Tour de Ski 2017/2018: Sieben Etappen in Lenzerheide, Oberstdorf und im Fleimstal

Tour de Ski Pokal © Modica/NordicFocus

Am Samstag geht der Langlauf Weltcup in der Lenzerheide mit der Tour de Ski in die nächste Runde. Ob nun daheim mit der eigenen Familie oder zum Beispiel in Seefeld mit der „Langlauf-Familie“ oder allein im Training für die Tour de Ski – es gibt viele Möglichkeiten, die Feiertage zu verbringen. Die Hauptsache für alle war: Gesund bleiben…

Mignerey: „Keine Ahnung, wer hier auftrumpfen wird“

Pierre Mignerey (FIS) © FIS

Nach den Feiertagen blickt die Langlaufwelt auf den Beginn der Tour de Ski, die im Olympischen Winter wieder aus sieben Etappen in neun Tagen besteht. Los geht es am Samstag, den 30. Dezember mit der ersten von drei Etappen in der Lenzerheide (SUI), bevor es für zwei Tage nach Oberstdorf (GER) geht. Den Abschluss machen traditionell der Massenstart und das Handicaprennen zur Alpe Cermis im Val di Fiemme (ITA). FIS Race Director Pierre Mignerey sagte: „Wir freuen uns alle auf die nächste Tour, es ist insgesamt einer unserer erfolgreichsten Wettkämpfe. Wir haben bisher noch keine Ahnung, wer hier richtig auftrumpfen könnte, weil es auch ein olympischer Winter ist und sich viele nur auf die Olympischen Spiele konzentrieren. Aber jeder, der bei der Tour startet, wird sein Bestes geben, um einen guten Start zu haben.“ Der Franzose freut sich besonders auf die Schlussetappe in Italien – wie immer… „Val di Fiemme ist unser Markenzeichen und wird auch in Zukunft das Markenzeichen der Tour de Ski sein. Ich könnte mir eine Tour de Ski ohne das Val di Fiemme nicht vorstellen“, sagte er.

Sieben Etappen bei zwölfter Tour

Tour de Ski 2017/18

Die Tour de Ski geht in ihr zwölftes Jahr, in den vergangenen elf Jahren gab es sechs verschiedene Siegerinnen aus vier Nationen. Bei den Herren gewann Dario Cologna als einziger Athlet dreimal und nur Lukas Bauer und Martin Johnsrud Sundby gewannen zweimal (nach Aberkennung eines Sieges des Norwegers). Die ersten drei Etappen 2017/18 finden auf Schweizer Boden statt, los geht es mit einem Freistilsprint. Am zweiten Tag steht ein Einzelstartrennen im klassischen Stil auf dem Plan, am dritten Etappentag ein erstes Verfolgungsrennen im freien Stil. Nach einem Ruhetag wird in Oberstdorf klassisch gesprintet und ein Skating Massenstart ausgetragen. Am dritten Wettkampfort findet wieder ein Massenstart statt – diesmal aber klassisch. Zum Abschluss folgt die gefürchtete Alpe Cermis mit Handicapstart. Unterwegs gibt es auf fast jeder Etappe (außer Alpe Cermis) Bonussekunden für die Gesamtwertung zu gewinnen – entweder für die Besten im Ziel oder bei Zwischensprints im Massenstart. Außerdem gibt es für den Gesamtsieg 400 Weltcuppunkte mitzunehmen (zusätzlich zu 55.000 CHF Preisgeld für den Gesamtsieg), sowie 50 Punkte auf jeder Etappe, die für den Gesamt- sowie den Disziplinenweltcup zählen. Insgesamt werden an den sieben Wettkampftagen 548.000 Schweizer Franken Preisgeld ausgeschüttet.

Zusagen und Absagen

Martin Johnsrud Sundby (NOR) © Modica/NordicFocus

Astrid Uhrenholdt Jacobsen will nicht, muss aber – Petter Northug will unbedingt, kann aber nicht: Im norwegischen Team gibt es wieder eine Menge Diskussionsstoff um die Tour-Nominierungen. Zwar hat Martin Johnsrud Sundby seit Toblach keine Trainingseinheiten draußen absolviert, denoch will der Norweger die Tour de Ski in Angriff nehmen und meint, er kann gute Leistungen bringen. Darum ist Petter Northugs Hoffnung passé, noch nachrücken zu dürfen – denn die anderen sind über die Feiertage auch alle fit geblieben. Neben Northug muss auch Emil Jönsson seine Tour-Hoffnungen begraben. Der Schwede ist erkrankt und kann seinen reisefertigen Koffer nun wieder auspacken, wie er am Donnerstag bekanntgab. Nach einigen Tagen Ruhe geht es den Luftwegen zwar besser, aber nicht gut genug für die Tour de Ski. Dagegen hat sich Anne Kyllönen von ihrem Virusinfekt erholt und grünes Licht für einen Start gegeben. Sie brauche Rennen, um für die Olympischen Spiele in Form zu kommen, so ihr Trainer. Dasselbe gilt auch für Iivo Niskanen (nicht die ganze Tour) und Krista Pärmäkoski, die Toblach erkrankt auslassen musste. Nicht dabei ist aber Max Hauke. Dem Österreicher macht eine Verkühlung einen Strich durch die Rechnung. Statt der Tour de Ski stehen nun Spaziergänge und Erholung am Programm, um den weiteren Saisonverlauf nicht zu gefährden. 

Update: Yuliia Belorukova muss einen Start für das russische Team nach einem Sturz absagen. Sie brach sich die Nase und verletzte sich außerdem leicht am Nacken. Wie lange sie pausieren muss, ist noch nicht bekannt.

Titelverteidigung durch Ustiugov?

Sergey Ustiugov (RUS) © Modica/NordicFocus

Viel vorgenommen haben sich die Russen, die alle aufgeboten haben, die noch startberechtigt sind. Vor allem Sergey Ustiugov will „der Welt zeigen, dass die Russen „sauber und sehr stark“ sind“. Der 25-Jährige, der offenbar nicht im Fokus der Oswald-Kommission steht (drei Namen von Sochi-Teilnehmern stehen noch aus) gewann im Vorjahr sechs von sieben Etappen und die Gesamtwertung und will diesen Erfolg wiederholen. Ohne Johannes Høsflot Klæbo, Simen Hegstad Krüger und mit einem vermutlich nicht voll leistungsfähigen Martin Johnsrud Sundby könnte die größte Konkurrent fast aus dem eigenen Land kommen – mit dem 20-jährigen Alexander Bolshunov, der in diesem Jahr sowohl im Sprint als auch in der Distanz stark auftrumpfte. Bei den Norwegern weiß man nichts Genaues: Was soll man von ihnen zutrauen? Laut Trainer sind alle fit und gut drauf, aber überzeugt haben bisher wenige der Tour-Starter und vor allem nur punktuell. Akzente setzen können sicherlich auch Freistil-Spezialist Maurice Manificat und Alex Harvey, wobei dem Franzosen der letzte Anstieg liegt, dem Kanadier die Alpe Cermis aber immer im Weg steht. Calle Halfvarsson und Marcus Hellner wären sicher auch zu nennen, wenn sie nicht immer so infektanfällig wären. Die größte deutschsprachige Hoffnung ist definitiv Dario Cologna, ob die Form des Schweizers aber für Top-Ergebnisse reicht, wird man abwarten müssen – auch für ihn sind selbstverständlich die Olympischen Spiele das große Ziel.

Norwegerinnen oder Pärmäkoski?

Heidi Weng (NOR) © Modica/NordicFocus

Bei den Damen führt der Weg zum Sieg nur über die Norwegerinnen – diesen schweren Weg will Krista Pärmäkoski allerdings im Gegensatz zu den Schwedinnen gehen. Eine ganz heiße Kandidatin für ein Podium ist die Finnin auf jeden Fall, wenn sie bei den Sprints nicht zu viel verliert vielleicht auch mehr. Laut eigener Aussage nutzt sie die Tour aber zum Formaufbau für das Hauptziel, die Olympischen Spiele. Ihre Teamkollegin Kerttu Niskanen fand zuletzt ihre Form und will die Leistung aus Toblach bestätigen. Die Norwegerinnen müssen aber auch erst einmal geschlagen werden, auch wenn nicht bekannt ist, ob alle auch die Tour beenden werden. Neben den Skandinavierinnen wollen auch die Amerikanerinnen Erfolge sammeln. Jessie Diggins will ihren fünften Platz aus dem Vorjahr, das bisher beste Ergebnis einer US-amerikanischen Langläuferin, verbessern. Sadie Bjornsen wird vom US-Verband selbst noch als „Dark Horse“ bezeichnet, nach ihren Podestplätzen zu Saisonbeginn kann man ihr aber auch das eine oder andere gute Resultat zutrauen. Ihre Teamkollegin Sophie Caldwell hat sogar beste Erinnerungen an den Oberstdorfer Klassiksprint vor zwei Jahren. Daumen drücken heißt es auch für Teresa Stadlober und Nathalie von Siebenthal, die in ihrer aktuellen Form sicher auch zum erweiterten Kreis der Podestkandidatinnen zählen.

DSV: Für Korea qualifizieren

Alisa Zhambalova (RUS), Sandra Ringwald (GER), Stefanie Boehler (GER), (l-r) © Modica/NordicFocus

Für das große deutsche Team, das aus insgesamt 20 Aktiven besteht, geht es darum, auf einzelnen Etappen Akzente zu setzen und sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren sowie für die Nachwuchssportler darum, Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. „Wir fahren mit insgesamt 20 Aktiven nach Lenzerheide. Da für uns der Saisonhöhepunkt Korea heißt, konzentrieren wir uns auf die einzelnen Rennen der Tour. Die Gesamtwertung spielt eine untergeordnete Rolle. Wir möchten durch gezielte Einsatzplanung die Chancen der Athleten, sich für die Spiele zu qualifizieren, perfekt nutzen“, so Andreas Schlütter.

Viel Niederschlag angekündigt – alles LIVE

Ingvild Flugstad Oestberg (NOR) © Modica/NordicFocus

Die Tour de Ski beginnt in dieser Saison winterlich im Kanton Graubünden mit Neuschnee noch bis einschließlich Samstag und Sonnenschein bei Plusgraden am Sonntag. Montag wird es wohl wieder etwas kälter mit möglichem leichten Schneefall. Ab der Weiterreise ins Allgäu wird es dann aber sehr feucht. Die beiden Wettkampftage in Oberstdorf sollen laut aktueller Vorhersage völlig verregnet sein, mit etwas Glück sinken die Temperaturen bis dahin wieder etwas, so dass der Niederschlag hoffentlich wenigstens teilweise als Schnee vom Himmel fällt. Für das Finale in Italien sind noch keine verlässlichen Aussagen zu treffen. Tendenziell soll es dort Mitte der Woche aber noch etwas Schnee geben. Danach wird es eventuell auch dort wärmer. Die Tour de Ski wird im Fernsehen komplett live abgedeckt. Zur Wahl stehen neben Eurosport auch ARD und ZDF. Wer unterwegs ist, kann auf Livestreams zurückgreifen wie den Eurosport Player sowie die Streams von ARD und ZDF.

 

Tour de Ski im Überblick

Tour de Ski

Samstag, 30. Dezember 2017, Lenzerheide (SUI):
10:00 Uhr: Sprint FT Prolog
13:00 Uhr: Sprint FT Finalläufe

Sonntag, 31. Dezember 2017, Lenzerheide (SUI):
10:30 Uhr: 15 Kilometer KT Herren Einzelstart
15:00 Uhr: 10 Kilometer KT Damen Einzelstart

Montag, 01. Januar 2018, Lenzerheide (SUI):
11:00 Uhr: 10 Kilometer FT Damen Verfolgung
13:00 Uhr: 15 Kilometer FT Herren Verfolgung

Mittwoch, 03. Januar 2018, Oberstdorf (GER):
12:30 Uhr: Sprint KT Prolog
14:50 Uhr: Sprint KT Finalläufe

Donnerstag, 04. Januar 2018, Oberstdorf (GER):
10:15 Uhr: 10 Kilometer FT Damen Massenstart
11:15 Uhr: 15 Kilometer FT Herren Massenstart

Samstag, 06. Januar 2018, Val di Fiemme (ITA):
14:15 Uhr: 10 Kilometer KT Damen Massenstart
15:45 Uhr: 15 Kilometer KT Herren Massenstart

Sonntag, 07. Januar 2018, Alpe Cermis – Val di Fiemme (ITA):
11:30 Uhr: 9 Kilometer FT Damen Handicap Final Climb
14:30 Uhr: 9 Kilometer FT Herren Handicap Final Climb