite und dann folgte die Schweizerin Amy Baserga. Sie hatte auf Elvira Oeberg 11,5 Sekunden Vorsprung und Vanessa Voigt arbeitete hervorragend am Schießstand, traf schnell in nur 23 Sekunden alle Scheiben, aber der Rückstand auf den Medaillenrang war mit 21,1 Sekunden zu viel für Voigt, um es auf der Schlussrunde in der mittlerweile tiefen Spur aufholen zu können. „Es war doch ein reines Gestapfe und materialmäßig war ich heute sehr schlecht aufgestellt,“ so Vanessa Voigt nach dem Rennen. Ingrid Landmark Tandrevold sicherte sich Silber und Amy Baserga musste sich der laufstarken Schwedin Elvira Oeberg geschlagen geben.  

Österreich läuft auf Rang sechs

Anna Gandler (AUT) © Thibaut/NordicFocus

Die Mixed-Staffel aus Österreich mit David Komatz, Simon Eder, Tamara Steiner und Anna Gandler erreichte einen beachtlichen sechsten Rang. Nach sieben Nachladern fehlten im Ziel 2:30,5 Minuten auf den Sieger. Das sagten die Athleten nach dem Rennen:David Komatz: „Ich war heute den ganzen Tag schon eine wenig unruhig und ein bisschen nervös, was ich normalerweise von mir gar nicht kenne. Liegend habe ich geglaubt, dass es eine saubere Serie war, aber leider sind die letzten beiden Schüsse danebengegangen und ich konnte nur mit viel Glück eine Strafrunde verhindern. Alles in allem ist das natürlich ein wenig schade, denn es wäre heute viel möglich gewesen und der Abstand ist mir dann doch ein bisschen zu groß.“
Simon Eder: „Es war weniger windig, als ich erwartet habe. Liegend war ich vielleicht ein bisschen zu schnell, aber stehend hat es dann gut gepasst. Es war ein solider Auftakt von uns beiden Herren, mit vielleicht dem ein oder anderen Nachlader zu viel.“
Tamara Steiner: „Es war wirklich kein einfaches Rennen und auf der Loipe war es teilweise richtig tief. Das Wetter macht alles nicht einfacher und die Verantwortlichen haben dafür wirklich gute Arbeit geleistet. Am Schießstand war ich froh, dass es heute nicht windig und wirklich beherrschbar war. Liegend habe ich eine saubere Serie abgeliefert, aber stehend hatte ich dann doch etwas zittrige Beine. Ich habe dann mit den zwei Nachladern Schadensbegrenzung betrieben und auf der Schlussrunde wirklich gekämpft, um den Abstand für Anna möglichst gering zu halten.“Anna Gandler: „Ich bin heute mit den null Fehlern am Schießstand wirklich sehr happy. Das war vor dem Rennen mein Ziel, auch wenn es läuferisch noch nicht ganz so funktioniert hat, wie ich mir das erhofft habe. Das war heute auf jeden Fall ein guter ‚Durchputzer‘ und ich freue mich schon sehr auf die kommenden Rennen.“ (Quelle: PM ÖSV)

Ergebnis Mixed Staffel

Das weitere Wettkampfprogramm 

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