Langlauf Weltcup am Austragungsort der Nordischen Ski WM 2025 in Trondheim steht bevor

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) © Thibaut/NordicFocus

Vom letzten Weltcup in Östersund ist es für den Langlauf-Tross nur ein kurzer Weg von 260 Kilometern in die WM-Stadt von 2025. Trondheim erreicht man von Östersund in etwa vier Stunden Richtung Westen auf der E14.

Drittgrößte Stadt Norwegens

Trondheim ist mit 212.000 Einwohnern nach Oslo und Bergen Norwegens drittgrößte Stadt und liegt direkt am Trondheimfjord, also auf Meereshöhe. Blickt man auf die Norwegenkarte liegt Trondheim noch im unteren Drittel des Landes: Bis zur Südspitze fährt man etwa 850 Kilometer, bis zum Nordkapp sind es 1600 Kilometer. Nur etwa eine Million der etwa 5,5 Millionen Einwohner Norwegens lebt aber nördlich von Trondheim. Die WM-Stadt von 2025 liegt an der Mündung des Flusses Nidelva und ist Sitz der Provinzregierung von Trøndelag. Der Stadtkern liegt auf einer Halbinsel, die im Norden vom Trondheimsfjord und im Osten und Süden vom Fluss begrenzt ist. Etwa ab dem Jahr 950 gibt es Spuren eines Handelsplatzes an dieser Stelle, im Jahre 997 wurde Trondheim dort von König Olav I. Tryggvason als Stadt gegründet. Damals war der Name allerdings noch Niðaróss, was sich aus dem Flussnamen und -óss für Mündung in altwestnordischer Sprache zusammensetzt. Ab dem Spätmittelalter gibt es den Namen Trondhjem in damals üblicher dänischer Sprache, was allerdings nach Erlangung der vollständigen Unabhängigkeit 1905 nach und nach wieder abgeschafft wurde. Ab 1930 wurde die Stadt in Nidaros zurückbenannt – aber nur kurzzeitig. Nach Protesten gilt seit 06. März 1930 der Name Trondheim in der heutigen neunorwegischen Schreibweise. Seit dem 17. und 18. Jahrhundert erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Grundlage des Wachstums war der Holz- und Fischhandel mit den nordeuropäischen Ländern. Auch der Export von Kupfer, das im Bergwerk und in der Hütte der Bergstadt Røros gewonnen wurde, trug zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Trondheim ist verglichen mit dem ländlichen Norden des Landes mit dem Flughafen Værnes nördlich der Stadt, einer Eisenbahnlinie in Nord-Süd-Richtung sowie Richtung Schweden und mehreren Europastraßen verkehrstechnisch gut erreichbar.

Weltcup und Weltmeisterschaften im Granåsen Skisenter

Das Wintersportzentrum der Stadt, das Granåsen Skisenter, liegt etwa zehn Kilometer südwestlich des Stadtzentrums auf einer Meeres höhe von 185 Metern und ist Trainings- und Wettkampfstätte für Langläufer, Skispringer, Kombinierer und Biathleten. Außerdem fanden dort Konzerte von Bruce Springsteen, Robbie Williams und Metallica statt – seit der Corona Pandemie jedoch nicht mehr. Schon 1997 fanden die Nordische Ski Weltmeisterschaften in Trondheim statt und 2025 nun zum zweiten Mal. Die erste Schanze wurde bereits 1940 eröffnet und im Laufe der Jahre weitere Schanzen gebaut und die bestehenden erweitert und modernisiert. Das Biathlon Stadion mit Schießstand existiert seit 2008 und wird seit 2009 im Weltcup genutzt. Nachdem die Nordische Ski WM 2025 nach Trondheim vergeben wurde, begannen im Frühjahr 2021 die Modernisierungsarbeiten auf dem gesamten Gelände. So wurden für insgesamt etwa 60 Millionen Euro die beiden Schanzen, das Sprungstadion, die Funktionsgebäude und das Loipennetz modernisiert, sowie ein neuer Biathlonschießstand errichtet. Die beiden Schanzen werden von Grundauf im Anlauf und Aufsprungbereich erneuert und am 1. Februar 2023 wiedereröffnet. Der Langlauf Weltcup machte zuletzt im Rahmen der FIS Ski Tour 2020 in Trondheim Station, zuvor in den Jahren 1996, zur WM 1997, sowie wieder im Weltcup 2000, 2004 und 2009. Der Veranstalter erwartet „Tausende norwegische Flaggen und Fans“ bei den Wettkämpfen, bis Montag waren aber lediglich 3000 Tickets verkauft bei einem Tagespreis von 150 bis 250 NOK für Erwachsene (12 bis 21 Euro). Grund zur Sorge, dass die Rennen vor leeren Rängen ausgetragen werden, besteht dennoch wohl nicht: „Ich denke, das ist typisch Trondheim, dass die Leute ihre Tickets erst kurzfristig kaufen. Ich drücke die Daumen, dass so viele Zuschauer wie möglich vor Ort sind“, sagte Lokalmatador Johannes Høsflot Klæbo zu Adresseavisen. „Ich verstehe, dass die Menschen zu dieser Zeit in Eile sind, aber ich verspreche ihnen gute Unterhaltung“, so Didrik Tønseth. Das WM-Maskottchen ist ein weißer Vogel mit bunten Flügeln, der den Namen Snedi (snedig=listig, schlau) tragen soll, wie Kinder aus den vielen Namensvorschlägen auswählten. 

Verletzungen und sonstige Ausfälle

Mit einem großen Team von 42 Athleten, 20 Damen und 22 Herren, startet Norwegen in den Heimweltcup und will vielen Athleten in zumindest einem Rennen eine Startchance bieten. Dennoch ist kein Platz im Team für Lokalmatador Emil Iversen, der als nicht gut genug für einen Start erachtet wurde – oder zu alt. „Es war ganz knapp“, sagte Trainer Eirik Myhr Nossum zur Nominierung. Auch Tiril Udnes Weng fehlt weiter nach ihrer Corona Infektion. Aus demselben Grund muss auch Jonna Sundling die WM-Generalprobe auslassen, während Johanna Hagström, die die beiden Heimweltcups auslassen musste, inzwischen davon genesen ist. Stattdessen muss Marcus Grate wegen seiner im Sprint erlittenen Muskelverletzung, einem Muskelfaserriss im rechten inneren Oberschenkelmuskel, pausieren und auch zur Tour de Ski kann er deswegen nicht antreten. Der 17-jährige Alvar Myhlback gehört in Trondheim nicht mehr zum schwedischen Aufgebot, nachdem er den Hoffnungen und vor allem seinen eigenen Erwartungen nicht entsprechen konnte. Finnlands Emmi Lämsä wird mindestens die Hälfte der Saison verpassen: Wie erst jetzt bekannt wurde, verletzte sie sich nach ihrer Rückkehr aus Ruka. Bei einem Abendspaziergang auf High Heels bei -20°C rutschte sie auf Schnee aus und beim Festhalten am Geländer eines Aussichtsturmes kugelte sich die 25-Jährige die Schulter aus. Glücklicherweise hatte sie ihr Handy dabei und verlor es nicht, so dass sie Hilfe rufen konnte, sonst hätte der Unfall wegen der Kälte auch noch schlimmer ausgehen können. Man hofft, dass sie Ende Januar oder Anfang Februar wieder ins Renngeschehen einsteigen kann. Die finnischen Stars sind in Trondheim aber größtenteils dabei, aber Ristomatti Hakola und Perttu Hyvärinen nehmen sich eine Trainingspause und Niko Anttola und Ville Ahonen nehmen am Scandinavien Cup in Vuokatti teil. Außerdem meldete sich Krista Pärmäkoski Mittwoch Abend via Instagram bei ihren Fans für Trondheim ab. Sie habe sich noch nicht von ihrer Corona-Infektion erholt, die sie sich in Gällivare eingefangen habe. Das französische Team wird durch Mélissa Gal ergänzt, die sich mit Siegen beim ersten FESA Cup in starker Form zeigte. Théo Schely fehlt nach einem positiven Covid Test. Sprinter Michael Hellweger stößt trotz Krankheit in der letzten Woche zum italienischen Team, da Cheftrainer Markus Cramer will, dass er die WM-Strecken kennenlernt. Für den 25-jährigen Kanadier Graham Ritchie ist die Saison schon frühzeitig beendet. Er rutschte in Östersund beim Joggen auf einer Eisplatte aus und brach sich den rechten Knöchel, der mit vier Schrauben stabilisiert wurde. Inzwischen ist er in Kanada gelandet und beginnt dort seine Rehabilitation. „Ich hoffe, du hasst Östersund nun nicht für immer und ewig“, schrieb Marcus Grate auf Instagram.

Fünf Österreicher und 13 Schweizer

Teresa Stadlober und Mika Vermeulen werden Österreich bei den beiden Distanzrennen vertreten und zeigen sich von der Loipe und den Gegebenheiten vor Ort begeistert. Beide wollen bei der WM-Generalprobe möglichst viele Erfahrungswerte sammeln und peilen eine Platzierung in den Top10 an. Das Sprintrennen am Freitag nehmen Benjamin Moser, Michael Föttinger und Lukas Mrkonjic in Angriff. Alle drei planen zudem mit einem Start über die 10 km am Sonntag. „Auf die Rennen hier in Trondheim freue ich mich jetzt sehr und auch die Strecke ist richtig cool und sehr anspruchsvoll. Gerade die klassische Runde hat viele lange Anstiege zu bieten, was mir grundsätzlich sehr entgegenkommt. Was am Samstag definitiv eine große Rolle spielen wird, sind die Verhältnisse. Es soll einen richtigen Wetterumschwung geben und im Moment ist auch starker Regen vorhergesagt. Für unser Service-Team wird das auf jeden Fall eine große Herausforderung und es könnte eine richtige Materialschlacht werden“, sagte Teresa Stadlober und auch Mika Vermeulen will nach dem „mittelmäßigen Rennen in Östersund“ wieder angreifen: „Jetzt steht Trondheim an und die Strecke dort ist hart und richtig cool. Ich fühle mich nach wie vor sehr gut, aber die Bedingungen werden an diesem Wochenende sicher eine Challenge werden. Es ist im Moment ein Wetterumschwung für Samstag vorhergesagt, was in Trondheim alles und gleichzeitig nichts bedeuten kann. Es kann eine Lotterie werden, aber die Verhältnisse sind immer für alle gleich und wir haben ein super Service-Team, dass das sicher gut hinbekommen wird. Die Ziele sind nach wie vor die gleichen: Top-Ten ist top, Podium noch besser.“ Mit einem großen Team von fünf Athletinnen und acht Athleten reiste auch das Swiss Cross-Country Team nach Norwegen. Zurück im Team ist Nadine Fähndrich nach ihrem Magen-Darm-Infekt, dazu kommen Lea Fischer, Alina Meier, Desirée Steiner und Anja Weber. Bei den Herren starten Jonas Baumann und Jason Rüesch in ihre Saison, außerdem treten Cyril Fähndrich, Valerio Grond, Erwan Käser, Beda Klee, Janik Riebli und Roman Schaad. 

Streckenbau seit Mitte November

Wegen kalter Temperaturen konnte schon sehr frühzeitig Mitte November mit dem Streckenbau begonnen werden – früher als Renndirektor Daniel Myrmæl Helgestad zu träumen gewagt hätte. Über mehrere Wochen wurde der Schnee in Granåsen produziert. Zudem wurden etwa 25.000 Kubikmeter Schnee aus dem Depot auf der Strecke aufgebracht, so dass eine fünf Kilometer lange Runde rennfertig ist. „Es ist toll, dass wir die Strecken so früh präparieren konnten. Nicht nur für den Weltcup, sondern für jeden, der trainieren oder einfach nur skilaufen möchte. Um den Skiathlon durchführen zu können, waren wir darauf angewiesen, im Bereich Litjåsen Schnee zu produzieren. Nun sieht es sehr gut aus, dass die Wettkämpfe wie geplant stattfinden können, selbst wenn kein Naturschnee fällt“, so Helgestad Mitte November. Auf dem Wettkampfprogramm stehen der erste Freistilsprint dieser Saison, der erste und einzige Skiathlon über 10+10 Kilometer und ein Einzelstart in der klassischen Technik. Streckenpläne gibt es auf Facebook, ein Höhenprofil stellt der Veranstalter leider nicht zur Verfügung, die Strecken werden aber als sehr anspruchsvoll bezeichnet. Im Oktober informierte sich auch Kronprinz Haakon über die Vorbereitung zu Weltcup und vor allem WM 2025. „Ich freue mich sehr darauf und ich denke, Sie alle können es auch. Ich werde auch beim Weltcup vor Ort sein, ich plane es auf jeden Fall“, sagte er dem anwesenden NRK-Reporter. 

Neuschnee in Trondheim schmilzt im Dauerregen

Mitte der Woche präsentiert sich Trondheim und das Skisenter Granåsen noch winterlich frisch verschneit bei zweistelligen Minusgraden in der Nacht und einstelligen Minustemperaturen am Tag. Pünktlich zu den drei Wettkampftagen wird es aber wärmer und der angekündigte Schneefall am Freitag wird im Laufe des Tages in Regen übergehen. Auch Samstag und Sonntag soll es bei Plusgraden kräftig regnen, 16 beziehungsweise acht Liter pro Quadratmeter sollen zusammenkommen bei böigem Wind am Samstag. Wobei die Regenmengen noch vorsichtig bemessen sind – es könnte auch viel mehr werden, bis zu 50 oder 60 Liter allein am Samstag. Im Gegensatz zum deutschen Team, dem der Wetterumschwung bekannt ist, haben andere Athleten davon noch nichts mitbekommen. „Wollt ihr mich veräppeln? Es soll regnen? Warum laufen wir nicht da, wo Winter ist?“, meinte Moa Ilar zum Expressen. „Hmm, das wird dann ein…. spezielles Wochenende. Das klingt nicht nach Spaß, das sind nicht die Bedingungen, die du haben willst“, sagte sie weiter. Auch Calle Halfvarsson wurde erst nach seiner Ankunft von den Journalisten über die Wetterprognose informiert: „Oh, das ist Mist. Dann laufe ich ja lieber bei -29°C. Aber immerhin sind es schöne Strecke. Es ist nur eine Frage des Durchhaltens. Aber ich bin trotzdem gespannt auf die Strecken. Mit dem Wetter… das wird miserabel.“ Auch für die Wachser werden diese Wetterbedingungen eine große Herausforderung…

Wenig Langlauf im Free TV

An einem vollgepackten Wintersport Wochenende ist wieder wenig Langlauf im Free TV geplant. Das ZDF hat an allen drei Wettkampftagen keinen Skilanglauf angekündigt, zeigt bei deutschen Erfolgen also bestenfalls kurze Zusammenfassungen. Eurosport zeigt nahezu das gesamte Wochenende nur bei Eurosport 2 und Discovery+, sofern es keine Absagen in anderen Sportarten gibt – nur den Sprint Prolog am Freitag, den es sonst nur bei Discovery+ zu sehen gibt, zeigt ausnahmsweise Eurosport 1 (Programmänderung: Den Prolog gibt es nun doch nur auf Euro2 und Discovery+!). Beim Sprint steigt ORF Sport+ ab 12:55 Uhr verspätet ein, SRF2 zeigt später eine Zusammenfassung. Den Skiathlon der Herren überträgt der Schweizer Sender live und die Damen gar nicht, während ORF Sport+ von beiden Rennen Zusammenfassungen zeigt. Lebt man in Österreich, kann man beide Einzelstarts im TV verfolgen, in der Schweiz nicht.

Zeitplan

Freitag, 15. Dezember 2023

10:00 Uhr: Sprint Freistil Prolog Damen/Herren
12:30 Uhr: Sprint Freistil Finalläufe Damen/Herren

Samstag, 16. Dezember 2023

11:10 Uhr: 10/10 Kilometer Skiathlon Damen
13:15 Uhr: 10/10 Kilometer Skiathlon Herren

Sonntag, 17. Dezember 2023

11:00 Uhr: 10 Kilometer Klassik Einzelstart Herren
13:15 Uhr: 10 Kilometer Klassik Einzelstart Damen