Biathlon Weltcup Lenzerheide: Braisaz-Bouchet gewinnt Massenstart – Franziska Preuß wird Siebte

Justine Braisaz-Bouchet (FRA) © Manzoni/NordicFocus

Die Französin Justine Braisaz-Bouchet gewinnt nach dem Sprint und der Verfolgung auch den Massenstart der Damen beim Biathlon Weltcup in der Lenzerheide und hat damit das gelbe Trikot der Gesamtweltcupführenden erobert. Nach überzeugender Vorstellung, vor allem mit zwanzig Treffern am Schießstand, wurde Franziska Preuß auf Rang sieben wieder beste Deutsche.

Erster Massenstart der Saison

Franziska Preuss (GER) © Manzoni/NordicFocus

Mit Franziska Preuß, Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz waren drei deutsche Damen für den Massenstart der 30 weltbesten Biathletinnen qualifiziert. Zum ersten Mal in dieser Saison stand dieses Format im Terminplan. Marthe Krakstaad Johansen und Dorothea Wierer verzichteten aus dem Feld der derzeit 25 weltbesten Biathletinnen krankheitsbedingt auf einen Start und über die Ergebnisse in der Lenzerheide zählten Anastasiya Merkushyna (UKR), Deedra Irwin (USA), Yuliia Dzhima (UKR), Karoline Erdal (NOR) und Khrystyna Dmytrenko zu den besten Fünf, mit denen das Feld aufgefüllt wird. Aus der Schweiz war nur Lena Häcki-Groß und aus Österreich lediglich Tamara Steiner qualifiziert. Ingrid Landmark Tandrevold trug das gelbe Trikot der Gesamtweltcupführenden und ging mit der Startnummer eins ins Rennen, Julia Simon lief im roten Trikot, nachdem sie vergangene Saison die Massenstartwertung gewann. Mit am Start war auch wieder die Französin Lou Jeanmonnot, die Sprint und Verfolgung in der Lenzerheide wegen einer Corona-Erkrankung auslassen musste.

Julia Simon mit starkem Angang

Julia Simon (FRA) © Manzoni/NordicFocus

Auf der ersten Runde übernahm erst Elvira Oeberg, später Julia Simon die Führungsarbeit. Hintereinander aufgereiht kamen sie zu dieser Schlüsselstelle, das Nadelöhr bei der Einfahrt zum Schießstand bzw. später auf die Zielgeraden. Kristian Mehringer, Cheftrainer der deutschen Damen hatte seinen Schützlingen bereits im Vorfeld Tipps für diese Stelle gegeben: „Schwer machen auf dem Ski, Körperspannung halten und Druck auf die Kanten geben, ein bißchen Vorsicht walten lassen, dass man auch ausweichen kann.“ Simon begann mit Fehler, Häcki-Groß ließ die letzten beiden Scheiben stehen und auch Ingrid Landmark Tandrevold verfehlte eine Scheibe, während sich Franziska Preuß und Vanessa Voigt schadlos hielten. Justine Braisaz-Bouchet verließ als Erste den Schießstand, gefolgt von den Schwedinnen Mona Brorsson und Linn Persson. Mit 6,5 Sek. Rückstand kam Franziska Preuß als Sechste, Vanessa Voigt hatte 10,9 Sekunden Abstand nach vorne und war an elfter Position. Janina Hettich-Walz kassierte eine Runde und sortierte sich mit 34,5 Sek. Rückstand als Zwanzigste ein. 15 Starterinnen blieben fehlerfrei und ganz nach hinten gespült hatte es nach drei Strafrunden die Norwegerin Marit Ishol Skogan.

Braisaz-Bouchet und Simon wechseln sich in der Führung ab

Auf der nächsten Runde verloren Franziska Preuß, Vanessa Voigt und auch Janina Hettich-Walz auf die Spitze während die vorderen fünf Läuferinnen näher zusammenrückten. Justine Braisaz-Bouchet, Sophie Chauveau, Linn Persson, Tuuli Tomingas und Juni Arnekleiv kamen zum zweiten liegenden Anschlag nahezu gemeinsam, während Mona Brorsson an der besagten Schlüsselstelle zu Sturz kam, einen Ski verlor und mit viel Zeitverlust das Rennen doch wieder aufnehmen konnte. Julia Simon kam etwas später zum Liegen als ihre Landsfrau Braisaz-Bouchet, aber mit der schnelleren Schießzeit verließ sie schließlich den Schießstand als Führende. Es war deutlich erkennbar, dass Braisaz-Bouchet konzentriert arbeitete, um eine Strafrunde zu vermeiden. Juni Arnekleiv, Sophie Chauveau und Tuuli Tomingas kamen hinter Julia Simon und nach fünf Treffern durfte auch Franziska Preuß sofort zurück in die Spur. Mit 11,1 Sekunden Rückstand an elfter Position war sie beste Deutsche zu diesem Zeitpunkt. Vanessa Voigts Rückstand auf Rang zehn betrug 24,6 Sekunden und Braisaz-Bouchet kam nach einer sauberen Schießeinlage als Sechste zurück in die Loipe.

Erster Stehendanschlag

Nun stand das erste Schießen im stehenden Anschlag bevor, das Tempo an der Spitze blieb hoch und wurde von Julia Simon kontrolliert, aber eine Vierergruppe hielt sich dicht an ihren Skienden. Und bei jedem Anlauf zum Schießstand bedurfte es höchster Konzentration an der Haarnadelkurve. Wieder setzte Simon den ersten Schuss, aber vorbei, auf den Ständen eins bis drei standen drei Französinnen und von ihnen kam nur Braisaz-Bouchet fehlerfrei durch. Nun war sie wieder in Führungsposition, hinter ihr Lisa Vittozzi, die bislang auch drei fehlerfreie Serien brachte. Deren Rückstand betrug 9,3 Sek. und bereits an dritter Position mit 17,4 Sek. Rückstand lief Franziska Preuß, die sich auch im dritten Anschlag schadlos hielt. An ihren Skienden hatte sich Julia Simon aus der Strafrunde kommend als Vierte einsortiert. Voigt verpasste zwei Scheiben und fiel mit 1:33 Min. auf Rang 23 zurück und Janina Hettich-Walz war zu diesem Zeitpunkt 21. Julia Simon zog erwartungsgemäß schnell an Franziska Preuß vorbei während Braisaz-Bouchet von vorne ein hohes Tempo vorlegte und sich dadurch einen enormen Vorsprung erarbeitete. 

Das entscheidende Schießen

Franziska Preuss (GER) © Manzoni/NordicFocus

Der Vorsprung von Justine Braisaz-Bouchet zum entscheidenden Schießen war auf 19,9 Sek. angewachsen und sie nahm sich Zeit für den ersten Schuss. Noch bevor ihre Verfolgerinnen zum Schießen bereit waren, hatte sie ihre fünf Schüsse sauber ins Ziel gesetzt und war auf dem Weg zu ihrem dritten Sieg in Folge in der Lenzerheide. Hanna Oeberg kam 17,2 Sekunden hinter ihr an zweiter Position in die Schlussrunde, nur 0,8 Sekunden später verließ Lisa Vittozzi den Schießstand, gefolgt von Elvira Oeberg mit einem Abstand von 4,6 Sek. Auch Ingrid Landmark Tandrevold hatte noch gute Chancen auf eine Podestplatzierung mit lediglich 0,9 Sek. Abstand auf Elvira Oeberg. Franziska Preuß hatte auf der Runde mehrere Platzierungen eingebüßt und nahm als Sechste mit 29,3 Sek. Rückstand die Schlussrunde in Angriff. Vanessa Voigt räumte die letzten fünf Scheiben auch sicher ab ohne sich dadurch nach vorne verbessern zu können.

Braisaz-Bouchet siegt – wer komplettiert das Podest?

Justine Braisaz-Bouchet (FRA) © Manzoni/NordicFocus

Hinter Braisaz-Bouchet gab es mehrere Positionswechsel, Lisa Vittozzi wurde von Elvira Oeberg verdrängt und Julia Simon war an Franziska Preuß dran und zwischen den beiden Oeberg-Schwestern  entbrannte ein heißer Kampf um die verbliebenen Podestplatzierungen. Elvira Oeberg setzte sich mit der schnellsten Schlussrunde, auch in der Gesamtlaufzeit war sie Schnellste, in der Abfahrt gegen Hanna durch und überquerte die Ziellinie als Zweite, vor ihrer Schwester Hanna auf dem Bronzerang. Lisa Vittozzi wurde Vierte, gefolgt von Ingrid Landmark Tandrevold und Julia Simon auf dem sechsten Platz. Franziska Preuß musste erst Julia Simon und Arnekleiv ziehen lassen, um sich dann im Schlusssprint doch gegen Juni Arnekleiv zu behaupten und als Siebte die Ziellinie zu überqueren. Franziska Preuß zeigte sich mit ihren Ergebnissen in der Lenzerheide im ZDF zufrieden. „Ich bin sehr zufrieden, allgemein mit dem ersten Trimester, klar mit Hochfilzen auslassen, das war sehr hart. Ich habe wenige Erwartungen gehabt zum Anfang der Saison, habe ja die Ausscheidungen fahren müssen.“ Janina Hettich Walz kam auf Platz 23 ins Ziel. Die Schweizerin Lena Häcki-Groß (5 Fehler) wurde 17. und Tamara Steiner (4 Fehler) bildete als 30. das Schlusslicht. Mit drei Siegen in drei Rennen in der Lenzerheide hat sich die junge Mutter Justine Braisaz-Bouchet das gelbe Trikot zur Weihnachtspause geholt. Franziska Preuß hält in der Gesamtwertung die fünfte Position, Vanessa Voigt Rang acht und Janina Hettich-Walz Platz 16. 

Ergebnis Massenstart Damen

Weltcupgesamtstand Damen

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